Mönchengladbach. Borussias 3:2-Coup gegen den FC Bayern München ist auch ein Verdienst von Marco Rose. So funktionierte der Plan des Gladbach-Trainers.

Marco Rose zeigte an diesem kalten Januar-Abend im Borussia-Park große Emotionen. Als der Schlusspfiff ertönte, ballte der Gladbacher Trainer seine rechte Hand zur Faust und brüllte seine Freude direkt vor Ramy Bensebaini heraus, den er anschließend umarmte. Dann herzte er seinen Kapitän Lars Stindl, der wie Bensebaini nach seiner Auswechslung auf der Bank bis zum Ende hatte mitfiebern müssen. Es war ein bemerkenswerter, ein bedeutender Sieg, den Rose mit seiner Mannschaft zum Auftakt des 15. Spieltags der Fußball-Bundesliga feierte. Der 3:2 (2:2)-Coup gegen den FC Bayern München erwärmte das Borussen-Herz ungemein.

„Das Ergebnis kann uns einen Schub geben“, sagte Rose. „Wir hatten viele Spiele ohne Spielglück, aber heute haben wir es uns erarbeitet.“ Was auch daran lag, dass Roses Matchplan für das Duell mit dem Tabellenführer trotz anfänglicher Schwierigkeiten aufgegangen war. Zentrale Rollen spielten darin Jonas Hofmann und Stindl. Rose erklärte nach dem Spiel: „Wir wollten mit dem Ball Hoffi in die letzte Linie bringen und Lars mehr in den Zwischenräumen spielen lassen.“

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Gladbacher Hofmann und Stindl brillieren

So kam Stindl in der 35. Minute, zu einem Zeitpunkt, als die Gäste durch Tore von Robert Lewandowski (20., Handelfmeter) und Leon Goretzka (26.) schon 2:0 führten, nach einem Ballverlust der Münchener zum Zug. Der Kapitän bediente mit einem Steilpass Hofmann, der den Anschlusstreffer markierte. Frappierend ähnlich kam der Ausgleich zustande: Wieder spielte Stindl gegen eine hoch stehende, aber instabil agierende Münchener Verteidigung den Ball in die Tiefe, wieder vollendete Hofmann mit einem platzierten Flachschuss (45.). Gladbach schockte die Bayern mit gezieltem, schnellem Umschaltspiel.

Der Doppeltorschütze freute sich nach der Partie über die gelungenen Aktionen: „Wir haben unsere ersten beiden Tore genauso erzielt, wie wir uns das vorgestellt haben und das sehr gut rausgespielt“, sagte Hofmann. „Dann haben wir immer besser ins Spiel reingefunden und es ist super, dass wir nach der Pause direkt in Führung gehen. Das tut unheimlich gut.“

Doppel-Torschütze Jonas Hofmann (Mitte) freut sich nach seinem Tor zum 2:2 mit Ramy Bensebaini (links) und Nico Elvedi.
Doppel-Torschütze Jonas Hofmann (Mitte) freut sich nach seinem Tor zum 2:2 mit Ramy Bensebaini (links) und Nico Elvedi. © Getty Images

Neuhaus bügelt seinen Patzer gegen Bayern aus

Nach einem Fehlpass von Bayern-Verteidiger Niklas Süle hatte Hofmann den Ball auf Florian Neuhaus abgelegt. Mit seinem Schlenzer aus 18 Metern ins rechte obere Eck (49.) bügelte Neuhaus auch seinen Patzer im Strafraum aus, der zum Rückstand geführt hatte. „Ich bin mit der Hand am Ball, das ist dann Elfmeter. Eine blöde Aktion von mir“, sagte er. „Es ging so schnell, ich ziehe danach die Hand sofort weg. Total unglücklich, aber ich habe beschlossen, mich nicht lange damit aufzuhalten, mein Spiel durchzuziehen und dann bin ich happy, dass ich das mit dem Tor wiedergutmachen konnte.“

Bayern-Trainer Hansi Flick indes ärgerte sich: „Wenn man unser Spiel sieht, ist es schon auffällig, wo wir Probleme haben. Das müssen wir verbessern, dass wir gegen den Ball bei Ballverlust auch die Tiefe absichern“, erklärte Flick. „Gladbach war sehr effizient und hat drei Fehler von uns brutal ausgenutzt.“

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Müller: „Gladbach hat Kopf und Kragen riskiert“

Die Münchener zeigten sich zwar bemüht, noch den Ausgleich zu erzielen. Die Gladbacher verteidigten ihre Führung allerdings im Kollektiv mit viel Einsatz. „Am Ende war es ein harter Kampf in der Defensive, aber das gehört gegen die Bayern dazu“, sagte Christoph Kramer. Bayern-Profi Thomas Müller stellte fest: „Wir haben aus unserer Belagerung in der zweiten Halbzeit zu wenig gemacht. Wir hatten zwar ein paar Halbchancen, wo Gladbach Kopf und Kragen riskiert und ich denke, es kann auch 3:3 ausgehen. Aber heute hat es zu diesem Ergebnis nicht mehr gereicht.“

Die Borussen gewannen somit nach dem 2:1 am 7. Dezember 2019 erneut ein Heimspiel gegen den FC Bayern. „Ich bin stolz“, sagte Rose, „aber wir können das auch richtig einordnen. Wir müssen jetzt dranbleiben, das habe ich den Jungs auch gesagt.“ Marco Rose dürfte mit seiner Mannschaft aus dem Sieg über den Rekordmeister viel Selbstvertrauen für die kommenden Wochen mitnehmen.