Fußball-Bundesliga

Klub-Rückkehr: Was Olaf Thon Mats Hummels jetzt rät

Mats Hummels gibt bald wieder im BVB-Trikot den Ton an.

Mats Hummels gibt bald wieder im BVB-Trikot den Ton an.

Foto: dpa

Essen.  Eine Rückkehr ist für Fußballer eine große Herausforderung. Über die Schwierigkeiten sprechen Ex-Profi Olaf Thon und der Sportpsychologe Moschos.

Um den Erfolg in diesem wichtigen Jahr seiner Laufbahn zu erklären, spricht Olaf Thon von übermenschlicher Hilfe. „Göttliche Fügung“ sei es mitunter gewesen, die dazu beigetragen habe, dass er nach seiner Rückkehr auf Schalke sofort wieder eine gewichtige Rolle spielte. Der Verein hatte sich mit Mühe in der Bundesliga gehalten, der Weltmeister von 1990 hatte eine von Verletzungen geprägte Phase hinter sich. Schalke und Thon – das passte. Der heute 53 Jahre alte Gelsenkirchener absolvierte in der Saison 1994/95 26 Bundesliga-Partien und war einer der Initiatoren der königsblauen Erfolgsgeschichte, die im Gewinn des Uefa-Cups 1997 gipfelte.

25 Jahre liegt der Zeitpunkt seiner Rückkehr zurück. Heuer ist seine Geschichte deshalb interessant, weil ein anderer Spieler, der sich zunächst aus dem Ruhrgebiet verabschiedete und anschließend wieder zurückkehrte, im Zentrum der Aufmerksamkeit steht. Mats Hummels, 30 Jahre alt, Innenverteidiger. Verließ Borussia Dortmund 2016, kehrt drei Jahre später wieder zurück. Kann er – wie Thon beim BVB-Erzrivalen Schalke – zur Legende werden? Oder versinkt der Weltmeister von 2014 nach seiner Rückkehr zu den Schwarz-Gelben in der fußballerischen Mittelmäßigkeit?

Prominente Beispiele gibt es für beide Wege. Lothar Matthäus etwa wurde nach seiner Rückkehr zu den Bayern Führungsspieler, holte viermal die Deutsche Meisterschaft. Heimkehrer Stefan Effenberg gewann mit dem Rekordmeister die Champions League, wurde dreimal Meister und gewann den DFB-Pokal. Andras Möller nahm zunächst einen Umweg über Juventus Turin und Eintracht Frankfurt, ehe er bei Borussia Dortmund so richtig einschlug. Möllers Karriere-Höhepunkt war der Gewinn der Champions League 1997. Mit dem BVB wurde er außerdem zweimal Deutscher Meister. Lukas Podolski (Köln) und Mario Gomez (Stuttgart), beide mit herausragenden Fähigkeiten gesegnete Nationalspieler, stiegen hingegen mit ihren Klubs ab, nachdem sie zurückgekehrt waren.

Die Hummels-Vorgänger Nuri Sahin, Shinji Kagawa und Mario Götze hatten wiederum große Probleme, sich zu alter Form zurück zu kämpfen. Und dennoch übte der BVB auf die drei eine große Anziehungskraft aus. Wie auf Hummels. Ist das Zufall? Ilias Moschos hat eine Vermutung. „Hummels hätte sicher für einige andere Klubs spielen können. Dass er zum BVB geht, kann daran liegen, dass er sich dort menschlich besser aufgehoben fühlt“, spekuliert der sportpsychologische Berater. Der 51-Jährige arbeitet mit Berufssportlern, darunter auch mit vielen Fußballern zusammen. An der Gewichtung dieses Arguments, so Moschos, sei keinesfalls zu mäkeln: „Ein Profi fordert seinen Körper und Geist täglich so stark, dass er dadurch Entspannung bekommen kann. Das ist professionell.“

Ex-Profi Thon erinnert sich daran, was sein alltägliches Leben bereicherte, als er zurück nach Gelsenkirchen ging: „. Es war schön, wieder zu den Eltern gehen und den Lieblings-Eintopf essen zu können.“ Weniger Genuss war auf dem Rasen angesagt: „Man muss sich darüber im Klaren sein, dass man wieder bei Null anfängt und sich alles erkämpfen muss. Um die Position zu bekommen, die ich bei Schalke hatte, habe ich auf dem Platz alles gegeben und es immer vorgelebt.“

Schließlich hatte sich in der Zeit eine Menge verändert. Thon war sechs Jahre lang von der Schalker Bildfläche verschwunden, hatte nur mittelbar erlebt, dass sich Dinge im Klub verändert hatten. Das könnte jetzt auch Hummels so gehen – oder jedem anderen Heimkehrer. „Zum Beispiel kann sich das Standing von früheren Mannschaftskollegen geändert haben“, gibt Moschos zu bedenken.

Daher sei es wichtig, die Rolle des Heimkehrers frühzeitig und klar in alle Richtungen zu kommentieren. „ Und dennoch sollte er zunächst als Beobachter auftreten und feststellen, was sich vermeintlich geändert hat und wie es sich dann darstellt“, rät Moschos.

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