Borussia Mönchengladbach

Drmic: „Normal, dass Vereine auf mich aufmerksam werden“

Josip Drmic von Borussia Mönchengladbach könnte den Verein verlassen.

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Josip Drmic von Borussia Mönchengladbach könnte den Verein verlassen. Foto: dpa

Mönchengladbach.  Josip Drmic hat bei der Weltmeisterschaft in Russland für die Schweiz ein Tor erzielt. Jetzt könnte er Gladbach verlassen. Das Interview.

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Beim 3:0-Erfolg von Borussia Mönchengladbach beim FC Southampton war Josip Drmic nicht dabei. Der offizielle Grund: Trainingsrückstand. Möglicherweise spielte es aber auch eine Rolle, dass der Schweizer mit kroatischen Wurzeln die Borussia noch verlassen könnte.

Im Interview spricht Drmic über seine Zukunft – aber auch über die Weltmeisterschaft in Russland, bei der er mit der Schweiz im Achtelfinale an Schweden scheiterte (0:1), in der Vorrunde gegen Costa Rica aber einen Treffer erzielte.

Herr Drmic, wie fühlt es sich an, bei der WM ein Tor zu erzielen?

Josip Drmic: Für mich war es, nach allem, was mir passiert ist, etwas ganz Besonderes. Ich habe dafür so hart gearbeitet, geackert, gekämpft. Als ich dann getroffen habe, war es wie eine Explosion. Es war Freude, ich war stolz, am liebsten wäre ich direkt in Tränen ausgebrochen.

War das eines Ihrer schönsten Erlebnisse im Leben?

Drmic: Eine WM ist etwas Besonderes für einen Fußball-Profi. Es war meine zweite. Bei der ersten WM wurde mir mein Tor aberkannt, doch jetzt hat alles gepasst. Das ist einfach ein Traum, der in Erfüllung geht.

Trotzdem sind Sie mit der Schweiz unglücklich im Achtelfinale rausgeflogen. Waren Sie enttäuscht?

Drmic: Ich hätte mir gewünscht, dass wir länger dabei geblieben wären. Das Aus war einfach nur traurig, weil die Art und Weise, wie wir ausgeschieden sind mit diesem unglücklichen Gegentor, enttäuschend war. Ich wäre gerne länger geblieben. Aber es war auch so ein Riesenerlebnis für mich.

Was bedeutet diese WM für Ihre Karriere?

Drmic: Es ist eine Bestätigung für die harte Zeit, für die harte Arbeit. Ich habe so viel gearbeitet. Das ist schon cool.

Wie haben Sie sich nach so vielen Problem zurückgekämpft?

Drmic: Ich bin einfach drangebleiben, habe daran geglaubt, habe nach vorne geschaut. Zurückschauen bringt nichts. Der Fußball besteht nur aus dem Moment, das ist das Gute. Ich versuche, positiv durch alles zu gehen.

Was hätten Sie gesagt, wenn Ihnen während Ihrer langen Reha jemand gesagt hätte, dass Sie bei der WM treffen?

Drmic: Es gab schon ein paar Leute, die mich während der Reha auf die WM angesprochen haben, da konnte ich aber noch kaum auf beiden Beinen stehen. Damals war es eher ein Scherz. Aber ich habe dann gemerkt, wie ich Fortschritte mache. Und so wurde es immer wahrscheinlicher, dass ich es zur WM schaffen kann. Ich habe einfach versucht, jeden Tag das Beste aus mir herauszuholen. Die WM kam dann wie ein Geschenk.

Gab es Momente, in denen Sie alles hinwerfen wollten?

Drmic: Ja, das war so. Es gab Momente, in denen ich nicht mehr konnte. Ich habe da viel gelitten, mich gequält, es hat einfach keinen Spaß mehr gemacht. Es gab da einen besonderen Moment mit meinem Arzt. Ich hatte mich zu Tode trainiert und mein Bein war angeschwollen. Die Schwellung musste runter massiert werden, das hat höllisch wehgetan. Da habe ich eine Träne verdrückt und überlegt, alles hinzuschmeißen.

Wer hat Ihnen in dieser Zeit geholfen?

Drmic: In diesen Situationen habe ich mir nur selbst geholfen. Meine eigene Energie hat mich da herausgeholt, denn niemand kämpft für mich, niemand leidet für mich. Klar habe ich Freunde, einen Trainer, die Familie, die mich pushen, aber am Ende bin ich in meinem Körper. Ich musste mich alleine überwinden.

Woher kommt diese Fähigkeit?

Drmic: Ich weiß es nicht. Das ist vielleicht mein Charakter, aber es ist auch ein Teil meines Jobs. Man kann im Fußball durch Wille und Mut viel erreichen. Da hat man bei der WM auch an Kroatien gesehen, die bis ins Finale gekommen sind.

Haben Sie sich da geärgert, dass Sie nicht für Kroatien gespielt haben?

