Rot-Weiss Essen

RWE verpasst im Derby in Oberhausen den Lucky Punch

Essen.  Rot-Weiss Essen erreichte im Derby bei Rot-Weiß Oberhausen ein 1:1. Auch für die Gastgeber fühlte sich das Ergebnis wie eine Niederlage an.

Am Ende spielten sie noch Eishockey: RWO-Torhüter Daniel Davari war in den letzten Minuten des Derbys, das spät in Fahrt gekommen war, mit aufgerückt vor das Essener Tor. Sekt oder Selters die Devise, der eine Punkt kam Oberhausen im Aufstiegskampf einer Niederlage gleich.

Doch dann lief der Essener Konter: Ismail Remmo strebte mit den Nebenleuten Timo Brauer und Enzo Wirtz auf das verwaiste RWO-Tor zu. Er lief und lief, doch als er endlich abspielte, stand Brauer im Abseits, nur noch ein Oberhausener stand zwischen Tor und RWE-Spielern. Chance vertan.

RWE erwiesen sich als faire Sportsleute

Doch auch das 1:1 schmeckte den Gastgebern wie Wasser ohne Kohlensäure. Auch wenn Trainer Mike Terranova hinterher tapfer erklärte: „Ich glaube, das noch was passieren kann, ich werde den Jungs erst mal zwei Tage frei geben.” Terranova, im wirklichen Leben auch Auto-Händler, gilt nicht als Mathe-Genie: Bei vier Punkten Rückstand plus des schlechteren Torverhältnisses auf Viktoria Köln ist die Aufstiegs-Messe wohl gelesen.

Die Rot-Weissen haben sich im Aufstiegskampf als faire Sportsleute verhalten: Punkt bei Viktoria Köln, Punkt im Niederrheinstadion – mehr Titelaspiranten-Ärgern ging nicht. Und im Gegensatz zum Auftritt am Kölner Höhenberg, wo es kaum eigene Chancen gab, hatte RWE beim Reviernachbarn die eindeutig besseren Möglichkeiten. „Ich bin nur zu 90 Prozent zufrieden, aber wir fahren schon mit einer gehörigen Portion Stolz nach Hause”, bekannte denn auch RWE-Trainer Karsten Neitzel.

Enzo Wirtz stieg am Höchsten

Konnte er, vor allem in der ersten Halbzeit, als nur die Gäste spielten, der Tabellenzweite nicht einmal zu einem halbwegs geregelten Umschaltspiel fand. „Das war nicht die Angst vor der eigenen Courage, wir haben es in den Halbräumen einfach nicht gut gemacht und mussten immer wieder hinterherlaufen, das kostete viel Kraft”, beteuerte Terranova, der zur Halbzeit sein System umstellen musste.

Bis dahin lag sein Team völlig verdient in Rückstand: Nach einem Freistoß von Kevin Grund fast von der Eckfahne stieg Enzo Wirtz im Getümmel im richtigen Moment am höchsten – was beim Riesen Jannik Löden eine Kunst für sich ist – und nickte vor Davari ein. Schon das neunte Saisontor des immer eifrigen Wirtz: „Es ist egal, wer das Tor schießt, denn was gäbe es Schöneres als einen Derbysieg”, hätte Essens Torjäger seine neue Bestmarke gerne für einen Erfolg hergegeben.

Der auch noch nach dem Wechsel durchaus möglich gewesen wäre. Denn nach dem schnellen Ausgleich durch den eingewechselten Raphael Steinmetz fünf Minuten nach der Pause machten die Oberhausener in der Folgezeit die Tür dermaßen sperrangelweit auf, dass sich hervorragende Konterchancen ergaben. Jedenfalls litt Torschütze Steinmetz hinterher offensichtlich unter kurzzeitigem Gedächtnisschwund, als er behauptete: „RWE hat alles hinten reingestellt und nur verteidigt.” Bei welchem Spiel war der 24-Jährige eigentlich?

Technischer K.o. im Aufstiegskampf

Der wieder mal überragende Lukas Scepanik, den es wohl zurecht in die dritte Liga zieht, war bei seinem Nachschuss nur von einem angelegten Abwehrarm auf der Torlinie an der erneuten Führung zu hindern, wenige Minuten später zögerte der freie Noah Korczowski in der vogelwilden RWO-Abwehr mit seinem Abschluss zu lange.

Und bei einem Gewaltschuss von Wirtz vom Strafraumeck zuckte die Faust Davaris im letzten Moment heraus. Nicht schlecht für eine Mannschaft, die angeblich nur „hinten drin gestanden hat.” Am Ende blieb für Neitzel die nicht neue Erkenntnis: „Wie so oft in den letzten Wochen haben wir zum Schluss den Lucky Punch nicht gesetzt.”

Nur für den Gegner dürfte es sich angefühlt haben wie ein technischer K.o. im Aufstiegskampf, die Erkenntnis darüber wird wohl an den freien Tagen einsetzen.

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