RWE-Analyse

Die RWE-Fans haben mal wieder den Blues

Kein Durchkommen auch für Florian Bichler (rechts): Der rasant gestartete neue RWE-Angreifer hat zur Zeit auch Ladehemmung.

Kein Durchkommen auch für Florian Bichler (rechts): Der rasant gestartete neue RWE-Angreifer hat zur Zeit auch Ladehemmung.

Foto: Michael Gohl

Essen.  Nach dem Sturz aus der Spitze wird bei RWE nach Gründen gesucht und in Jürgen Lucas ein Schuldiger „gefunden“. Dessen Zugänge waren Volltreffer.

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Herbst-Blues an der Hafenstraße: Nach dem euphorischen Saisonstart mit fünf Siegen in Serie folgte spätestens nach dem 0:1 gegen Aachen nun der ebenso rasante Absturz aus der Spitzengruppe: Fünf Partien, drei Heimspiele – zwei Pünktchen, so die unumstößlichen nackten Tatsachen. Oder wie es ein Haupttribünen-Besucher beim Gang zur Pause in den Assindia-Bereich formulierte: „Es gibt fortan wieder nur zwei Gründe, um zu Rot-Weiss zu gehen – Saufen und alte Freunde treffen.“ Tatsächlich?

Schon macht sich in den Foren und den „sozialen“ Medien (welch Missbrauch eines Begriffs!) die übliche Suche nach dem Schuldigen breit, in Sportdirektor Jürgen Lucas will man den „Schuldigen“ für die Misere ausgemacht haben. Kritisiert wird die „schlechte Einkaufspolitik“; weg mit ihm, am besten sofort, so der Tenor einiger Krakeeler.

Die Neuen im Zwischenfazit

Dann kümmern wir uns doch mal um ein Zwischenfazit:

Torhüter Lukas Raeder: In einer akuten Notlage (Heller und Lenz beide verletzt) kam er wie der Retter in der Not. Mit seiner Ruhe und Sicherheit gibt er der Mannschaft großen Rückhalt und wird sich so schnell nicht wieder verdrängen lassen. Ein echter Gewinn.

Daniel Heber: Der Heimkehrer ist auf der rechten Abwehrseite nicht mehr wegzudenken. So eine Eleganz und Athletik am Ball hat der RWE-Fan seit den Zeiten eines Ali Bilgin nicht mehr gesehen. Volltreffer!

Lukas Scepanik: Quirlig, schnell, mutig in den Zweikämpfen, er bildet zusammen mit Kevin Grund auf der linken Seite eine Macht. Volltreffer!

Florian Bichler: Eroberte die Hafenstraße im Sturm, ließ sich von der Euphorie im ersten Heimspiel elektrisieren und zahlte mit bislang fünf Saisontreffern zurück. Läuft in jeder Partie, bis der Duracell-Akku leer ist. Volltreffer!

Keine Mannschaft kann diese Ausfälle kompensieren

Man kann sich in jüngerer Vergangenheit an keine Saison mehr erinnern, in der alle Neuzugänge derart einschlugen wie in diesem Jahr. Chapeau! Aber vermutlich ist es auch die Schuld von Lucas, dass früh in der Saison der komplette erste Sturm wegbrach. Man kann es nicht oft genug wiederholen: Keine Mannschaft in dieser Liga wäre in der Lage, die gleichzeitigen Ausfälle von Kevin Freiberger (Kreuzbandriss), Marcel Platzek (Haarriss im Fuß) und Kai Pröger (vier Spiele Sperre) zu kompensieren.

„Da hätte man reagieren und einen Stürmer nachkaufen müssen“ entgegnen die Kritiker; ganz so, als gebe es torgefährliche Angreifer als nachwachsenden Rohstoff auf den Bäumen der Regionalliga... Trainer Karsten Neitzel, der wusste, dass dieses Fass aufgemacht werden würde, bezog dazu auf der Pressekonferenz am Sonntag Stellung: „Bevor die Frage kommt: Ja, wir haben in den letzten Wochen geschaut, ob wir personell was machen können. Nein, wir haben nichts gefunden, was uns sofort weiter geholfen hätte. Wer als Spieler vier, fünf Monate nicht im Mannschaftstraining ist, der braucht seine zwei Monate, um bei seiner alten Leistungsstärke zu sein“, erläuterte er das Problem der schnellen Hilfe.

Kai Pröger ist beim Pokal in Velbert wieder dabei

Vor Wochen klang das ein wenig anders, da hatte Neitzel aus der Not heraus quasi als „Psychologe“ dem bisherigen Kader das große Vertrauen ausgesprochen, es auch ohne Verstärkung hinzubekommen. Nun kam es bekanntlich anders.

Hypothetisch betrachtet: Was wäre eigentlich passiert, wenn der gesperrte Kai Pröger bereits an diesem Wochenende den Platz im Sturmzentrum hätte einnehmen können? Der Verein hatte Anfang der Woche seinen Einspruch gegen die Vier-Spiele-Sperre wieder zurückgezogen. Aus gutem Grund, hatte man doch Signale seitens des Verbandes erhalten, bei einer Nachverhandlung hätte eine durchaus höhere Sperre dabei herausspringen können. Da wundert man sich doch: Der Spieler Mehmet Kurt von Kaan-Marienborn hatte bei der Partie in Aachen vor zwei Wochen ebenfalls Rot gesehen: Er war in der eigenen Hälfte einem Aachener hinterhergewetzt und hatte ihn von hinten umgesenst, ohne Aussicht auf den Ball. Ergebnis: Drei Spiele Sperre!

Wird beim Verband mit zweierlei Maß gemessen?

Pröger bekam, auch noch von hinten gestoßen in der Aktion, beim Kampf um den Ball für sein „grobes Foulspiel“ vier Spiele aufgebrummt. RWE-Vorsitzender Marcus Uhlig: „Ich bin wirklich weit von irgendwelchen Verschwörungstheorien entfernt, aber wenn – wie bei Kai - ein (unstrittiges) Foulspiel im klaren Kampf um den Ball genauso hart oder sogar noch härter sanktioniert wird wie rücksichtslose Attacken von hinten ohne jede Chance auf den Ball, dann kann man schon ganz klar von ‘zweierlei Maß’ sprechen.“

Sei’s drum: Beim Pokalspiel in Velbert ist Pröger wieder dabei, vielleicht auch Marcel Platzek, dessen Ruhigstellung seines Fußes am heutigen Dienstag endet. Und, ja, dafür gibt es Geld ins Phrasenschwein: Abgerechnet wird zum Schluss!

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