Interview

Hoffenheim rettete die Karriere von Gladbach-Spieler Strobl

Tobias Strobl.

Tobias Strobl.

Mönchengladbach.  Der 26-jährige GlachbacherTobias Strobl über seine besondere Beziehung zur TSG Hoffenheim und seine gemeinnützige Arbeit. Das Interview.

Mit dem Titel „Der Unscheinbare” geht Tobias Strobl souverän um. Jener unauffällige Fußballprofi, der im defensiven Mittelfeld für Stabilität sorgt, sei er eben schon immer gewesen, sagt der gebürtige Münchner. Das ist so auf dem Rasen. Und auch daneben. Dass es für den 26-jährigen Strobl überhaupt etwas mit Profifußball wurde, lag vor allem an 1899 Hoffenheim. Eben in Sinsheim tritt die Borussia am Ostersamstag (15.30 Uhr/Sky) an.

Herr Strobl, zu Hoffenheim haben Sie eine ganz besondere Beziehung.

Tobias Strobl: Ohne die TSG würde ich jetzt nicht hier im Borussia-Park sitzen.

Der Anlass für Ihren Wechsel nach Sinsheim im Sommer 2011 war kein schöner.

Tobias Strobl: In der Tat. Als mein Papa plötzlich verstorben ist, war ich 18 Jahre alt und bei 1860 München. Ich hatte nach seinem Tod eine schwere Zeit, habe da Fußball vernachlässigt. Mein Vater war für mich alles. Der hat mich zum Training gefahren, zur Schule, hat mit mir Hausaufgaben gemacht.

Stand damals Ihre Karriere als Profifußballer auf dem Spiel?

Tobias Strobl: Ich musste realisieren, was wichtig ist im Leben, was ich erreichen will, wie es weitergehen soll. Mit dem Wechsel nach Hoffenheim habe ich auch wieder zu mir gefunden. Der damalige TSG-Manager Ernst Tanner ist ja alter Münchner Löwe und hat mir 2011 eine Chance gegeben. Das galt auch für Frank Kramer, der damals Trainer der zweiten Mannschaft war. Beiden bin ich dafür bis heute dankbar.

War es ein schwerer Schritt für Sie, die geliebte Heimatstadt zu verlassen?

Tobias Strobl: Es war jedenfalls nötig, auch wenn München meine Heimat und die schönste Stadt überhaupt ist. Aber bei 1860 ging es einfach nicht mehr weiter.

Können Sie als gebürtiger Münchner deshalb auch besonders gut nachvollziehen, dass Ihr Sportdirektor Max Eberl mit einem Wechsel in seine Heimatstadt geliebäugelt hat?

Tobias Strobl: Auf jeden Fall. Und das ist doch nur menschlich. Dazu ist der FC Bayern ja auch kein kleiner Verein. Aber die Borussia ist Max Eberls Baby, das lässt er nicht im Stich. Und das finde ich absolut klasse.

Sie engagieren sich außerhalb des Rasens für die SOS-Kinderdörfer in der Region, sind Botschafter der Aktion “Wir stärken Kinder”. Nehmen Sie den Profifußball anders wahr, wenn Sie mit den Kindern zusammen sind?

Tobias Strobl: Ja, in der Tat. Kürzlich habe ich 35 Kinder aus verschiedenen SOS-Kinderdörfern für einen Tag zur Borussia eingeladen. Wir haben Fußball gespielt, zusammen Mittag gegessen, eine kleine Pressekonferenz gemacht.

Was bleibt nach einem solchen Tag hängen?

Tobias Strobl: Ich habe viele Leidensgeschichten gehört, die mich berührt haben. Diese Geschichten haben mir wieder verdeutlicht, wie privilegiert ich doch bin. Und sie unterstreichen, dass ich als Fußballprofi Vorbild sein und den Kindern etwas geben will.

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