RWE-Kolumne

Auch die längste Dürreperiode bei RWE geht einmal zu Ende

Foto: Michael Gohl

essen.   Uralt-Ultra-Fan Happo über einen emotionalen Sonntagnachmittag an der Hafenstraße. Der Sieg über den WSV konnte eine ganze Saison beeinflussen.

Kalle Neitzel, Essens Kautsch, findet mahnende Worte nach dem Kantersieg gegen die innig geliebten Wuppertaler: „Wir sollten die Kirche im Dorf lassen“. Völlig richtig, aber im Ernst: Wer will diese Mannschaft jetzt noch aufhalten? Von Taktik habe ich bekanntermaßen keine Ahnung. Mir ist es völlig Wurscht, ob RWE mit einer Doppelsechs, falschen Neun oder flachen Vier antritt, Hauptsache es springt ein hoher Sieg heraus.

Es war ein emotionaler Nachmittag im Stadion Essen. Vor allen Dingen für Stewinho, der vor elf Monaten noch mit dem Tod gerungen und am Sonntag endlich sein Comeback feiern durfte. Passte letzte Woche noch so gut wie nichts zusammen, stimmte diesmal fast alles. Die Hitze kann man dem Verein nun wirklich nicht anlasten. Dafür machte die Mannschaft mit ihrer überragenden Laufarbeit – trotz der tropischen Wetterlage – reichlich Wind, mehr als nur ein Passat. Ich mein jetzt nicht den von VW. Die haben übrigens ebenso wie der DFB, die Kommunikationsberatung Hering Schuppener für ihr Krisenmanagement verpflichtet. Nötig haben sie es beide. Ob die Herren Grindel, Bierhoff und Co. damit gut fahren werden?

Bestes Krisenmanagement bleibt begeisternder Fußball

Hering? Ach ja, der Fisch stinkt vom Kopf her. Auf Dauer werden keine noch so schönen Worte ausreichen, das angekratzte Image nachhaltig zu verbessern. Ohne entsprechende Leistung wird das nichts, auch wenn es im wahren Leben oft den Anschein hat, dass sich Schummeleien mehr auszahlen als ehrliche Arbeit. Das beste Krisenmanagement ist und bleibt begeisternder Fußball.

Davon bekamen über 11 000 im Stadion Essen reichlich zu bestaunen. Stimmung pur, Gänsehautfeeling an der Hafenstraße. So geht Fußball. Frag Jürgen Rypinski’s Kollege, den Andi, der wird’s bestätigen. Es wurde auch Zeit, wird die überwiegende Anzahl der Fans anmerken. In der Tat, 3965 verkaufte Dauerkarten sind zwar für einen Viertligisten nach wie vor herausragend, tendenziell gehen die Zahlen im Vergleich zu den beiden letzten Jahren nach unten. Ohne Projekt „Hoch3“ wären es sicherlich noch weniger geworden.

Fans und Spieler wieder enger zusammengerückt

Doch Besserung ist in Sicht. Duelle gegen Wuppertal können eine gesamte Saison beeinflussen. Ein Blick zurück zum ersten Heimspiel der letzten Spielzeit unterstreicht meine These. Diese Niederlage gegen die Bergischen riss die Fans nicht nur aus ihren (Aufstiegs)-Träumen, sondern auch eine Kluft zur Mannschaft auf. Ergo rücken Fans und Spieler dank der grandiosen Leistung vom Sonntag wieder enger zusammen. RWE erntete, im Gegensatz zu den Bauern, reichlich Früchte ihrer harten Trainingsarbeit. Auch die längste Dürreperiode hat einmal ein Ende.

Mittwoch fährt der rot-weisse Tross nach Mennrath. Niederrheinpokal, erste Runde steht an. Gegen den Bezirksligisten wird man sehen, ob der zweite Anzug sitzt. Ich selbst hab noch nicht einmal einen im Schrank, dafür noch einen im Tee. Ohne den Gegner auf die leichte Schulter zu nehmen, ein Weiterkommen ist Pflicht.

Kaan-Marienborn wird kein Spaziergang

Das gleiche gilt auch für das nächste Meisterschaftsspiel. Samstag reist man nach Siegen. Aufsteiger Kaan-Marienborn besitzt keine Übermannschaft, ein Spaziergang wird es trotzdem nicht werden. Da unser Team mittlerweile nicht nur Appetit, sondern einen Bärenhunger auf Siege entwickelt hat, sehe ich dem Spiel gelassen entgegen. Zudem ist mir zu Ohren gekommen, dass Kalle Neitzel nach einem Sieg gegen Kaan die Kabine zur Karaoke-Bar umfunktionieren will, um sein legendäres „Dschingis Khan“ zum Besten zu geben. Hoffentlich geht der Schuss nicht nach hinten los. Man kann das ja auch als Drohung deuten. Wichtig ist auf’m Platz. Noch drei Punkte bis zur Spitze.

In diesem Sinne, man wird (sich) sehen.

der Happo

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