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Reformpläne in England: Neuer Kampf um Macht und Geld

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Manchester.  In der Premier League wird über eine Reform diskutiert. Die Auswirkungen dieser könnten vernichtend sein, da vor allem die Großen profitieren.

Manchester United und der FC Liverpool pflegen die größte Rivalität des englischen Fußballs, doch hinter den Kulissen verstehen sich die beiden Klubs bestens, wie gerade ersichtlich wird. Die US-amerikanischen Besitzer des Rekordmeisters und des aktuellen Champions – bei United die Glazer-Familie, bei Liverpool die Fenway Sports Group – stecken hinter einem Paket mit Reformvorschlägen für den von der Corona-Krise geplagten Fußball auf der Insel, das heftige Erschütterungen verursacht.

Fans und Experten fühlen sich erinnert an das Jahr 1992, als sich die Elite des englischen Fußballs vom Rest des Betriebs abspaltete und die Premier League gründete, die seitdem zur reichsten und am meisten konsumierten Liga der Welt geworden ist. Beim Project Big Picture, wie die Pläne genannt werden, geht es nun darum, dass ein paar große Klubs nach mehr Macht und am Ende nach mehr Geld streben.

Premier League: Big six könnten mehr Einfluss bekommen

Viele Vorschläge aus dem Papier klingen gut, gerade in der aktuellen Notlage, in der viele Klubs unterhalb der Premier League vor dem Ruin stehen. Unter anderem sollen die englischen Spielklassen zwei bis vier (Championship, League One, League Two) eine einmalige Hilfszahlung in Höhe von 250 Millionen Pfund und künftig ein Viertel des Umsatzes der Premier League erhalten. Es ist daher nicht verwunderlich, dass Rick Parry, der Präsident der für diese Ligen zuständigen EFL, öffentlich als Fürsprecher für das Project Big Picture auftritt. Er betrachtet es als Segen, dass plötzlich diese Vorschläge auf dem Tisch liegen, nachdem die monatelangen Verhandlungen mit der Regierung und der Premier League über ein Rettungspaket für die unteren Ligen ohne Ergebnis geblieben waren: „Zwei unserer größten Klubs zeigen Führungsstärke und nehmen ihre Verantwortung wahr. Das ist im besten Interesse des gesamten Spiels.“

Doch in wessen Interesse der Reformplan tatsächlich ist, wird auch klar. Denn im Gegenzug für die Solidarität mit dem Unterbau würden die größten Klubs eine bisher ungekannte Machtfülle erhalten. Der Vorschlag sieht vor, dass bei Abstimmungen in der Premier League über wichtige Entscheidungen künftig nicht mehr die Stimme jedes Vereins gleich viel zählt. Stattdessen sollen die Big Six – neben United und Liverpool sind das Manchester City, der FC Arsenal, Tottenham Hotspur und der FC Chelsea – mehr Einfluss bekommen und praktisch alleine entscheiden können, zum Beispiel über neue TV-Verträge.

Reformpläne könnten „zerstörerische Auswirkungen auf das Spiel“ haben

Das Echo auf das Reformpaket ist verheerend. Der Dachverband der Premier League teilte mit, dass einige der Vorschläge „zerstörerische Auswirkungen auf das Spiel“ haben könnten. Der Grund für die Position der Liga ist klar: Sie fürchtet um die Entscheidungsgewalt im eigenen Haus. Auch die Regierung ist gegen die Pläne und beklagt „Hinterzimmer-Deals“. Englands Medien haben eine ebenso klare Haltung: Der Mirror spricht von einer „Diktatur der großen Vereine“, der Telegraph kommt zu dem Schluss: „So sieht ein Kartell aus. Kein Zweifel: Es ist eine feindliche Übernahme, verkleidet als Rettung.“

Ohnehin sind die Chancen gering, dass die Pläne in dieser Form umgesetzt werden. Denn dem müsste die Mehrheit der Premier-League-Vereine zustimmen. Sie würden sich selbst jedoch damit entmachten. Auch der Verband, die FA, ist offenbar entschlossen, die Reform zu blockieren. Viele Beobachter haben daher den Eindruck, dass das Project Big Picture nur ein Stimmungstest ist. Dass die großen Klubs ihre Ideen in die Welt stellen, um Reaktionen zu erkunden, welche Vorschläge ankommen und welche nicht. Die Debatte, wie der Reichtum in Englands Fußball umverteilt werden kann, um unteren Ligen in der Corona-Krise zu helfen, dürfte künftig heftiger geführt werden.

Und dass die großen Sechs bereit sind, ihren Weg zu gehen, ist auch klar geworden durch die Veröffentlichung der Ideen. Angesichts der wahrscheinlichen Erweiterung der Champions League und des Dauerthemas internationale Superliga könnte das Project Big Picture der Ausgangspunkt für die nächste Abspaltung der englischen Fußball-Elite sein. Wie damals, 1992, bei der Gründung der Premier League.

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