Rot-Weiss Essen

RWE-Zugang Moritz Fritz macht lieber einen Schritt zurück

Trotz seiner Größe sehr wendig: Moritz Fritz (rechts) kickt am liebsten auf der Position, auf der er das Spiel am meisten beeinflussen kann.

Trotz seiner Größe sehr wendig: Moritz Fritz (rechts) kickt am liebsten auf der Position, auf der er das Spiel am meisten beeinflussen kann.

Foto: Michael Gohl/ FUNKE Foto Services

Essen.  Trotz einer Perspektive im Schalker Profikader geht RWE-Neuling Moritz Fritz den "Umweg" über RWE, um seinem Ziel Profifußball etwas näher zu kommen.

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Vorletzte Woche im Trainingslager ist Moritz Fritz 22 Jahre jung geworden, angestoßen hat er mit seinen neuen Kollegen. Das war nicht selbstverständlich, der Wechsel des Ex-Schalkers zog sich durch die Sommerpause wie ein ausgelutschtes Kaugummi. „Ich dachte, es wäre alles klar, habe schon mittrainiert bei Rot-Weiss und meine Rückennummer erhalten, dann hieß es aus Schalke doch noch, aus sportlichen Gründen könne der Wechsel noch nicht vollzogen werden.” Dann war er doch da. Pünktlich zur ersten Halbzeit im Testspiel gegen den SV Schonnebeck, wo es nach 45 Minuten bekanntlich 0:3 stand. So richtig angekommen ist er also erst in Boppard am Wochenende gegen Lauterns Reserve. Mit erstem RWE-Tor und Sonderlob des Trainers.

Moritz Fritz ist schwierige Starts gewohnt. Wer in so jungen Jahren bereits das Trikot vom BVB, Schalke und RWE getragen hat, der ist für die Zukunft gewappnet. Wobei der Defensivmann darin überhaupt kein Problem sieht: „Das sind alles tolle Vereine, das hat sich aus sportlicher Hinsicht einfach immer so ergeben und hat mich immer einen Schritt weiter gebracht.”

Fritz wollte bei Schalke nicht nur Spekulieren

Bei dieser Aussage stutzt man unweigerlich, hat das Nachwuchstalent bei den Nachbarn doch immerhin unter den letzten drei Trainern Jens Keller, Roberto di Matteo und auch beim Neuen, Andre Breitenreiter, im Training bei den Profis und auch in Testspielen mitwirken können. Da sieht es doch beim Gang zu einem Viertligisten eher nach einem Rückschritt aus. „Hätte sich das mit RWE nicht ergeben, wäre es sicherlich mein Ziel gewesen, bei der Ersten mal mit reinzurutschen. Aber man nennt es ja nicht umsonst Knappenschmiede, wo es viele Talente gibt. Und nur auf die Chance zu spekulieren, das hat mir nicht gereicht, da muss dann auch viel Glück dazu kommen”, sah er seine Ausgangssituation doch ziemlich erwachsen. Nun sei er sich sicher, dass RWE der richtige Schritt in seiner Karriere wird: „Das ist ein Riesen-Traditionsklub, ich hab hier ja schon mit anderen Mannschaften gespielt. Wenn man das hier so mitkriegt, die ganze Atmosphäre und das Umfeld, dann weiß man, das ist hier ein absoluter Profi-Klub.“

Wie groß der Konkurrenzkampf in der neuen Mannschaft wird, dies hat Moritz Fritz schon in den ersten Trainingstagen zu spüren bekommen, auch nach dem Ausfall von Leon Binder stehen die Kandidaten für seine Wunschpositionen in der Innenverteidigung oder im defensiven Mittelfeld immer noch Schlange. Fritz wirft da neben seiner auffälligen Größe vor allem seine erstaunliche Wendigkeit sowie technische Stärken in der Spieleröffnung in die Waagschale. Viel zu verdanken hat er da seinem Vater als Trainer beim Stammverein VfR Wellensiek, der die Grundlagen schuf und auf ein sauberes Passspiel Wert legte. Denn der heute baumlange Verteidiger musste bis zur A-Jugend ein erstaunliches Defizit ausgleichen: „Ich war bis dahin nur 1,70 Meter groß und musste mich immer mit meiner Technik durchsetzen, weil ich nicht die körperlichen Voraussetzungen hatte.”

Fritz' Wunschposition liegt im zentralen Mittelfeld

Das erste Seniorenjahr beim SV Lippstadt in der Regionalliga unter Trainer Daniel Farke endete zwar mit einem Abstieg, brachte ihn persönlich aber enorm weiter, war er doch Stammspieler und in jeder Partie dabei. Da war er auf allen Positionen zu finden, sogar im offensiven Mittelfeld.

Inzwischen fühlt er sich im zentralen Mittelfeld am wohlsten, „wo man viele Ballkontakte hat und das Spiel am meisten beeinflussen kann.” Auf dem Weg zum kompletten Mittelfeldspieler. Wo er sich im besten Fußballer-Alter in drei, vier Jahren sieht? „Schwierig zu sagen, da gehört auch eine Portion Glück dazu. Aber man hat vieles selbst in der Hand, Leistung zu bringen, dann kommt man weiter.” So hoch wie möglich, lautet das Ziel.

Mit RWE würde es für ihn erst einmal bedeuten, zurück in den Profifußball zu kehren. Was schwer genug wird. „Man hat es in den letzten zwei Jahren gesehen, dass immer wieder neu gemischt wird. Gladbachs U23, die hatte dieses Jahr auch keiner auf dem Zettel.” Moritz Fritz möchte jedenfalls in Essen beweisen, dass sein Schritt zurück nur ein Anlauf zu höheren Zielen ist.

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