MSV Duisburg

Zaubertrank des MSV Duisburg wirkte nicht beim Traumtor

MSV-Spieler Joshua Bitter (rechts) ist konsterniert, während Terrence Boyd (links) und Antonios Papadopoulos das Hallenser Traumtor feiern.

MSV-Spieler Joshua Bitter (rechts) ist konsterniert, während Terrence Boyd (links) und Antonios Papadopoulos das Hallenser Traumtor feiern.

Foto: Karina Hessland / Getty Images

Halle.  Der MSV Duisburg verkaufte sich in Halle mit seiner Not-Abwehr gut. Gegen den Schuss von Terrence Boyd waren die Zebras aber machtlos.

Vincent Gembalies musste am Samstag in Halle auch noch zur Dopingprobe. Ohne Medikamente hätte der Innenverteidiger des Fußball-Drittligisten MSV Duisburg gegen den Halleschen FC nicht spielen können. Die lästige Magen-Darm-Virus-Welle hatte am Vormittag auch den 19-Jährigen erfasst. Die Mittel, die Gembalies zu sich genommen hatte, entsprachen den Regeln. Gewirkt hatten sie zuvor wie der gallische Zaubertrank. In der entscheidenden Szene war aber auch beim Halleschen FC Zauber im Spiel: Gegen den Treffer aus 30 Metern von Terrence Boyd, der den Gastgebern in der 89. Minute den 1:0 (0:0)-Sieg bescherte, gab es kein Mittel der Welt, um ihn zu verhindern.

Gembalies war der Kopf einer Abwehrkette, die in dieser Zusammensetzung einmalig bleiben sollte. Linksverteidiger Arne Sicker spielte in der Innenverteidigung. Das hat der Mann früher mal bei Holstein Kiel im Training ausprobiert, wie MSV-Trainer Torsten Lieberknecht berichtete. Links hinten verteidigte Lukas Scepanik. Der Mann für die offensive Außenbahn war in ähnlicher Mission früher mal für Rot-Weiß Essen im Einsatz gewesen.

Diese Notabwehr machte einen guten Job – allen voran Vincent Gembalies. Halle setzte auf Pressing und wollte die nicht eingespielte Duisburger Abwehr zu Fehlern zwingen. Zumeist ohne Erfolg.

Das Tor des Tages war nicht zu verteidigen, wie alle Beteiligten hinterher versicherten. War es tatsächlich nicht. Terrence Boyd vollendete seine Aktion nach der Ballannahme in Sekundenbruchteilen. MSV-Torwart Leo Weinkauf stand zwar etwas weit vor seinem Tor – aber das entspricht dem Duisburger Matchplan, mit einem spielenden Torwart, der nicht auf der Linie klebt, zu Werke zu gehen.

„Boyd trifft ihn perfekt, der war unhaltbar“, sagte Weinkauf nach der Partie. Halles Trainer Torsten Ziegner scherzte erst, dass er in seiner aktiven Laufbahn (unter anderem 182 Spiele für Jena) „zehn solcher Tore geschossen“ habe, wusste aber, dass seine Mannschaft auf extrem glückliche Weise zum Sieg kam. Ziegner: „In der 88. Minute hätte ich das Remis unterschrieben und mitgenommen.“

Das Traumtor von Boyd brachte den MSV um den Lohn. „Das ist ex­trem ärgerlich, weil wir die spielbestimmende Mannschaft waren“, gab Kapitän Moritz Stoppelkamp zu Protokoll. Sportdirektor Ivica Grlic sagte: „Wir sind schon enttäuscht. Wir hätten als Sieger vom Platz gehen müssen.“ Und Torsten Lieberknecht klagte: „Uns ist heute die Effizienz abhanden gekommen.“ So blieben die Zebras zum ersten Mal in dieser Saison in einem Ligaspiel ohne Torerfolg.

Engin verpatzt Großchance

Der MSV verbuchte im Erdgas-Sportpark die besseren Torchancen. In der ersten Halbzeit knallte eine verunglückte Flanke von Leroy-Jacques Mickels an den Pfosten des Hallenser Tores. Im zweiten Durchgang setzte Stoppelkamp in der 53. Minute die Kugel ans Aluminium. So etwas kann passieren, umso ärgerlicher war, wie Ahmet Engin eine Minute später die beste Duisburger Chance versemmelte.

Der MSV lief mit drei Spielern auf der linken Seite auf das Hallenser Tor zu. Engin scheiterte von links kommend auf der linken Seite an HFC-Keeper Kai Eisele. Nicht nur die Duisburger Fans ärgerten sich, auch die beiden besser postierten MSV-Spieler. Zudem vergab Vincent Vermeij im zweiten Durchgang zwei Kopfballchancen nach Eckbällen. Da hätte es zumindest einmal im Hallenser Tor einschlagen dürfen.

Torsten Lieberknecht richtete den Blick nach dem Spiel nach vorne und nahm seine Mannschaft in die Pflicht, positiv zu denken. „Im Moment tut es weh. Aber ich wäre enttäuscht, wenn die Mannschaft zu sehr mit diesem Spiel hadern würde“, sagte der 46-Jährige, der darauf setzt, dass sein Team am Sonntag gegen die U 23 des FC Bayern München eine entsprechende Reaktion zeigen wird.

Bis dahin sollten Medikamente und Zaubertränke dafür gesorgt haben, dass zumindest Vincent Gembalies und Lukas Boeder wieder voll bei Kräften sein werden. Und Mitte der Woche soll auch Innenverteidiger Marvin Compper wieder ins Mannschaftstraining des Tabellenführers einsteigen.

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