Analyse

Gladbach-Sieg in Leverkusen ist mehr als drei Punkte wert

Pure Freude nach der Aufholjagd: Oscar Wendt (r.) umarmt Gladbachs Torwart Yann Sommer.

Pure Freude nach der Aufholjagd: Oscar Wendt (r.) umarmt Gladbachs Torwart Yann Sommer.

Leverkusen.   Nach dem 3:2-Sieg in Leverkusen nach einem 0:2-Rückstand hofft Borussia Mönchengladbach jetzt auf einen sportlichen und emotionalen Wendepunkt.

Einen schöneren als jenen Fußballabend in der BayArena hat Christoph Kramer seit seiner Rückkehr zu Borussia Mönchengladbach im vergangenen Sommer noch nicht erlebt. An alter Leverkusener Wirkungsstätte hatte der Weltmeister nicht nur den 3:2 (0:2)-Siegtreffer durch Raffael mit einem geschlenzten Innenristpass perfekt vorbereitet. Nein, die Dramaturgie des Treffens zweier Champions-League-Starter ließ Kramer sogar in den psychologische Fachjargon abdriften.

Das 3:2 nach 0:2 binnen 19 Spielminuten der zweiten Halbzeit setzte bei den Borussen auf und neben dem Rasen Adrenalin in lange nicht gesehener und gehörter Art frei. „Der Sieg bedeutet für uns mehr als drei Punkte“, befand Kramer, „das Spiel könnte ein Turning Point für diese Saison sein.“ Die ist bekanntlich noch lang und könnte einen sportlichen Wendepunkt gut vertragen nach den vielen trüben Gladbacher Darbietungen der jüngeren Vergangenheit. Das 0:0 in Darmstadt von vor neun Tagen übrigens mit eingeschlossen.

Kramers Wende-Hoffnung dürfte nicht nur auf die Bundesliga beschränkt bleiben, wo der Vorsprung auf Relegationsplatz 16 auf fünf Punkte angewachsen ist. Die Borussen sind im DFB-Pokal-Achtelfinale bei Zweitligist Greuther Fürth morgen in einer Woche dabei. Dazu steht die erste Play-off-Runde in der Europa League am 16. und 23. Februar gegen den AC Florenz aus der italienischen Serie A ins Haus.

So gesehen waren die drei wichtigsten Erkenntnisse aus dem Leverkusen-Auftritt mehr wert als der pure Sieg: Die Borussia hat ihre Auswärtsschwäche vorerst abgelegt, die Borussia kann auch nach Rückstand kämpfen, die Stürmer treffen wieder das Tor nach zuletzt übersichtlichen drei Erfolgserlebnissen in zwölf Bundesliga-Spielen.

Körpereinsatz gegen Brocken Tah

Kapitän Lars Stindl ging in Leverkusen mit vorbildlichem Einsatz voran. Die hängende Spitze behauptete sich vor dem 1:2 mit geschicktem Körpereinsatz gegen Verteidiger-Brocken Jonathan Tah, stand wenig später beim 2:2 nach der Linksflanke von Oscar Wendt goldrichtig, weil völlig blank vor Torwart Bernd Leno.

„Der Trainer hat uns den Glauben zurückgege ben und uns in vielen Gesprächen positiv beeinflusst. Das Spiel war ein Wachrüttler“, erklärte Stindl. Der gelobte Dieter Hecking mochte indes keine schnellen Komplimente einklassieren. „Nach dem Freiburg-Spiel am Samstag bin ich fünf Wochen im Amt. Dann kann man ein erstes Fazit ziehen. Es ist sicher zu früh, alles jetzt rosarot zu sehen. Deshalb lobt die Spieler nicht zu sehr in den Himmel!“, mahnte Hecking seine Zuhörer.

Schmidt kritisiert junge Spieler

Solche Sorgen hätte sein Kollege Roger Schmidt in Leverkusen gern. Der über weite Strecken konfuse Auftritt der Werkself, die durch zwei Kopfballtreffer nach Ecken geführt hatte, ließ den Bayer-Trainer ratlos zurück. Gerade nach dem überzeugenden 3:1 eine Woche zuvor gegen Hertha BSC.

„Wir haben immer noch viele junge Spieler auf dem Rasen. Die unterschätzen bisweilen, wie gefährlich Bundesliga-Fußball sein kann“, mutmaßte Schmidt.

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