Fußball-Geschichte

DFB-Pokalfinale sorgt für Gänsehaut bei Rot-Weiss Essen

Rot-Weiss Essen im DFB-Pokalfinale 1994: (v.l.)  Mathias Jack, Harald Kügler, Robert Reichert, Daouda Bangoura, Christian Dondera, Adrian Spyrka, Kristian Zedi, Jörg Lipinski, Jürgen Margref, Frank Kurth, Ingo Pickenäcker

Rot-Weiss Essen im DFB-Pokalfinale 1994: (v.l.) Mathias Jack, Harald Kügler, Robert Reichert, Daouda Bangoura, Christian Dondera, Adrian Spyrka, Kristian Zedi, Jörg Lipinski, Jürgen Margref, Frank Kurth, Ingo Pickenäcker

Foto: Archiv Schrepper

Essen.   Vor 25 Jahren am 14. Mai stand Rot-Weiss Essen im DFB-Pokalfinale. Ganz Berlin war in Essener Hand, doch zum Happy End reichte es nicht.

Es war eine chaotische Saison 1993/94 für Rot-Weiss Essen: Abwahl eines falschen Doktors vom Posten des Vereinspräsidenten, Selbstanzeige beim DFB wegen eines verschwiegenen Gläubiger-Nachbesserungsvertrags, was zum Zwangsabstieg wegen „arglistiger Lizenz-Erschleichung“ führte. Die Rückrunde in der 2. Bundesliga musste RWE daraufhin ohne Wertung spielen. Aber es gab dennoch ein kleines Happy End: Rot-Weiss erreichte das DFB-Pokalfinale. 25 Jahre ist das nun her.

Der Essener Siegeszug begann 1994 nach einem Freilos in der zweiten Hauptrunde. Der 1. FC Bocholt und St. Pauli wurden jeweils 3:2 besiegt, wobei die Entscheidung gegen die Hamburger erst in der Verlängerung fiel. Im Achtelfinale schickte RWE den MSV Duisburg mit einem 4:2-Sieg nach Hause. Jürgen Wegmann, das Essener Sturmtalent, das sich seit seinem Wechsel 1983 in die Bundesliga einen Namen als die „Kobra“ gemacht hatte, feierte in diesem Spiel ein gelungenes Comeback.

Pokalkrimi in Jena und Heimsieg im Halbfinale gegen Tennis Borussia

Ein Pokalkrimi folgte beim FC Carl-Zeiss Jena. Nach 120 Minuten stand es auf schneebedecktem Boden 0:0, das Elfmeterschießen brachte die Entscheidung. Robert Reichert erzielte das 6:5, Frank Kurth hielt den anschließenden Elfmeter. Im Halbfinale besiegten die Essener im März 1994 zu Hause Tennis Borussia Berlin mit 2:0. Das Finale am 14.Mai war erreicht.

Fast 30.000 Essener Fans begleiteten ihre Mannschaft nach Berlin. Drei Mitglieder vom Fanklub „Die Unzertrennlichen“ zeigten ihre Verbundenheit auf ganz besondere Weise. Sie legten die rund 600 Kilometer lange Strecke zu Fuß zurück und sangen bei ihrer Ankunft in die Fernsehkameras: „Berlin, Berlin. Jetzt sind wir in Berlin.“ Und schickten gleich ihr Wunschergebnis hinterher: „6:5 im Elfmeterschießen für uns, dann sind wir die 600 km lange Strecke nicht umsonst gelaufen und haben lange Fußball gesehen.“

Fans feierten ausgelassen: Polizei musste Ku’damm sperren

Die Berliner City war fest in Essener Hand. An der Gedächtniskirche trafen sich die Anhänger beider Lager und feierten: „Werder und der RWE“. Verbrüderungsszenen zwischen den Fans, Schals und Fahnen wurden getauscht, es wurde gemeinsam angestoßen und ­gesungen. Die Polizei musste den Ku’damm immer wieder sperren. Es war der Beginn einer Freundschaft, die bis heute andauert.

Als alles gelaufen schien, drehte der Außenseiter auf

Rot-Weiss hielt zu Beginn des Pokalfinales gut mit, verkrampfte aber zusehends. Bremen hatte bis zur Pause alles im Griff und führte mit 2:0 durch Beiersdorfer und Herzog. ZDF-Reporter Dieter Kürten meinte: „Alles geht seinen normalen Gang.“ Bremens Trainer Otto Rehhagel war vorsichtiger: „Wir müssen aufpassen. RWE wird total auf Offensive umschalten. Wir müssen sehen, dass wir die nächsten zehn Minuten überstehen.“

Wolfgang Frank brachte kurz vor der Pause Roman Geschlecht für den verletzten Ingo Pickenäcker und danach Oliver Grein für Robert Reichert. Und plötzlich keimte Hoffnung beim Außenseiter: Adrian Spyrka (50.) zog aus gut 25 Metern ab, der Ball wurde von der Abwehr geblockt, sprang Jürgen Margref vor die Füße, der ihn an Torhüter Oliver Reck vorbei spitzelte. Daouda Bangoura reagierte am schnellsten und traf zum 1:2. Von nun an spielte nur noch RWE. Aber es reichte nicht. Wynton Rufer erzielte das entscheidende 3:1 für Bremen vom Elfmeterpunkt (88.).

Die Herzen schlugen für den Außenseiter

Werder war Pokalsieger, aber für wen die Herzen der Fans an diesem Nachmittag schlugen, war bei der Pokalübergabe nicht zu überhören. Durch das Stadion schallt es: „Immer wieder, immer wieder RWE“. Bei der Rückkehr nach Essen gab es auf dem Kennedyplatz vor tausenden Fans einen offiziellen Empfang. Torwart Frank Kurth erinnert sich: „Der Platz war voll mit Menschen. Nicht auszudenken, was los gewesen wäre, hätten wir wirklich den Pott geholt.“

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