Redaktionsbesuch

Präsident Fritz Keller will den DFB als Dienstleister sehen

Der neue DFB-Präsident Fritz Keller besuchte unsere Sportredaktion.

Der neue DFB-Präsident Fritz Keller besuchte unsere Sportredaktion.

Foto: Michael Gottschalk / FUNKE Foto Services

Essen.  Der neue DFB-Präsident Fritz Keller hat unsere Sportredaktion besucht. Er will Zufriedenheit „von der Kreisliga bis zur Champions League“.

Irgendwann nimmt Fritz Keller sein rotes iPhone in die Hand. „Dieses Telefon“, sagt der neue DFB-Präsident, „wurde von einer Firma konstruiert, die in einer Garage entstanden ist.“ Und eben nicht von großen existierenden Unternehmen. „Heutzutage“, das ist Kellers Botschaft, „gewinnt nicht der Reichere. Heute gewinnt der Schnellere.“

Schneller sein, schlauer sein und schlanke Strukturen schaffen, die genau das ermöglichen – so hat Keller 25 Jahre lang den SC Freiburg geführt, als Vorstandsmitglied, Vizepräsident und schließlich Präsident. Er hat den eher kleinen Klub in der Bundesliga etabliert. Und jetzt hat er eine ungleich größere Aufgabe: Seit genau zwei Wochen ist er Präsident des Deutschen Fußball-Bundes mit über 7,1 Millionen Mitgliedern.

Der 62-Jährige will und soll den Verband, der zuletzt durch allerlei Skandale und verschlissene Präsidenten auffiel, in ruhiges Fahrwasser führen. Oder, wie er es sagt: „Ich möchte, dass wir vor allem als Dienstleister wahrgenommen werden, der ehrlich und aufrecht versucht, alles für den gesamten Fußball zu tun. Von der Kreisliga bis zur Champions League.“

Mit Zustimmung von allen Seiten ins Amt gewählt

Am Rande des Länderspiels gegen Argentinien nahm sich der neue Präsident Zeit, die Sportredaktion dieser Zeitung zu besuchen. Zuvor war er mit seinem Vizepräsidenten Rainer Koch durch die Republik getingelt, um alle Regional- und Landesverbände kennenzulernen. Dabei erkannte er auch, auf welche Herkulesaufgabe er sich da eingelassen hat.

Der DFB ist ein großer, komplexer Moloch: Hier die Amateure, dort die Profiklubs, dazu der hauptamtliche Verwaltungsapparat. Alle wollen zufriedengestellt werden, alle werden früher oder später etwas auszusetzen haben an diesem Mann, an dem bisher noch niemand herummäkelt. „Als Funktionär eines Verbandes wirst du nie ein Held werden“, schwant dem gebürtigen Freiburger.

Fritz Keller aber ist der Mann, dem man es im deutschen Fußball am ehesten zutraut. Einstimmig wurde er auf dem DFB-Bundestag ins Amt gewählt. Schon als die Nominierung bekannt wurde, gab es nur lobende Stimmen. Beim Abschied vom SC Freiburg flossen viele Tränen, auch bei Keller selbst. „Ich habe extra trainiert, damit mir das nicht passiert“, sagt er lächelnd. „Das hat aber dann nicht wirklich funktioniert.“

Keine Scheu vor unpopulären Entscheidungen

Es ist leicht, diesen Mann mit der schwarzen Designerbrille, dem verschmitzten Grinsen und dem badischen Singsang in der Stimme sympathisch zu finden. Es wäre aber ein gewaltiger Fehler, den gelernten Winzer, den sie in seinem Heimatdörfchen Oberbergen Fritzle nennen, zu unterschätzen. Keller hat keine Scheu, unpopuläre Entscheidungen zu treffen: 2007 betrieb er beim SC Freiburg maßgeblich die Trennung von Trainer Volker Finke nach 16 Jahren. Das spaltete den Verein – aber Keller zog es durch.

Den DFB will er moderner, nachhaltiger und auch weiblicher aufstellen. Frauenfußball, Ökologie, gesellschaftliche Verantwortung – das sind Themen, die ihn umtreiben. Alleinherrscher aber wird er nicht sein: In den neuen Verbandsstatuten wird seine Macht beschnitten, die Richtlinienkompetenz des Präsidenten abgeschafft. Den Teamplayer Keller stört das nicht: „Sonst hätte ich es auch nicht gemacht“, sagt er. „Man muss eine Idee intern überzeugend vermitteln, statt sie einfach zu verkünden, nur dann tragen sie am Ende auch alle mit.“

Das gilt für die Produktion von Telefonen ebenso wie für die Führung eines Verbandes.

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