MSV-Legende

MSV-Legende Dietz will nach seinem Herzinfarkt "96 Jahre alt werden"

Strahlte bei seiner Filmpremiere: Bernard Dietz.

Strahlte bei seiner Filmpremiere: Bernard Dietz.

Foto: Vladimir Wegener

Dortmund.   Drei Wochen nach seinem Herzinfarkt zeigt sich die Duisburger Klub-Ikone kämpferisch. Lebens-Ziel: „96 Jahre alt werden“.

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Als die Premiere des 87-minütigen Dokumentar-Films „Ennatz – eine Zebra-Legende“ im Deutschen Fußball-Museum Dortmund vorbei war, musste Hauptdarsteller Bernard Dietz (70) an seine Gesundheit denken. Manuel Neukirchner, Direktor des Fußball-Museums, reichte der Duisburger Klub-Ikone eine Flasche Wasser an.

Dietz nahm einen kräftigen Schluck und spülte damit blutverdünnende Medikamente, die er nach seinem vor drei Wochen erlittenen Herzinfarkt nun täglich einnehmen muss, herunter. „Ich habe mein ganzes Leben keine Tabletten genommen. Das ist jetzt neu und ungewohnt für mich. Aber das kriege ich auch noch hin“, so Dietz mit einem Lächeln. Drei Stents wurden dem 495-maligen Bundesliga-Spieler, der auch fünf Jahre für Schalke 04 spielte, nach dem Herzinfarkt eingesetzt.

Zwei weitere Stents im November

„Zwei weitere bekomme ich am 13. November. Und dann habe ich eine Reha beantragt. Mir geht es aktuell gut“, sagt Dietz. Bei der Premiere wollte er unbedingt dabei sein. Die behandelnden Herz-Spezialisten wiesen „Ennatz“ Dietz allerdings darauf hin, dass es bereits „fünf vor zwölf“ gewesen sei, nachdem er zusammen mit seiner Ehefrau Petra im Privat-Pkw zum Hospital gefahren war. Selbst zum Krankenhaus fährt Dietz ganz bescheiden.

So ist sein Naturell. „Ich habe durch den Fußball die Welt kennengelernt. Manchmal liege ich im Bett und denke, war das alles Wirklichkeit oder war das ein Traum“, sinniert Dietz in einer Filmsequenz.

Vom kleinen SV Bockum-Hövel wechselte er 1970 zum MSV Duisburg und stieg dort nach 394 Spielen zur Vereins-Legende auf. Comedian Markus Krebs, der Dietz vor Jahrzehnten als Balljunge beim MSV kennenlernte: „Für mich war es das Größte, dass ein Duisburger den EM-Pokal hochgehalten hat.“

Ehefrau Petra zu Tränen gerührt

Am 22. Juni 1980 führte Spielführer Dietz die deutsche Nationalelf zum 2:1-Sieg über Belgien in Rom – ausgerechnet in diesem Spiel war seine Frau Petra nicht dabei. Im Film enthüllt sie zu Tränen gerührt, warum sie beim größten Spiel in der Karriere ihres Mannes fehlte: „Bernard wollte nicht, dass ich mit zum Endspiel komme. Er meinte: Wenn du alleine durch Rom läufst, kann ich mich nicht konzentrieren.“

Eine schöne Schmonzette gibt im Film Horst Hrubesch zum Besten, der mit Dietz zusammen im Fußball-Museum über das Finale und die Tage davor spricht. Hrubesch: „Wir haben mit ein paar Spielern den Papst im Petersdom besucht. Er blickte nach der Predigt in unsere Richtung und zeigte zwei Finger. Da meinte mein HSV-Kollege Caspar Memering: Langer, der hat gezeigt, dass du zwei Tore machst.“ Der ehemalige Hamburger Hrubesch traf tatsächlich zweimal gegen Belgien.

Am Ende des Films sagt Dietz: „Ich hoffe, dass der liebe Gott mir noch ein bisschen Gesundheit schenkt und dass ich mit meinen Enkeln auf dem Platz Fußball spielen kann.“ Nach der Premiere wurde Dietz noch etwas konkreter. „Ich will 96 Jahre alt werden – genau wie meine Mutter.“

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