Regionalliga

Traditionsklub in der Krise: Noch spielen die Wattenscheider

Steht der SG 09 am Niederrhein nicht zur Verfügung: Berkant Canbulut (links), hier mit RWE-Akteur Florian Bichler.

Steht der SG 09 am Niederrhein nicht zur Verfügung: Berkant Canbulut (links), hier mit RWE-Akteur Florian Bichler.

Foto: Dietmar Wäsche

Wattenscheid.   Die Spieler warten weiterhin auf ihre Gehälter, aber die SG Wattenscheid 09 wird auch beim Aufsteiger SV Straelen antreten.

Nein, was man üblicherweise unter einem „normalen“ Aufsteiger versteht, verkörpert der SV Straelen gewiss nicht. Der Gastgeber der SG Wattenscheid 09 am Samstag (14 Uhr) steht im Mittelfeld, verfügt über eine durchschnittlich starke Regionalliga-Mannschaft und sieht die Viertklassigkeit erst recht nicht als vorübergehendes Abenteuer. Schließlich ist das Säckel des Clubs dank des spendablen Mäzens und Unternehmers Hermann Tecklenburg stets gut gefüllt. Es ermöglicht so auch immer wieder Transfers, die für den Verein, der sein Zuhause an der deutsch-niederländischen Grenze hat, sicher außergewöhnlich sind. Nein, üblich ist so etwas nicht. Normal auch nicht – aber was ist aus Sicht der Nullneuner aktuell schon normal?

Allein das Training verläuft bei Wattenscheid nach Plan

Allenfalls der Trainingsbetrieb lief in den vergangenen Tagen planmäßig ab. Mit dem Unterschied, dass es eine spontane Zusammenkunft gegeben hat. Wie diese Redaktion erfuhr, haben sich einige Akteure bei der Spielergewerkschaft VDV über die Handlungsmöglichkeiten in der aktuellen Situation erkundigt. Denn ebenfalls nicht normal ist, dass das Gehalt der Regionalliga-Fußballer immer noch nicht überwiesen ist.

An andere Themen ist derzeit kaum zu denken. Ende September zahlte der Club das August-Gehalt – seither herrscht Stillstand. Die Spieler warten nun gespannt auf den 15. November. Dann ist das Salär auch für den Oktober fällig. Hoffnung darauf, dass es an diesem Tag eine Überraschung in Form eines Überweisungseingangs gibt, hat in Wattenscheid kaum jemand.

Bleibt alles beim Alten, könnte es an der Lohrheide bald sehr ungemütlich werden. Nach gesicherten WAZ-Informationen hat die Vereinigung der Vertragsfußballspieler der Mannschaft angetragen, die offenen Beträge bei der Club-Spitze anzumahnen. Sofern bis zum 15. November weder das September- noch das Oktober-Gehalt bezahlt wird, hätte die Elf von Toku unter Umständen das Recht, die Arbeit ruhen zu lassen. All’ das ist (noch) Zukunftsmusik. So weit möchte Trainer Toku für den Moment nicht denken. Vielmehr ist ihm daran gelegen, dass er sein Team auf die Aufgabe beim starken Aufsteiger vorbereitet. „Das ist eine erfahrene Mannschaft“, sagt der 38-Jährige, der sich weiterhin strikt weigert, die Vorgänge fernab von Trainingsplatz und Wettkampfvorbereitung zu kommentieren.

Wattenscheids Trainer erwartet ein Kampfspiel

„Wir müssen wieder zusehen, dass wir unseren Plan durchsetzen“, erklärt der Trainer der Nullneuner. Ein Mutmacher: Gegen den SC Verl erzielte seine Elf nach zuletzt gezeigter Abschlussschwäche zwei Tore. „Wir müssen mit unseren Chancen, die wir uns trotz unserer schwierigen Lage immer wieder erspielen, verantwortungsvoller umgehen“, fordert Toku. Er weiß aber auch: „Ein Fußball-Leckerbissen wird das nicht.“ Ein Kampfspiel also. Nicht mehr – und schon gar nicht weniger.

Denn die prominenten Namen, die sich in den Reihen der Straelener finden, lassen gar keine andere Vermutung zu als die, dass sich die SGW über die Grenzen des Machbaren hinaus bemühen muss, um Zählbares mitzunehmen. Patrick Ellguth, Björn Kluft, Torwart Martin Kompalla, Tugrul Erat – es steckt allerhand Profi-Erfahrung in der Mannschaft von Marcus John. Toku: „Es wundert mich nicht, dass sie im Mittelfeld der Tabelle stehen.“ Auch wenn das für einen Aufsteiger nicht normal ist.

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