Europa League

Griezmann-Show in Lyon: Atlético feiert dritten Europa-League-Triumph

Antoine Griezmann jubelt über seinen Treffer zum 2:0.

Antoine Griezmann jubelt über seinen Treffer zum 2:0.

Lyon.  Atlético Madrid hat das Finale der Europa League gegen Olympique Marseille mit 3:0 gewonnen. Der überragende Mann: Antoine Griezmann.

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Einer der weltbesten Fußballer hat seinen ersten wichtigen Titel. Und er gewann ihn nicht im Vorbeigehen, oder weil er eben mit auf dem Platz stand. Antoine Griezmann erzielte die ersten beiden Treffer beim 3:0 (1:0) von Atlético Madrid im Europa-League-Finale gegen Olympique Marseille. Dass ihm das praktisch zuhause gelang, in Lyon, 70 Kilometer von seinem Geburtsort Mâcon entfernt, machte die Sache nicht schlechter.

Für seinen Verein war es der dritte Triumph in der Europa League seit 2010. So verflucht Atlético nach mehreren Finalniederlagen in der Champions League scheint, so sicher findet es im zweiten Kontinentalwettbewerb sein Glück. Damit ging aus den neun letzten Europapokalendspielen seit 2014 zum achten Mal der Titel nach Spanien, und letztlich war es auch eine klare Angelegenheit. Als Kapitän Gabi Fernández in der 89. Minute den Endstand herstellte, war die letztlich einseitige Partie längst entschieden.

Wo das Spiel nur streckenweise überzeugte, war bis zum späten Abend neben Atlético aber auch die Polizei zufrieden – jedenfalls insofern die zwischen Fans aus Marseille und der Gastgeberstadt Lyon befürchteten Krawallen vorerst ausgeblieben waren. Bei all dem enormen Sicherheitsaufwand hatte es jedoch offenbar keine Kapazitäten mehr für detaillierte Untersuchungen am Einlass gegeben: das Arsenal an Bengalos und Böllern, das die OM-Anhänger ins Stadion schmuggelten, hat man bei einem Europapokalfinale schon lange nicht mehr gesehen. Vor dem Anpfiff fackelten sie es bis aufs Spielfeld hinunter ab, eine Leuchtrakete flog direkt neben Zeremonie-Kinder, die ein Transparent mit dem Klubwappen hochhielten. Glücklicherweise passierte ihnen nichts, und mit zwei Minuten Verspätung konnte Schiedsrichter Björn Kuipers unter Rauchschwaden, beißendem Geruch und infernalischem Lärm dann anpfeifen.

Mit dieser von Heimspielen gewohnten Atmosphäre hätte OM, unterstützt von einer Zweidrittelmehrheit auf den Rängen, die favorisierten Madrilenen beinahe überrumpelt. Nach Zusammenspiel mit Florian Thauvin spielte Dimitri Payet einen perfekten Pass auf Mittelstürmer Valère Germain. Allein vor dem Tor zielte dieser unerklärlich weit vorbei. Womöglich sah er noch nicht gut genug bei all dem Bengalonebel (4. Minute).

Atlético schaute sich das Marseiller Feuerwerk eine Weile an und spielte dann wieder mit Bravour die seit Jahren angestammte Rolle als Partyschreck. Ein konzertiertes Pressing am gegnerischen Strafraum, und Marseilles Torwart Steve Mandanda spielte einen riskanten Pass auf Zambo Anguissa – der mit einem Abpraller den Gegner bediente. Gabi legte ab auf Griezmann, und der verwandelte souverän zum 1:0 (21.).

Es war der erste Schritt zum Titel, und es war ein unwiderruflicher Schritt. Während OM-Kapitän Payet nach einer halben Stunde unter Tränen angeschlagen vom Platz musste, begann es zur zweiten Halbzeit zu regnen, und auch sonst wurde alles anders. Atlético eröffnete diesmal dominant, und nach einer blitzsauberen Kombination gelangte der Ball über Koke in den Lauf von Griezmann. Wie der 27-Jährige in rasantem Tempo mit Ball am Fuß in den Strafraum zog und dort deliziös über Mandanda zum 2:0 einchippte – das war pure Weltklasse (49.). Vielleicht zu gut für die Europa League, in die der zweifache Champions-League-Finalist der letzten Jahre diese Saison nach der Gruppenphase überraschend abgestiegen war. Aber wenn das dann so glücklich endet wie gestern, wird man das in Madrid sicher alle paar Jahre gern akzeptieren.

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