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Vor Bayern-Spiel: Gladbach-Legenden schwärmen von Heynckes

Jupp Heynckes: als Trainer des FC Bayern zurück im Geschäft.

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Jupp Heynckes: als Trainer des FC Bayern zurück im Geschäft. Foto: dpa

Mönchengladbach.   Am Samstag will Gladbach den von Heynckes trainierten Meister stoppen. Drei andere Borussia-Legenden schwärmen von ihrem früheren Mitspieler.

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Zum Abschied am 18. Mai 2013 flossen Tränen. Josef Heynckes, den alle seit Fußball-Gedenken nur Jupp nennen, übermannten die Trennungsgefühle. Fast fünf Jahrzehnte war er ein Protagonist des deutschen Profifußballs. Erst als Torjäger, dann als Trainer. Nun ging ihm das selbstgewählte Ende nahe, ausgerechnet am Pressekonferenz-Mikrofon im Borussia-Park in Mönchengladbach, seiner Geburtsstadt. Nach dem Klassiker Gladbach gegen FC Bayern, das die von Heynckes soeben zum Meister, Pokalsieger und Champions-League-Gewinner gemachte Münchener Mannschaft nach einem 0:3-Rückstand noch 4:3 gewann, wusste Jupp Heynckes nicht, dass sein 1012. Bundesligaspiel eben nicht das letzte der Karriere gewesen sein würde.

Vom Bauernhof zurück ins Stadion

An diesem Samstag (18.30 Uhr/Sky) treffen die Gladbacher und die Bayern, in den goldenen Siebzigern führend im deutschen Fußball, zum 99. Mal in der Bundesliga aufeinander. Und seit neun Spielen und neun Siegen lenkt der nun schon 72-jährige Heynckes, der sich eigentlich auf seinem Bauernhof im Schwalmtaler Ortsteil Fischeln, nur 14 Kilometer vom Borussia-Park entfernt, mit Ehefrau Iris und Schäferhund Cando zur Ruhe gesetzt hatte, wieder das Spiel der Münchener.

„Die Bayern waren aus den Fugen geraten. Jupp hat seinen Spielern die Freude am Spiel, an der Arbeit zurückgegeben. Er ist mit seinem einzigartigen Charakter der richtige Mann für diese Situation“, sagt Günter Netzer im Gespräch mit dieser Redaktion. Netzer, früher bei den Gladbachern mit genialen Pässen häufig Vorbereiter von Heynckes-Toren, zollt seinem alten Freund höchsten Respekt: „Ich bin von Jupp total überzeugt. Er ist bei den Spielern mit seiner Erfahrung und seinem Auftreten voll akzeptiert, er ist eine Respektsperson. Und das ist entscheidend. Spieler haben schließlich in zehn Minuten raus, was ein neuer Trainer so drauf hat.“

Der 73-jährige Netzer, an der Seite von Heynckes 1972 Europameister, wohnt in Zürich und beobachtet aufmerksam die Fußballszene, hat im Sommer aber seine Ämter beim Schweizer Sportmarketing-Unternehmen Infront niedergelegt und sich in den Ruhestand verabschiedet. Netzer ist nur noch gelegentlicher Stadiongänger. Wie zuletzt beim DFB-Pokalspiel seiner Borussia in Düsseldorf.

Auch Berti Vogts ist eher selten bei den Heimspielen der Fohlenelf. „Ich gehe nur hin, wenn das Wetter stimmt“, erzählt der frühere Bundestrainer. Der einstige Abwehrspezialist, der den Gladbacher Offensivkünstlern Netzer und Heynckes den Rücken freihielt, ist von Heynckes’ schnellem Erfolg bei den Bayern nicht überrascht: „Jupp liebt diesen Klub und schafft für die Spieler eine große Vertrauensbasis. Das ist bei Bayern meist schon entscheidend für den Erfolg.“

Altstars sehen Chance für Gladbach

Ähnlich sieht das Rainer Bonhof, wie Heynckes, Netzer und Vogts Mitglied der Gladbach-Crew im Weltmeister-Aufgebot von 1974: „Ich kann sehr gut verstehen, dass Jupp dem FC Bayern hilft. Er hat dort seine größten Triumphe gefeiert als Trainer, und er ist eng verbunden mit seinem Freund Uli Hoeneß. Dazu hat seine Motivation nie nachgelassen. Diese Einstellung ist nicht altersabhängig, man hat sie ein Leben lang.“

Nicht nur Bonhof, heute 65 und Vizepräsident der Gladbacher, hofft trotzdem, dass die Borussia den Bayern-Siegeslauf unter Heynckes beendet. Vogts räumt Gladbach sogar reelle Chancen ein: „Die Sache steht 50:50 – wie bei uns früher in den 70er-Jahren.“

Im Gegensatz zu Netzer kann sich der 70-jährige Vogts nach seinem Abschied als Nationaltrainer von Aserbaidschan im Jahr 2014 einen weiteren Job im Profifußball vorstellen. „Als Trainer in der Bundesliga sicher nicht, aber vielleicht irgendwo in einer anderen Position. Ich habe die Entscheidung allein in der Hand“, sagt Vogts. Er fühlt sich da in einer ähnlicher Situation wie Jupp Heynckes bis Anfang Oktober – als der Hilferuf von Bayern-Präsident Hoeneß kam.

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