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Rot-Weiss Essen braucht und kriegt neue Typen

Wieder mal auf Spurensuche: Den Nachmittag in Wuppertal hatte sich RWE-Coach Karsten Neitzel (M.) auch anders vorgestellt.

Wieder mal auf Spurensuche: Den Nachmittag in Wuppertal hatte sich RWE-Coach Karsten Neitzel (M.) auch anders vorgestellt.

Foto: Thorsten Tillmann

wuppertal.   Das 0:3 beim WSV stellte den Führungsspielern ein Armutszeugnis aus. Neue Hierarchien müssen her. Bichler kehrt zurück ins Mannschaftstraining.

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Das Tempo der Rot-Weissen aus Essen war ganz beachtlich – zumindest nach dem Spiel. Blitzschnell hatten sie den Wuppertaler Rasen im Stadion am Zoo verlassen, unter den höhnischen „Auf Wiedersehn“-Rufen der WSV-Fans. Wer 0:3 verliert, braucht für den Spott nicht zu sorgen.

Es war eine Niederlage, die wohl auch noch weit über das Saisonende hinaus ihre Strahlwirkung besitzen wird. „Wir brauchen nicht mehr auf die Tabelle zu schauen, wir müssen es erst einmal hinkriegen, unsere Spiele zu gewinnen, am besten Woche für Woche – und nicht eine Woche so, die andere so“, übte sich Kapitän Benjamin Baier nach dem Spiel in Selbstkritik.

Mut und Leidenschaft zeigte nur der WSV

„Wir müssen uns jetzt erst einmal schütteln“, bekannte Karsten Neitzel nach dieser derben Abfuhr, aber er täte es besser bei seinen Spielern, Die ganze Woche hatte er sein Team vor den Wuppertalern und ihren Revanchegelüsten gewarnt, gefruchtet hatte es leider wenig. Offensichtlich muss der eine oder andere mal zusätzlich wach gerüttelt werden.

Mut und Leidenschaft, das waren die Attribute, die die Wuppertaler ihren Gästen eindeutig voraus hatten, und ausgerechnet ihr Oldie ging mit leuchtendem Beispiel voran: Gaetano Manno, der immerhin schon 36mal Geburtstag feiern durfte, kämpfte und rannte, bis er nach gut 70 Minuten mit Wadenkrämpfen darnieder sank und von seinem „Peiniger“ Daniel Heber („er hatte mich ein bisschen gefordert“) sogleich Erste Hilfe bekam. Mannos Fazit jedenfalls saß: „Wir waren als Mannschaft einfach bissiger, der Sieg war verdient.“

Acht Spieler haben Vertrag über die Saison hinaus

Offensichtlich gibt es bei den Wuppertalern keine Motivationsprobleme, obwohl auch für sie der Aufstieg längst kein Thema mehr ist. Auch am Tag danach war RWE-Sportdirektor Jürgen Lucas noch immer „bitter enttäuscht“ von der Leistung seiner Mannschaft und zusammen mit dem Trainer auf Fehlersuche.

Die Suche nach Typen und Führungspersönlichkeiten läuft momentan bei Rot-Weiss ins Leere. Kapitän Baier rieb sich einmal mehr in Scharmützeln mit dem Schiedsrichter sowie dem ausgebufften Christopher Kramer auf, was der WSV-Stürmer mit einem breiten Grinsen dokumentierte: Ziel erreicht, Energie verschwendet. Mit dem restlichen Führungspersonal ist auch kein Staat zu machen. Abwehrspieler Philipp Zeiger ist auf dem Feld zur Zeit sehr mit sich selbst beschäftigt, und das Innenrist(!)-Schüsschen vom Rückpass-Beauftragten Timo Brauer Mitte der zweiten Halbzeit, mit dem Ziel, bloß die Chance nicht zu versemmeln, sprach Bände: No risk, no fun.

Acht Spieler stehen für die nächste Saison noch unter Vertrag, jede weitere Verlängerung wird wohl überdacht sein; die wenigen Lichtblicke, die sich bislang hervorgetan haben, werden wohl schwer zu halten sein. Aber die Hierarchie innerhalb der Mannschaft, die wird und muss sich verändern, neue Köpfe müssen her.

Harenbrock kehrt erst im neuen Jahr zurück

Das hilft RWE natürlich in der augenblicklichen Lage nicht weiter, hier muss man erst einmal die restlichen zwei Spiele bis zur Winterpause „unfallfrei“ über die Bühne bringen. Und vielleicht für den einen oder anderen Lichtblick im Team sorgen. Einer davon könnte Florian Bichler sein, der nach seiner Verletzung in dieser Woche wieder ins Mannschaftstraining einsteigen könnte.

Dagegen hat sich die sportliche Leitung entschieden, dass es mit dem Comeback des Langzeitverletzten Cedric Harenbrock nach seinem Kreuzbandriss erst im neuen Jahr etwas wird. Pünktlich zum „Schaulaufen“ innerhalb der Mannschaft für die neue Saison.

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