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RWE-Legende Horst Hrubesch zurück an der Hafenstraße

Horst Hrubesch im RWE-Stadion in der Hafenstraße in Essen

Horst Hrubesch im RWE-Stadion in der Hafenstraße in Essen

Foto: Rottmann

Essen.  In Essen begann einst die große Karriere des Mittelstürmers. An diesem Samstag spielt seine Frauen-Nationalmannschaft hier gegen Österreich.

ZDF-Reporter Tibor Meingast stellt Frauen-Bundestrainer Horst Hrubesch am Freitagmittag gerade eine erste Frage am Rasenrand des Stadions in Essen, in dem an diesem Samstag die besten deutschen Fußballerinnen ein Länderspiel gegen Österreich austragen (14 Uhr/ZDF), als der Rasensprenger anspringt und die beiden einmal kurz und kräftig begießt. Hrubesch lächelt und sagt: „Ich bleibe hier stehen.“ Wäre ja noch schöner. Diesem alten Kämpfer kann doch so ein bisschen Wasser nichts anhaben. Schon gar nicht hier. Wo alles begann.

Horst Hrubesch, eine Legende bei RWE

In Essen ist der heute 67-Jährige auf ewig eine Legende. Der gebürtige Hammer war schon 24 Jahre alt und hatte zuvor in seiner Heimat für den SC Westtünnen gespielt, als er im August 1975 für Rot-Weiss Essen in der Bundesliga debütierte. Auf Anhieb besorgte er einen 2:1-Sieg gegen Bayer Uerdingen – mit zwei Kopfballtoren. Ein spektakulärer Durchbruch. Die Leute fragten sich, wo sich dieser lange Kerl bloß all die Jahre vorher versteckt hatte. Fünf Jahre später schoss und köpfte er Deutschland mit zwei Finaltoren beim 2:1 gegen Belgien zum Europameistertitel in Italien. Da spielte er bereits für den Hamburger SV.

Hrubesch schwärmt sentimental von Essen

Er verdreht kurz die Augen, als er gefragt wird, was er empfindet bei seiner Rückkehr in sein Revier. „Na ja“, sagt er, „das bin ich ja schon häufig gefragt worden.“ Aber dann beginnt er doch ausgiebig zu schwärmen. Vom Ruhrpott. Von Essen. Von den Menschen hier. Von seiner Zeit bei Rot-Weiss. „Ich müsste lügen, wenn ich sagen würde, dass das nichts Besonderes für mich wäre, wieder hier zu sein“, sagt er. „Ich weiß, woher ich komme und wem ich etwas zu verdanken habe. Es ist und bleibt unglaublich, dass ich damals als Neuling mit 24 Jahren von RWE die Chance bekam, Profi zu werden, dass ich in Ivica Horvat den richtigen Trainer hatte und mit großartigen Fußballern wie Dieter Bast, wie Willi Lippens und vielen anderen zusammen spielen durfte. Und wie die Leute mich gefeiert haben!“

Nach dem dritten Spieltag hatte der Neue schon vier Tore erzielt. „Ausschließlich Kopfballtore“, betont Horst Hrubesch. „Und wer die Hafenstraße kennt, der weiß, was daraufhin hier los war. Da konnte ich schon gar nichts mehr falsch machen, da hatte ich meinen Ruf als Kopfball-Ungeheuer weg.“

Heldenstatus nach dem Abstieg mit Essen

Endgültig in den Heldenstatus erhoben wurde er in Essen, als er 1977 nach dem Abstieg RWE treu blieb. „Ich dachte mir damals: Vorher hat der Verein mir geholfen, jetzt helfe ich dem Verein. Schade nur, dass meine 42 Tore dann trotzdem nicht für den Wiederaufstieg gereicht haben.“

Er wechselte zum HSV. „Aber es zog mich immer wieder zurück“, sagt er. „Wenn ich da vorne an der Bude eine Bratwurst gegessen habe, habe ich mich wieder zuhause gefühlt. In der Zeit waren die Halden hier ja noch nicht grün, sondern schwarz.“

Wer diesem Original so zuhört, wünscht sich Typen wie ihn auch im Fußball der Neuzeit. Seine Nationalspielerinnen wissen es sehr zu schätzen, dass er sie nach der Trennung von Steffi Jones erfolgreich durch die Qualifikation zur WM 2019 in Frankreich geführt hat. In Kürze übernimmt Martina Voss-Tecklenburg das Team, Horst Hrubesch wird dann mehr Zeit haben. Falls ihm künftig der Applaus fehlen sollte: einfach mal öfter an der Hafenstraße vorbeischauen!

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