Frauenfußball

DFB-Torhüterin Schult verschwieg Schwere der Verletzung

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Frankfurt.  Eine Reportage macht das Risiko bei dem WM-Einsatz der DFB-Torfrau Almuth Schult deutlich. Ihre Mitspielerinnen wussten davon nichts.

Wenn ein Filmporträt einer bemerkenswerten Sportlerin mit Nahaufnahmen einer Operation einsteigt, bei der Skalpell, Knochen und Bänder im Detail zu erkennen sind, dann handelt es sich um keine herkömmliche Verletzungsgeschichte. Erst im Rückblick kommt heraus, welches Risiko die deutsche Nationaltorhüterin Almuth Schult im Juni bei der Frauen-WM in Kauf genommen hatte. Direkt nach dem Viertelfinal-Aus musste sie an der Schulter operiert werden. In der am Sonntag (23.35 Uhr/NDR) ausgestrahlten Serie „Sportclub Story“ wird über die lange als Verschlusssache behandelte Diagnose aufgeklärt.

„Wir hatten drei Baustellen“, sagt Professor Mark Tauber vom Deutschen Schulterzentrum München. Zum einen seien die lange Bizepssehne am Anker und die Kapsel gerissen, zum anderen die Gelenkslippe abgerissen. Tauber antwortet auf die Frage, ob es normal sei, dass jemand damit noch eine WM bestreitet: „Definitiv nicht. Da muss ich größten Respekt zollen. Da scheint der Leidensdruck wirklich überwunden worden zu sein.“

Spielen nur unter Schmerzen

Schult hatte sich die Verletzung im Training beim VfL Wolfsburg kurz vor dem Pokalfinale gegen den SC Freiburg zugezogen. „Ich hab dann auch gesagt, ich beiße auf die Zähne.“ Die Schulter wurde mit Injektionen und Physiotherapie stabilisiert, Schult nahm in dieser Phase Schmerzmittel. Die 28-Jährige schildert jedoch: „Ich habe unter solchen Schmerzen gespielt. Und auch beim Schlafen in der Nacht bin ich aufgewacht.“ Damals wackelte die WM-Teilnahme von Deutschlands Nummer eins.

Großer Druck im Fußball

Schult verschwieg die Schwere der Verletzung bewusst. „Dann wäre vielleicht ein Fehler passiert und es wäre ein Aufschrei gekommen.“ Schult spricht offen darüber, dass nicht mal ihre Mitspielerinnen Bescheid wussten. Grundsätzlich gebe es einen großen Druck im Fußball, keine Schwäche zu zeigen, sagt sie: „Wenn man weiß, man wird gebraucht, geht man über Grenzen drüber. Und als Torwart muss man egal in welcher Situation immer suggerieren, dass es einem gut geht. Man sagt: Mir geht’s super. Und das musste ich leider dieses Jahr sehr oft schauspielern.“ Eine Anspielung auch auf ihre Masernerkrankung zu Jahresbeginn.

Der DFB teilte auf Anfrage mit, die Entscheidung sei in Absprache mit Schult, ihrem Verein VfL Wolfsburg sowie den Ärzten getroffen worden. „Das volle Ausmaß der Verletzung hat sich dann erst tatsächlich während der OP herausgestellt.“

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