Nachruf

MSV-Boss würdigt Detlef Pirsig als „große Persönlichkeit“

Ein Bild aus dem Jahr 2010: Detlef Pirsig betritt den Rasen der Duisburger Arena. Am Montag ist die Zebra-Legende im Alter von 74 Jahren gestorben.

Ein Bild aus dem Jahr 2010: Detlef Pirsig betritt den Rasen der Duisburger Arena. Am Montag ist die Zebra-Legende im Alter von 74 Jahren gestorben.

Foto: mago sportfotodienst / imago sportfotodienst

Duisburg.  Der MSV Duisburg und viele Fußballfans trauern um Detlef Pirsig. Die Zebra-Legende verstarb am Montag im Alter von 74 Jahren. Ein Nachruf.

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Die Liebe zum MSV Duisburg blieb ungebrochen. So lange es noch ging, besuchte Detlef Pirsig mit seiner Lebensgefährtin Margit die Spiele der Zebras. Im Kreis der Weggefährten von einst fühlte sich Pirsig, der für viele ältere Duisburger Fußball-Fans ein Held der Kindheit war, wohl. Zuletzt wurden seine Besuche seltener. Nun bleibt sein Platz im Stadion leer. Detlef Pirsig verstarb am Montag in einem Mülheimer Krankenhaus im Alter von 74 Jahren. „Wir sind unendlich traurig. Er war einer der großen Persönlichkeiten im Verein“, sagt MSV-Präsident Ingo Wald.

Eisenfuß und Engelsgesicht beim MSV

Detlef Pirsig litt an Demenz, lebte zuletzt in einem Pflegeheim. Diese heimtückische Krankheit zwang den einst knallharten Vorstopper, der in der Szene als „Eisenfuß“ gefürchtet war, in die Knie. Den Mann, vor dem selbst einer der größten Stürmer der deutschen Fußball-Geschichte zitterte. Angeblich soll Gerd Müller vor einem Spiel des MSV Duisburg gegen den FC Bayern München Pirsig einen Brief geschrieben haben – mit der Bitte, ihn zu verschonen. „Sie nannten Detlef nicht umsonst den Mörder mit dem Engelsgesicht“, erinnert sich sein Weggefährte Bernard Dietz.

Detlef Pirsig kam 1966 zum MSV Duisburg. Der gebürtige Schweriner bestritt bis 1977 377 Bundesliga-Spiele für die Meidericher. 1975 führte er die Zebras als Kapitän in Hannover beim Pokalfinale gegen Eintracht Frankfurt (0:1) aufs Feld.

Mit dem MSV Duisburg Deutscher Amateur-Meister

Nach seiner Duisburger Spielerzeit wechselte Pirsig zum damaligen Landesligisten BV Lüttringhausen, den er als Spielertrainer bis in die 2. Bundesliga führte. Als der MSV Duisburg 1986 erstmals aus der 2. Bundesliga abgestiegen war, übernahm er in schweren Zeiten das Traineramt bei den Zebras in der Oberliga Nordrhein und führte den MSV gemeinsam mit seinem Assistenten Friedhelm Vos nach drei Jahren zurück in den Profifußball. Pirsig arbeitete in dieser Zeit mit dem jungen Thomas Strunz und dem „etwas älteren“ Ewald Lienen. Und auch der „Tornado“ Michael Tönnies wirbelte unter seiner Regie.

Zudem gewann Pirsig mit dem MSV gegen die Bayern-Amateure 1987 die Deutsche Amateur-Meisterschaft – ausgerechnet gegen den Gegner, den der MSV in der 3. Liga am vergangenen Sonntag 3:2 besiegte. „Da schließt sich auf traurige Weise ein Kreis“, so Ingo Wald. Auf Pirsigs Konto geht der einzige nationale Meistertitel des MSV im Männerfußball.

Nach dem Zweitliga-Aufstieg im Jahr 1989 verließ Detlef Pirsig den MSV, um elf Jahre später zurückzukehren. Von 2000 bis 2003 war er als Sportlicher Leiter für den Klub tätig. Zudem gehörte er dem Vorstand an. Einer der Präsidenten war damals Helmut Sandrock, einer der Trainer in der Pirsig-Ära war Pierre Littbarski.

Mitglied im Ehrenrat des MSV Duisburg

Die Fans wählten Detlef Pirsig in den Kreis der Legenden, er war Ehrenmitglied und gehörte dem Ehrenrat an. Als Pirsig bereits erkrankt war, trotzte sein Kämpferherz dem Leid. Er lief weiter für die Traditionsmannschaft der Zebras auf, stand auch 2016 beim Einlagespiel im Rahmen des Traditionsturniers an der Seite ehemaliger Weggefährten wie dem „verrückten Holländer“ Kees Bregman auf dem Rasen.

„Detlef war der Vorstopper schlechthin, mit der Rückennummer 4“, erinnert sich Ingo Wald (61), der in den 70ern als eingefleischter MSV-Fan im Wedaustadion Stammgast war. „Ich habe damals in der Zeitung gelesen, dass Detlef angeblich vor jedem Spiel ein Stück Kuchen und eine Tasse Kaffee zu sich genommen habe“, erzählt Wald. Viele Jahre später sprach der heutige MSV-Präsident Detlef Pirsig darauf an. Wald: „Die Geschichte stimmte tatsächlich. So etwas ist heute undenkbar.“

MSV-Legende Dietz von Pirsig "großgezogen"

Als Bernard Dietz 1970 zum MSV kam, war Detlef Pirsig als Führungsspieler bereits etabliert. „Detlef gehörte zu den Leuten, die mich beim MSV großgezogen haben. Er hat meine Karriere mit geprägt“, spricht der 71-Jährige mit großem Respekt von seinem ehemaligen Kapitän.

Beim Spiel gegen Bayern München II am Sonntag erfuhr Bernard Dietz, dass Pirsig im Krankenhaus liege. Die Todesnachricht am Montag hat ihn getroffen. Dietz: „Meine Frau hat noch ein Herzchen mit einem Genesungswunsch gekauft. Wir wollten ihn noch besuchen.“

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