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Gladbachs Ginter über die WM: Teamgeist von 2014 hat gefehlt

Gesetzt bei Borussia Mönchengladbach: Matthias Ginter.

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Gesetzt bei Borussia Mönchengladbach: Matthias Ginter. Foto: imago

Rottach-Egern.  Matthias Ginter von Borussia Mönchengladbach kam bei der WM nicht zum Einsatz. In Zukunft will er in der Nationalelf Verantwortung übernehmen.

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Matthias Ginter ist kein Typ für große Gesten oder staatstragende Worte. Deswegen war es durchaus bemerkenswert, dass der 24-Jährige gestern im Trainingslager von Borussia Mönchengladbach am Tegernsee eine klare Botschaft an Bundestrainer Joachim Löw schickte. „Ich will nach vorn rücken“, erklärte Ginter mit Blick auf seine Zukunft beim DFB, um dann doch noch einen Versuch zu starten, seine forschen Worte wieder einzufangen: „Ich bin nicht der Typ, der sagt: ,Ich will eine Führungsrolle‘.“ Zu spät.

Die Forderung wurde auch so deutlich. Ginter will mehr Einsatzzeiten. Er will sich weiterentwickeln, sogar Verantwortung übernehmen. Bei der enttäuschenden Weltmeisterschaft war er der einzige Feldspieler, der nicht ein Mal den Rasen betreten durfte. Schon 2014 in Brasilien spielte er nicht, nur sorgten seine Mitspieler damals dafür, dass auch Ginter sich seitdem Weltmeister nennen darf. Diesmal blamierte sich die Nationalmannschaft, schied in der Vorrunde aus, weswegen nun alle von Löw einen Neuanfang verlangen.

„Ich wäre gerne wieder Weltmeister geworden, ohne zu spielen“, meinte Ginter gestern und ergänzte: „Ich war nach dem Aus enttäuscht. Das hat wehgetan, weil wir uns viel vorgenommen haben.“ Warum hat es dann nicht geklappt? „Wir waren nicht gespalten, aber uns hat der Spirit von 2014 gefehlt.“

Der gebürtige Freiburger hat mit mal 24 Jahren schon viel erlebt. 2014 küsste er den WM-Pokal. 2015 erlebte er die Anschläge beim Länderspiel in Paris, 2017 saß er beim Sprengstoffattentat im BVB-Mannschaftsbus. Im selben Jahr gewann er den DFB-Pokal und mit der Nationalelf den Confed-Cup. Viel Erfahrung, die ihn nun auch bei Gladbach zu einem Führungsspieler machen soll. „Es ist ganz normal, dass jetzt die nächsten Schritte kommen“, erklärte Ginter, „ich versuche, die jungen Spieler zu unterstützen“. Auch das macht er eher auf die gintersche Art – mit kleinen Gesten. Ein kurzes Gespräch, ein Witz, ein Lächeln. Und er überzeugt auf dem Platz.

Verteidiger Nummer 1 von Borussia Mönchengladbach

In seiner ersten Saison bei ­Gladbach hat Ginter alle 34 Bundesliga-Spiele absolviert. Er musste sich zwar über die hohe Zahl von 52 Gegentoren ärgern. Gleichzeitig schoss Ginter aber auch fünf Treffer, bereitete zwei vor. „Es hat mir gut getan, in einen Verein zu kommen, in dem ich spiele“, meint der Verteidiger.

Daran wird sich in dieser Saison wohl kaum etwas ändern. Nachdem die Borussia Jannik Vestergaard für 24,5 Millionen Euro an den FC Southampton verkauft hat, gilt Ginter als Verteidiger Nummer eins. Vermutlich wird Nico Elvedi sein Nebenmann werden, der in der vergangenen Spielzeit noch als Rechtsverteidiger auflief, sollte Manager Max Eberl nicht doch noch einen Innenverteidiger auf dem Transfermarkt verpflichten.

Eberl hat dafür sogar schon das Trainingslager am Tegernsee verlassen, kehrte gestern zurück. Die Gerüchte um Marlon (FC Barcelona), Diogo Leite (FC Porto) und Reece Oxford (West Ham United) wollte er nicht kommentieren. Doch der Manager hat durch den Vestergaard-Verkauf in jedem Fall noch Geld zur Verfügung.

Blieb gestern noch die Frage nach dem Rücktritt von Mesut Özil. Matthias Ginter hatte schon zu Beginn des Trainingslagers ­gesagt, dass es ihm leidtue, dass so ein guter Fußballer die Nationalmannschaft verlasse. Zu den RassismusVorwürfen wollte sich Ginter auch diesmal nicht äußern, weil er nicht alle Hintergründe kenne. Nur so viel: „Der Fußball hat eine verbindende Kraft.“

Das klang dann schon fast staatstragend.

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