Gladbach

Auch für Raffael wird die Luft in Gladbach dünn

Raffael von Borussia Mönchengladbach

Foto: Getty Images

Raffael von Borussia Mönchengladbach

Mönchengladbach.  Samstag trifft Mönchengladbachs Torjäger Raffael auf seine alte Liebe Hertha BSC. Wieder eine Möglichkeit, die enttäuschende Saison aufzupeppen.

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Beim Thema Berlin geht Raffael das Herz auf. Auch fast sechs Jahre nach seinem Abschied von der Hertha. „Ich mag die Stadt sehr. Damals habe ich mich als Profifußballer gerade auch unter Lucien Favre in Berlin am meisten nach vorn entwickelt“, sagt der mittlerweile 33-jährige Brasilianer, der seit 2013 in der Fußball-Bundesliga für Borussia Mönchengladbach unterwegs ist. Für die Hertha hat Raffael zwischen 2008 und 2012 immerhin 142 Ligaspiele bestritten, am Samstag (15.30 Uhr/Sky) steht für Gladbach der 138. Einsatz ins Haus – gegen die alte Liebe.

Sieben Tore sind für Raffael eine übersichtliche Ausbeute

Im Hinspiel war noch alles gut. Sehr gut sogar. Da jagte Raffael aus 25 Metern Distanz einen Ball zum 3:0 in den rechten Torwinkel, erzielte später auch noch den 4:2-Endstand. Gladbach kletterte auf Platz vier. Doch die Ambitionen, wie 2015 und 2016 erneut in der Champions League mitzumischen sind mittlerweile verwelkt. Wie auch die Erinnerungen an den Jubel-Samstagabend im Olympiastadion vom 18. November.

Raffaels Doppelpack war eines seiner wenigen Ausrufezeichen in dieser Saison. Sieben Tore sind eine übersichtliche Ausbeute. Immer wieder in den vergangenen drei Monaten machte eine verhärtete Wadenmuskulatur zu schaffen. Der trickreiche, stets so leichtfüßig über den Rasen tänzelnde Angreifer spürt immer mehr auch den Fluch des Alters. Weniger verletzt sein als in der Vorsaison, so hieß eines seiner Ziele. 19 Pflichtspiele musste Gladbach 2016/17 ohne Raffael auskommen. In dieser Spielzeit sind auch schon wieder acht Partien Zwangspause verzeichnet. Und in zwei Bundesliga-Treffen in Köln und in Stuttgart stieg Raffael als verletzter Joker zu früh wieder ins Geschehen ein.

Raffaels erneute Leidenszeit ist aber wahrlich nicht der alleinige Grund dafür, warum sich die Gladbacher ins graue Mittelmaß der Bundesliga verabschiedet haben. In den vergangenen 16 Pflichtspielen gelangen gerade einmal drei Siege. Das hat mit einer Vielzahl an Verletzungen und Langzeitausfällen zu tun, die Trainer Dieter Hecking in seiner Personalauswahl immer wieder arg zusetzten.

Gleich elf Fohlen mit Muskelverletzungen in der laufenden Saison sind notiert. Das wirft Fragen auf. „Lebt jeder wie ein Sportprofi? Stimmt die Trainingssteuerung?“, so stellte es etwa Weltmeister Matthias Ginter nach dem 3:3 im Heimspiel gegen TSG Hoffenheim kürzlich kritisch in den Raum. Antworten wollen die Verantwortlichen um Sportdirektor Max Eberl spätestens in der Sommerpause herausfinden.

Genau dorthin hat Eberl auch die Trainervertragsfrage geschoben, die eigentlich schon im Januar auf der Agenda gestanden hatte. Doch eine mögliche Verlängerung des Arbeitspapiers von Dieter Hecking über den 30. Juni 2019 hinaus scheint nicht selbstverständlich. Bundesligaspiele mit einer guten Gladbacher Leistung lassen sich an fünf Fingern abzählen. Das 2:1 über die Bayern oder das erwähnte 4:2 bei der Hertha wirken einsam wie zarte bunte Blumen im Wüstensand.

Der große Rest, gerade in der Rückrunde, bestand für Gladbachs Anhängerschar aus Magerkost und Frust. Gerade der hochgelobte Angriff lahmt dauerhaft. Nationalspieler und Kapitän Lars Stindl brauchte fast ein Jahr, um beim 3:3 gegen Hoffenheim endlich mal wieder ein Heimtor zu erzielen. Der von Premier-League-Teams beobachtete Thorgan Hazard benötigte für seine sieben Saisontreffer vier Elfmeter. Bei der WM in Russland, wenn Hazard für Belgien im Einsatz ist, muss schon eine Menge passieren, will die Borussia für den ehemaligen Chelsea-Angreifer bei einem laufenden Vertrag bis 2020 eine satte achtstellige Ablösesumme einsammeln.

Gladbachs Grifo kommt nicht recht in die Gänge

Beide offensiven Außenpositionen im Mittelfeld sind Problemzonen. Der aus Freiburg transferierte Freistoßspezialist Vincenzo Grifo kommt links nicht recht in die Gänge. Rechts überzeugen weder der Ex-Dortmunder Jonas Hofmann, noch Patrick Herrmann. Schmerzlich wird hier der langzeitverletzte Ibrahima Traoré vermisst. Und mit den schwerfälligen Bankdrückern Josip Drmic und Raúl Bobadilla lässt sich vorn ohnehin kaum ein Blumentopf gewinnen. Ohne die acht Treffer der Innenverteidiger Jannik Vestergaard und Matthias Ginter stünde Gladbach im Kampf gegen Relegationsplatz 16.

Im Borussia-Angriff stehen die Zeichen auf Veränderung. Raffael wird den Sommer ohne böse Überraschung überstehen. Daran besteht kein Zweifel. Dennoch wird für den Berliner Brasilianer die Luft langsam dünn. Auch eine Rückkehr in die Heimat ist nicht mehr undenkbar. „Der FC Sao Paulo wäre ein toller Klub. Für den würde ich gern mal spielen“, sagt Raffael. Im Sommer 2019, mit dann 34 Jahren, könnte es so weit sein.

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