Rot-Weiss Essen

Zweite RWE-Niederlage in Folge hinterlässt bei Titz Spuren

Auch Schiedsrichter Mitja Stegemann hatte nicht seinen besten Tag, was ihm David Sauerland (links) und Marco Kehl-Gomez  deutlich zum Ausdruck brachten.

Auch Schiedsrichter Mitja Stegemann hatte nicht seinen besten Tag, was ihm David Sauerland (links) und Marco Kehl-Gomez deutlich zum Ausdruck brachten.

Foto: Thorsten Tillmann/FFS

Mönchengladbach.  Der RWE-Coach wollte die unnötige 2:3-Niederlage in Mönchengladbach erst mal sacken lassen, bemängelt aber die inkonsequente Abwehrarbeit.

Die baulichen Gegebenheiten im Grenzlandstadion zu Rheydt sind so, dass die Spieler nach Abpfiff durch eine Unterführung in die Kabinen gehen, oben drüber streben die Zuschauer dem Ausgang zu. Unten wie oben herrschte das Schweigen der Belämmerten, einige Fans applaudierten, doch die Spieler gingen mit gesenkten Köpfen. Dieses 2:3 bei den Gladbacher Amateuren wirkte nach und wird wohl noch einige Tage anhalten. „Ich muss das Ganze auch erst einmal sacken lassen, bevor es an die Analyse geht“, bekannte auch RWE-Trainer Christian Titz. Zwei Niederlagen in Folge, sieben Gegentore - da kann man nicht zur Tagesordnung übergehen.

40 Minuten hatten die Rot-Weissen alles im Griff

Schon gar nicht, weil die Rot Weissen 40 Minuten lang alles im Griff hatten und verdient durch den gefühlvollen Torstreichler von Jan Lucas Dorow (10.) schnell in Führung lagen. „Da musste man mit weiteren Gegentoren rechnen, aber der Elfer hat uns in dieser Phase geholfen“, bekannte anschließend Gladbach-Trainer Arie van Lent. Und Schiedsrichter Stegemann natürlich, dessen Pfiff kurz vor der Halbzeit nach einer üblichen Zweikampf-Attacke von Marco Kehl-Gomez ebenso lächerlich war wie die zweite (Konzessions?-) Entscheidung kurz vor Schluss, als David Sauerland auf dem Weg raus aus dem Strafraum war. Aber die beiden Strafstöße waren gar nicht spielentscheidend, eher die Zeit dazwischen.

Denn dass eine Spitzenmannschaft nach einem unberechtigten Elfmeter gegen sich so aus der Spur gerät, war bei den Essenern nicht mehr erwartet worden. Die einfachsten Pässe wollten nicht mehr gelingen, und wie schon gegen Verl hatte der Gegner plötzlich mit seiner ruppigen Spielweise das Geschehen komplett an sich gezogen. „Da kann man mal sehen, was Tore im Fußball für die Psyche bedeuten, hätte es den ersten Elfer nicht gegeben, passiert hier nichts“, bemerkte Titz.

Zwei Böcke nutzten die Gladbacher gnadenlos

So passierte nach dem Wechsel auch nichts mehr, aber vor allem vor dem Gladbacher Tor. Beim zweiten Treffer der Gastgeber tauchte der eingewechselte Justin Steinkötter völlig frei vor Torhüter Lenz auf, weil bei der aufgebauten RWE-Abseitsfalle einer den Spielverderber gab. Und beim 1:3 durch eben jenen Steinkötter nur fünf Minuten später flipperte die Kugel durch den Essener Strafraum, an Abwehrbeinen vorbei, die plötzlich zu Salzsäulen erstarrt schienen. „Zwei Böcke“, wie Titz trocken bemerkte, „da muss der Ball einfach nur weggeschlagen werden.“ In der Kurz-Analyse klang das dann schon wieder fundierter: „Wir lassen ja kein Feuerwerk zu, aber wir verteidigen die Dinge in den individuellen Situationen sehr inkonsequent.“

Als Augenzeuge und Täter in einem fungierte dabei Kapitän Marco Kehl-Gomez, der diesmal wieder die Hälfte des Innenverteidiger-Pärchens bilden durfte. „Wie wir im Moment die Gegentore fressen, ist ja unfassbar, wir müssen endlich damit aufhören, Geschenke zu verteilen, so kann es nicht weitergehen, das müssen wir abstellen“, fordert der Schweizer, holte aber auch gleichzeitig die Vorderleute mit ins momentan leicht schlingernde Boot: „Vorne müssen wir wieder öfters in die gefährliche Zone kommen.“ Denn da herrschte nach dem Wechsel tote Hose, der in der Schlussviertelstunde eingewechselte Marcel Platzek fand überhaupt keine Bindung zu seinen Nebenleuten.

Allzu dramatisch wollte Kehl-Gomez die Lage aber nicht beurteilen: „Es waren jetzt zwei Niederlagen – nicht mehr und nicht weniger.“ Tröstende Worte fand auch Gladbachs „Dauer-RWE-Fan“ Arie van Lent: „Ich gönne ihnen alles Gute, sie werden am Ende weit oben stehen. Nur heute, da tut es mir nicht leid.“ Wenn das eine das andere am Ende mal nicht durchkreuzt.

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