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RWO sorgt sich um das Knie von Kapitän Patrick Bauder

Raphael Steinmetz (l.) und Christian März freuen sich über das 1:0 von RWO gegen Mönchengladbach.

Raphael Steinmetz (l.) und Christian März freuen sich über das 1:0 von RWO gegen Mönchengladbach.

Foto: Micha Korb

Oberhausen.   Für RWO gab es nach der tollen Leistung gegen Gladbach viel Lob. Nur das Knie von Kapitän Bauder und das Verhalten der Fans trüben die Stimmung.

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„Jetzt ist der perfekte Zeitpunkt für einen Wechsel“, erschallt es immer aus dem Stadion-Lautsprecher, wenn ein Spieleraustausch angekündigt wird. Am Freitagabend wird das dem Kapitän des SC Rot-Weiß, Patrick Bauder, wie Hohn in den Ohren geklungen haben: Nach fünf Minuten umkurvte er, gestützt auf Andreas Münkers starker Schulter und schwer humpelnd, den Platz und verschwand mit „Doc“ Volker Röttgen im Tunnel.

Wann er wiederkommt? Beim Versuch, einem Gegenspieler den Ball abzuluchsen, hatte der Filigrantechniker sich in Höhe der Mittellinie das Knie verdreht und brach nach kurzem Versuch ab: „Das Knie ist über Nacht total geschwollen, Genaueres kann man noch nicht sagen“, informierte am Samstag Trainer Mike Terranova. Nun warten alle auf eine Kernspintomographie, die am Montag Aufschluss geben soll.

Keeper Udegbe nur im Aufbau gefordert

Mit Bauder, Tim Hermes (Bandscheibe) und Shaibou Oubeyapwa (Adduktoren) fehlten also gleich drei Stammspieker. Dass sich am Ende des Abends darüber kaum noch jemand unterhielt, unterstreicht die große Leistung der verbliebenen Kleeblätter, deren 2:0 über die U23 von Borussia Mönchengladbach alles überstrahlte.

Gladbachs Trainer Arie van Lent versuchte anschließend, den Auftritt seines Teams zu verzwergen, aber das ist vielleicht dem Umstand geschuldet, dass Cheftrainer Dieter Hecking anwesend war. Gladbach war nicht schlecht, musste sich aber einer vor allem nach dem Seitenwechsel ganz groß aufspielenden Terranova-Truppe beugen – und dabei noch über das 0:2 ganz froh sein. Es hätte höher ausgehen können: Pfostenschuss Odenthal in der 45., vergebene Elfmeterchance Schumacher in der 88. Minute, das würde schon 4:0 machen, dazu kamen glänzende Reaktionen des starken Moritz Nicolas im Tor. Sein Gegenüber Robin Udegbe musste keinen einzigen Ball halten.

Stichwort Udegbe: Der Keeper hatte starke Szenen in der zweiten Halbzeit, weil er offenbar genau zugehört hatte, was Terranova in der Pause angeordnete hatte, nämlich lang zu spielen, wenn „Ersatz-Kapitän“ Jannik Löhden aufrückt. Dann war Gladbach ganz durcheinander, weil so die sonst geschickt gefügte Mittelfeldverteidigung überrumpelt war. Das ist ein neues Stilmittel, das „Terra“ da unter Ausnutzung der „Überlänge“ von Löhden eingeführt hat. Und es ist nicht schlecht.

Stille schadet der Mannschaft

Mit dem Super-Auftritt gegen Viktoria Köln in der Hinrunde war dies ein weiteres spielerisches Highlight, das die Rot-Weißen da zündeten, diesmal auch mit Punkten belohnt. Die Mannschaft entwickelt sich konstant weiter, und darauf darf der Trainer stolz sein.

Wer sich hingegen fragen lassen muss, ob er mit der Entwicklung Schritt hält, ist jener Teil der Anhängerschaft, der sich dem bundesweit verabredeten „stillen“ Protest gegen Spieltagsansetzungen anschloss. Man kann die Abneigung gegen Spiele am Montag verstehen (das 0:2 in Wuppertal markierte den Tiefpunkt einer Saison), aber eigentlich hat Oberhausen mit der Problematik nichts zu tun. Und die Stille auf der Stehtribüne schadet der Mannschaft, die man doch unterstützen will.