Drmic: Ich habe mich nur deswegen geärgert, weil wir mit der Schweiz auch die Qualität gehabt hätten, so zu spielen. Aber ich bereue es nicht, für die Schweiz zu spielen.

Warum spielen Sie für die Schweiz?

Drmic: Ich bin dort aufgewachsen. Und Heimat ist für mich der Ort, an dem ich aufgewachsen bin. Der Ort, an dem mich meine Freunde ins Herz geschlossen haben – und ich sie. Der Ort, an dem ich immer herzlich willkommen bin. Berg, Kanton Schwitz, ist nun mal meine Heimat. Und dann ist da noch Kroatien. Auch da werde ich empfangen, als wäre ich daheim. Es ist die Heimat meiner Vorfahren, meiner Familie. Deswegen ist auch Kroatien in meinem Herzen. Ich werde ein Leben lang die Schweiz und Kroatien als Marken tragen.

Fühlen Sie sich von der Gesellschaft als Schweiz-Kroate akzeptiert?

Drmic: Für manche ist es kein Problem, manche sehen es kritischer. Man sollte einfach in sein Herz hineinhören und das für richtig halten, was man fühlt. Dann ist es auch egal, was die anderen denken.

Während des WM-Spiels gegen Serbien haben ihre Mannschaftskollegen Xhaka und Shaqiri, die albanische Wurzeln haben, die Serben mit dem albanischen Doppeladler provoziert. Wie finden Sie es, wenn Fußball und Politik vermengt werden?

Drmic: Ich sage immer, wenn man ein Spieler bei so einem Event ist, dann sollte der Fußball im Vordergrund stehen. Das Problem ist, dass von außen so viel an einen herangetragen wird, dass das schwer ist.

Das klingt nach Kritik an Xhaka und Shaqiri?

Drmic: Ich würde sagen, in dem Moment waren andere Sachen wichtiger.

Jetzt sind Sie wieder bei Gladbach. Wie geht es weiter?

Drmic: Klar ist, dass mein Vertrag nur noch ein Jahr läuft. Und bei meinen letzten Spielen und auch bei der WM habe ich überzeugt, deswegen ist es auch normal, dass manche Vereine auf mich aufmerksam werden. Aber mein Fokus liegt jetzt erstmal auf Gladbach, ich bereite mich auf die Saison vor.

Waren Sie enttäuscht, dass Gladbach mit Pléa einen Mittelstürmer verpflichtet hat?

Drmic: Nein, denn wenn der Verein einen Transfer tätigen will, dann sollte er es auch machen. Ich habe Pléa bereits ein bisschen zugeschaut, ich habe mich auch mit ihm unterhalten. Er ist sympathisch, er ist nett, und er ist torgefährlich. Er kann der Mannschaft helfen. Ich wünsche ihm nur das Beste und viel Glück.

Was müsste Gladbach Ihnen bieten, damit Sie verlängern?

Drmic: Das muss man abwarten, aber Gladbach hat sich bislang immer super verhalten. Ich habe dem Verein viel zu verdanken. Er war auch in meiner schwierigen Zeit immer da. Gladbach hat mich immer unterstützt. Das ist nicht selbstverständlich.

Sie haben beim HSV gespielt und haben als Gladbacher am letzten Spieltag miterlebt, wie der Verein abgestiegen ist. Was haben Sie da gefühlt?

Drmic: Mich hat der Abstieg traurig gemacht. Für mich ist der Hamburger SV ein großer Verein. Ich finde sogar, wenn man sich einen idealen Verein vorstellt, dann sollte er so sein wie der HSV. Aber vielleicht kann der Verein durch den Abstieg lernen und stärker zurückkommen. Der HSV sollte nicht in der 2. Bundesliga spielen.

Welche Ziele haben Sie noch?

Drmic: Ich habe mir immer vorgenommen, in Deutschland, England und Spanien zu spielen. Wenn ich das schaffe, wäre das ein Traum. Aber eine Fußball-Karriere lässt sich nur schwer planen. Ich kann aber sagen, dass ich bislang nichts anders gemacht hätte. Ich fühle mich in Deutschland wohl. Das ist ein tolles Land.

Warum?

Drmic: (lacht) Vor allem wegen der Autobahnen. Ich fahre gerne schnell, das darf man hier. Ich liebe Autos. Aber auch die Menschen sind aufgeschlossen, herzlich, nett. Ich mag Deutschland.

Und nach der Karriere ziehen Sie wieder in die Schweiz – oder nach Kroatien?

Drmic: Das ist eine schwere Frage. Ich habe in Deutschland viele tolle Menschen kennengelernt. Die Schweiz ist immer in meinem Herzen. Und Kroatien ist wunderschön. Ich hoffe, dass ich nach der Karriere einen Job finde, in dem ich von allen Ländern etwas haben kann. Und ich will eine Familie gründen.

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