MSV Duisburg

So entfesselt Trainer Torsten Lieberknecht den MSV Duisburg

Jubel beim MSV Duisburg: Trainer Torsten Lieberknecht (links) feiert mit Stanislav Iljutcenko (vorne) und Borys Tashchy.

Jubel beim MSV Duisburg: Trainer Torsten Lieberknecht (links) feiert mit Stanislav Iljutcenko (vorne) und Borys Tashchy.

Foto: Team 2

Köln.  Der MSV schöpft Mut aus dem 2:1-Coup beim Zweitliga-Tabellenführer in Köln. Trainer Torsten Lieberknecht ist nun Duisburgs Hoffnungsträger.

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Am Ende entlud sich die ganze Anspannung in großem Jubel. Mit einem Mal befreite sich der MSV Duisburg vom Ballast der vergangenen Wochen. Die Spieler des Fußball-Zweitligisten umarmten sich nach dem Abpfiff auf dem Rasen, liefen anschließend zur Kurve, um mit rund 3500 Fans diesen besonderen Coup zu feiern. Doch während die Anhänger des zuvor sieglosen Tabellenletzten noch vom unerwarteten 2:1-Triumph beim Spitzenreiter 1. FC Köln sangen, schlug der Protagonist des Abends moderate Töne an: Torsten Lieberknecht gab sich nach seinem perfekten Debüt als neuer Trainer der Zebras betont sachlich.

Duisburg präsentiert sich zweikampfstark

„Es war ein erster schöner Schritt“, sagte der 45-Jährige: „Mehr aber auch nicht.“ Die eher nüchternen Worte des Nachfolgers von Ilia Gruev ließen einige Zuhörer aufhorchen, hatte Duisburg an diesem Oktoberabend im ausverkauften Kölner Stadion doch einen Auftritt hingelegt, der Anlass zu größerer Zuversicht geben dürfte. Der MSV präsentierte sich im ersten Spiel unter Lieberknecht lauffreudig, zweikampfstark und variabel.

Der neue Duisburger Trainer zeigte sich derweil an der Seitenlinie so engagiert wie einst in Braunschweig: Er haderte, feuerte an, dirigierte sein Team geschickt zum Auswärtssieg. „Wir haben viel taktisch variieren müssen, weil Köln eine unfassbare Qualität hat, was die Spieler angeht“, sagte Lieberknecht, Duisburgs neuer Hoffnungsträger, der beim MSV einen Vertrag bis 2021 erhalten hat.

Schnellhardt auf dem linken MSV-Fügel

Einige Spieler hatten von ihm auch eine neue Rolle zugewiesen bekommen. Die Duisburger begannen nämlich in einem ungewohnten 4-4-2-System mit Raute. Fabian Schnellhardt etwa spielte nicht mehr in der Zentrale, sondern auf dem linken Flügel. „Das Trainerteam hatte in der Woche überlegt, was man machen kann, weil die Kölner ja schon sehr variabel und spielstark sind“, berichtete Schnellhardt später. Als sich Köln auf die MSV-Raute eingestellt hatte, ordnete Lieberknecht den Wechsel auf ein 4-2-3-1 um. Am Ende verteidigte Duisburg mit einer Fünferkette. Lieberknechts Plan ging in Köln voll und ganz auf.

„Der Trainer hat viel mit der Mannschaft gesprochen. Er hat uns wieder Selbstvertrauen gegeben“, sagte MSV-Torhüter Daniel Mesenhöler. „Wir haben endlich wieder mit Überzeugung gespielt. Es ist enorm wichtig, dass wir an uns glauben“, erklärte der frühere Kölner, der seit dem fünften Spieltag den früheren Braunschweiger Daniel Davari zwischen den Pfosten verdrängt hat. In der zweiten Halbzeit bewahrte Mesenhöler die Gäste vor einem Rückstand. Das Eigentor von Matthias Bader bedeutete den Sieg, nachdem der Kölner Jonas Hector in Hälfte eins den Führungstreffer von Cauly Oliveira Souza ausgeglichen hatte.

Wald: „Ruck wird durch die Mannschaft gehen“

MSV-Präsident Ingo Wald war nach dem ersten Saisondreier sichtlich erleichtert: „Man kann glücklich und zufrieden sein. Ich war froh, als der Schiedsrichter abgepfiffen hat.“ Auch Wald hat schließlich nervenaufreibende Wochen hinter sich. Die Entscheidung, sich von Gruev zu trennen, war den Verantwortlichen nicht leicht gefallen. Nach der sechsten Niederlage im achten Spiel, der 1:3-Pleite gegen Regensburg, hatte der Klub vor acht Tagen schließlich den Trainerwechsel vollzogen. Eine Maßnahme, die bei Lieberknechts Premiere einen beachtlichen Effekt erzielte. „Torsten geht die Aufgabe mit 110 Prozent Herzblut an“, sagte Wald. „Wir sehen uns in unserer Entscheidung für ihn bestätigt. Ich glaube, dass ein Ruck durch die Mannschaft und das gesamte Umfeld gehen wird.“

Der MSV belegt nun mit fünf Punkten Rang 16. „Die Mannschaft hat Qualität“, sagt MSV-Sportdirektor Ivica Grlic. „Sie hat es sich hart erarbeitet, und für sie freut es mich ungemein.“ Lieberknecht kann sein Team nun in Ruhe auf das Heimspiel gegen den FC St. Pauli am Montag, 22. Oktober (20.30 Uhr/Sky) einstellen. „Der Trainer wird die zwei Wochen nutzen, um die Spieler besser kennenzulernen, noch mehr zu arbeiten“, versichert Grlic. Duisburg wird dann wohl alles daran setzen, im Duell mit St. Pauli den ersten Heimsieg der Saison zu feiern.

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