Von diesem „Nebenkriegsschauplatz“ abgesehen, darf man sich auf den Rest der Runde in diesem Advent freuen: Als Tabellenweiter zur schwächelnden Alemannia auf den Tivoli am Samstag und dann gegen Borussia Dortmund. Jene Borussia, die sich am Samstag von Viktoria Köln abkochen ließ und nun nur noch Vierter ist. Als einziges Team des BVB nicht an der Spitze! Das sieht Aki Watzke nicht gern, aber das kann RWO völlig schnuppe sein.

Die Stimmen zum Spiel

Gladbachs Trainer Arie van Lent: Aufgrund der zweiten Halbzeit und der letzten fünf Minuten der ersten Halbzeit ist das ein hochverdienter Sieg für Oberhausen, zu dem ich nur gratulieren kann. Ich bin sehr enttäuscht von uns, weil wir unser schlechtestes Saisonspiel abgeliefert haben. Das war manchmal Kinderfußball. Mike Terranova kann mit seinen Spielern jetzt einen saufen gehen und ihnen dann ein paar Tage frei geben.

RWO-Trainer Mike Terranova: Nach der Niederlage in Straelen liefen hier viele mit gesenktem Kopf herum. Heute kann ich nur alle Hüte ziehen. Alle waren gut, fast alles war gut, und nach der frühen Verletzung ihres Kapitäns hat die Mannschaft komplett Charakter gezeigt. Wir hätten allerdings höher gewinnen müssen und damit meine ich nicht nur den vergebenen Elfmeter. Was mir nicht gefallen hat, war das Verhalten der Fans. Wir brauchen den Rückhalt der Emscherkurve, wie der Spielverlauf ja auch gezeigt hat. Mit Montagsspielen haben wir eigentlich nichts zu tun, und die Fans sind doch RWO-Fans. Zu Arie van Lents Vorschlag kann ich nur sagen: Zum Saufen gibt’s noch keinen Grund, denn wir haben bloß ein Spiel gewonnen.

RWO-Abwehrchef Jannik Löhden: Die erste Halbzeit war gut, die zweite dann sehr gut. Was fehlte, war, dass wir nicht gut genug zu Ende gespielt haben. Man sieht insgesamt, dass wir gut drauf sind. Das Spiel in Straelen ist jetzt raus aus den Hinterköpfen. Wir wissen, wie es besser geht und wollen immer gewinnen.

RWO-Allrounder Yassin Ben Balla: Ach ja, gegen Gladbach habe ich im Hinspiel auch ein Tor geschossen! Aber es ist nicht wichtig, wer die Tore erzielt. Sie müssen nur fallen, und das geht nur, wenn alle gemeinsam Gas geben.

RWO-Elfmeterschütze Dario Schumacher: Gut, dass wir schon 2:0 führten. Das ist der erste Elfmeter, den ich verschossen habe!

RWO-Mittelstürmer Philipp Gödde: Dass das 1:0 ein Eigentor war, stört mich überhaupt nicht. Ich habe es erzwungen, und das Tor war der Dosenöffner. So dreckige Tore können auch mal helfen. Ich bin gut drauf und es macht Spaß.

RWO-Sportleiter Jörn Nowak: Ich verstehe es nicht. Wir spielen eine hervorragende Saison, zeigen guten Fußball, und da kommen an einem Freitagabend keine 2000 Zuschauer ins Stadion. Und die meinen zum Teil auch noch, sie müssten gegen Spielansetzungen an Montagen demonstrieren. Das hat unserer Mannschaft geschadet, zumal in einem eher ruhigen Stadion die häufig negativen Kommentare von der Haupttribüne auf dem Platz unten sehr gut zu hören sind.

Am Samstag nach Aachen

Die nächste Aufgabe führt RWO am kommenden Samstag, 8. Dezember (14 Uhr), zum Tabellenneunten Alemannia Aachen.

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