München. Rot-Weiss Essen hat sich im letzten Drittliga-Spiel 2022 bei 1860 München mit einem 1:1 in die WM-Pause verabschiedet. Der Ausgleich fiel spät.

Und dann fühlten sie sich wie die Sieger: Felix Bastians glich in der Nachspielzeit aus – Fußball-Drittligist Rot-Weiss Essen holte am Montagabend in allerletzter Sekunde ein 1:1 (0:0)-Remis beim TSV 1860 München. Aber von vorne.

Offenes Visier bei Essen und München

Würdiger hätte der Rahmen nicht sein können für das letzte Pflichtspiel in diesem Jahr, das durch den lang gefeierten und noch länger herbeigesehnten Aufstieg ein ganz, ganz großes Kapitel im ohnehin schon dicken Geschichtsbuch von RWE sicher hat: Flutlichtspiel im Grünwalder Stadion, ein Traditionsduell, auf das viele hingefiebert hatten. So kamen dann auch eine ganze Menge Essener mit nach München, der Gästeblock: mit rund 1500 Fans ausverkauft.

Sie sahen eine Partie, in der beide Mannschaften von Beginn an mit offenem Visier spielten. Beispiel gefällig? Nach fünf Minuten eroberte RWE den Ball, setzte zum Konter an, Oguzhan Kefkir verpasste den entscheidenden Pass knapp – dann hatten die Löwen den Ball und stürmten sofort los. Schiri Patrick Alt hatte seinen Anteil daran, dass es ein munteres Match wurde, er ließ viel laufen, da war Feuer drin, auch auf den Rängen: In beiden Fanlagern brannte es in der Anfangsphase, gingen bengalische Fackeln an.

München am Drücker, RWE suchte Entlastung

Ja, und dann musste auch der erste Sechziger runter, verletzungsbedingt nach zwölf Minuten. Semi Belkahia ging, der hochtalentierte Leandro Morgalla, wohl bei einigen Bundesligisten auf dem Notizzettel, kam rein. Es wurde zerfahren, die erste richtige Chance hatten die Hausherren in Person von Christopher Lannert (16.). Viel knapper war es in Minute 21, da rauschte Marius Wörls Schuss um Millimeter am Essener Pfosten vorbei.

München war am Drücker, RWE suchte die Entlastung und Felix Götze, den Kreativen im Mittelfeld. Gegen die dichtgestaffelte TSV-Abwehr war aber in der ersten halben Stunde nur wenig zu machen. Ein ruhender Ball kam da ganz recht: Niklas Tarnat zog aus knapp 25 Metern ab – sein Freistoß-Strahl knallte ans Aluminium (35.). Die Minuten unmittelbar vor der Pause gehörten den Gästen. Kefkirs Schuss wurde geblockt, Tarnats Freistoß abgefangen, Rothers Flanke geklärt.

Das Spiel verlagert sich ins Mittelfeld

Der auffällige Löwe Fynn Lakenmacher wirbelte nach dem Wiederanpfiff auf dem rechten Flügel, Sechzig hatte sich etwas vorgenommen, doch Rot-Weiss die nächste Möglichkeit. Kefkirs punktgenaue Flanke landete bei Ron Berlinski, Torwart Marco Hiller musste sich strecken (54.).

Das Spiel wurde fortan im Mittelfeld ausgetragen. Lange Bälle, ungenaue Zuspiele, Fehlpässe; das war nun wahrlich kein Leckerbissen. Das Publikum war da, es hat schon was, wenn die Gegengerade an der Grünwalder, auch „Stehhalle“ genannt, mit einsteigt in die Gesänge und der Gästeblock versucht, stimmlich dagegenzuhalten. Nur zogen sie im 1860-Block leider Silvester vor, unzählige Feuerwerkskörper wurden dort in der zweiten Halbzeit gezündet, das war unnötig.

Mehr News zu Rot-Weiss Essen:

Die Spannung hielt das Duell am Leben. Es machte den Anschein: Wer als erstes trifft, dürfte die drei Punkte holen. Richtig viel riskieren wollten aber beide nicht. Die Rot-Weissen hätten sich mit einem Remis besser anfreunden können. Sie wären dann mit sieben ungeschlagenen Spielen in Folge ins neue Jahr gegangen, vor wenigen Wochen noch eine utopische Vorstellung. Dann begann die Schlussphase, die zunächst dem TSV gehörte.

Bastians gelingt am Ende der Ausgleich

Lannerts Distanzschuss wäre fast im Netz gelandet, ein Fehlschuss mit Signalwirkung. Kurz darauf bekamen die Löwen die Führung auf dem Silbertablett serviert. Sie griffen zu: Albin Vrenezi verwandelte einen Strafstoß, über dessen Entstehung man zumindest diskutieren kann (77.). Björn Rother hatte Stefan Lex im Strafraum gefoult.

Führung und Fans im Rücken sorgten für ein breites Kreuz bei 1860, doch RWE kam noch mal. Kurz vor der Strafraumkante gab es einen Freistoß. Niklas Tarnat schoss drüber, daraufhin scheiterte Lawrence Ennali aus spitzem Winkel. Und dann, noch ein langer Ball, ein Kopfball – und das 1:1. Bastians glich aus, das so erfolgreiche Jahr endete mit einem Remis, mit einem Happy-End.

  • RWE: Golz – Sponsel, Heber, Rios Alonso, Bastians, Tarnat, Rother, Young (Voelcke), Götze (Ennali), Kefkir (Holzweiler), Berlinski.
  • Zuschauer: 15.000 (ausverkauft).
  • Schiedsrichter: Patrick Alt, Fabian Porsch, Katrin Rafalski.

Der Live-Ticker zum Nachlesen:

1860 München - RWE 1:1