RWE-Kolumne

Straelen hatte am Ende bei RWE allen Grund zu strahlen

Foto: Michael Gohl

essen.   Uralt-Ultra-Fan Happo musste die starke Leistung des Aufsteigers anerkennen und sieht seine Essener erst mit dem Rücken zur Wand richtig stark.

Manches Schminkschwämmchen schwimmt und manches Schminkschwämmchen schwimmt nicht. Und jetzt alle! Gar nicht so einfach, die paar Worte unfallfrei auszusprechen, gell?! Hätte auch schreiben können: Mal gewinnt man, mal nicht! So wie Rot-Weiss Essen am Freitagabend gegen den SV Straelen. Ausgesprochen übrigens Strahlen, endlich weiß ich es.

Die Gäste hatten auch allen Grund nach dem Schlusspfiff zu strahlen. Gut 70 Minuten waren sie für mich das bessere Team. RWE knüpfte dagegen nahtlos an die Leistung der zweiten Halbzeit in Verl an, was die Offensivbemühungen betrifft. Im Arbeitszeugnis würde stehen: Sie waren stets bemüht. Auffällig viele Ballverluste beim Spielaufbau, trotz geringem Tempo. Alles Dinge, die abgestellt schienen. An der körperlichen Fitness dürfte es kaum gelegen haben. Nicht der Geist ist willig und das Fleisch ist schwach, eher umgekehrt. Dabei können sie es doch, Beweise liegen vor.

Der Taktik-Fuchs von der Hafenstraße 97A

Womöglich interpretiere ich zu viel hinein, aber wenn die Mannschaft mit dem Rücken zur Wand steht, wenn sie also zurückliegt wie gegen Straelen, nichts mehr zu verlieren hat, dann geben sie Gas, drehen auf, wie die Duracell-Hasen in der Werbung, setzen alles auf eine Karte. Deshalb kann ich den Jungs auch nicht böse sein.

Da fällt mir ein, in Schermbeck soll ein böser Wolf heimisch geworden sein. Sämtliche Indizien sprechen dafür. Nichts gegen den Wolf, aber was ist das schon gegenüber unseren Taktik-Fuchs von der Hafenstraße 97A?! Da wechselt der doch tatsächlich einen Mittelfeldspieler gegen einen Verteidiger aus, obwohl die Mannschaft mit 0:2 in Rückstand liegt! Und prompt köpft dieser Abwehrspieler – Urban ist sein Name – den Anschlusstreffer, erzielt fast noch den Ausgleich, der dann aufgrund des hohen Drucks auf das gegnerische Tor, wenige Minuten später durch Innenverteidiger Timo Becker fällt. Eine taktische Meisterleistung, die möglicherweise aus der Not heraus geboren wurde.

Neitzel hält sich beim Personaltausch vornehm zurück

„Ich wechsle nur aus, wenn sich einer ein Bein bricht“. Dieser Spruch stammt von Retro-Trainer Werner „Beinhart“ Lorant. So extrem handelt Essens Übungsleiter Kalle Neitzel natürlich nicht, hält sich allerdings beim Personalaustausch in letzter Zeit vornehm zurück. Seine Art zu kommunizieren, welchen Akteuren er (derzeit!) Vertrauen schenkt. Reine Vermutung meinerseits. Wie mieses Taktieren aussieht, zeigte die politische Elite eindrucksvoll in den letzten Tagen.

Sonntag kann dann Aachen kommen

Einfach nur anma(a)ßend. Die Maß ist nicht voll, aber das Maß. Beide müssen teuer bezahlt werden. Für Rot-Weiss geht es jetzt Schlag auf Schlag weiter. Es gilt, Punkte zu sammeln, um in Schlagdistanz zur Tabellenspitze zu bleiben. Oft wird betont, es käme nicht auf die Länge an, doch wer am Ende der Saison oben stehen will, sollte auf jeden Fall einen langen Atem besitzen. Wenn Mittwochabend Kapitän Benny Baier nicht in den Lauf des Gegenspielers passt, sondern vor dem Gladbacher Tor genauestens Maß nimmt, dann landet der Ball – gespielt wird übrigens in Rheydt – im Winkel oder unten rechts, egal, Hauptsache drin.

Sonntag kann dann Aachen kommen, unabhängig davon, ob die Neitzel-Elf die Alemannen kommen lassen. Ich glaube an die Mannschaft, ich glaube nach wie vor, da geht was. Man soll die Hoffnung nie aufgeben, vor allen Dingen die Menschen nicht, die in diesen Tagen schwere Zeiten durchleben müssen.

Ich drücke euch und ganz feste zusätzlich beide Daumen.

der Happo

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik