Fußball-Bundesliga

Wolf Werner: „Fortuna braucht mehr Erfahrung“

Von 2007 bis 2004 war Wolf Werner Manager bei Fortuna Düsseldorf.

Foto: Thomas Eisenhuth/dpa

Von 2007 bis 2004 war Wolf Werner Manager bei Fortuna Düsseldorf.

Düsseldorf.   Der ehemalige Fortuna-Manager Wolf Werner ist wenig erfreut über Vergleiche mit seiner Amtszeit. Er sagt: Fortuna braucht mehr Qualität.

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Endlich wieder Regen – aber die Regentonne ist leer. Wolf Werner ist dabei, das Metallrohr an der Gartenlaube seines Hauses in Wilhelmshaven zu untersuchen, als das Telefon klingelt. „Es ist nichts verstopft, war wohl doch zu wenig Regen. Wir hatten seit fünf Wochen keinen Regenguss mehr. Wenigstens aber auch kein Unwetter“, sagt der 76-Jährige, ehe er sich dem Gespräch über sein eigentliches Lieblingsthema widmet: dem Fußball.

Zwischen 2007 und 2014 leitete Werner als Manager die Geschicke der Fortuna, und hatte dabei großen Anteil am erfolgreichen Weg von der dritten in die erste Liga. Er war somit hauptverantwortlich für den bisher letzten Bundesliga-Kader der Düsseldorfer, der dann am Ende nicht in der Lage war, die Klasse zu halten. Dass die heutigen Verantwortlichen nach der Rückkehr ins Oberhaus häufig davon sprechen, die damaligen Fehler nicht wiederholen zu wollen, kommt bei Werner nicht besonders gut an. „Sie sollten lieber gucken, dass sie einen schlagkräftigen Kader zusammenstellen, anstatt Sprüche zu klopfen“, sagt er.

„Sehe Fehler nicht in den Verpflichtungen“

Werner ist sich dabei bewusst, dass in der Saison 2012/13 nicht alles perfekt gelaufen ist: „Natürlich haben wir uns etwas vorzuwerfen, sonst wären wir ja nicht abgestiegen. Aber ich sehe die Fehler nicht in den Verpflichtungen von Spielern.“

Der ehemalige Trainer von Borussia Mönchengladbach hat die abgelaufene Zweitliga-Saison aufmerksam verfolgt. „Es war eine durchwachsene Spielzeit. Alle Spitzenteams hatten eine lange Durststrecke, aber Fortuna ist dann trotzdem souverän aufgestiegen“, sagt Werner. „Das zeigt aber auch die Qualität der zweiten Liga. Als Aufsteiger wird es immer schwieriger, im Konzert der Großen zu bestehen.“ Für Werner liegt das vor allem an der seiner Meinung nach ungerechten Verteilung der finanziellen Mittel durch die Deutsche Fußball-Liga. „Geld ist doch genug da. Aber die, die schon genug haben, wollen immer mehr. Warum kann man den Aufsteigern nicht einen Bonus von zehn Millionen Euro auszahlen?“, fragt er. „So können sie nur den Klassenerhalt schaffen, wenn sie eine optimale Saison spielen.“

Bisher vier Zugänge

Das Fundament dafür bildet naturgemäß der Kader. Bisher hat Fortuna vier Zugänge (Alfredo Morales, Kenan Karaman, Diego Contento und Kevin Stöger) präsentiert. Für den ehemaligen Manager ist das zu dünn, um in der ersten Liga zu bestehen. „Wir waren damals nur einmal auf einem Abstiegsplatz. Wenn sie das mit dem jetzigen Kader auch schaffen – natürlich etwas früher als wir – dann ist Friedhelm Funkel ein Übertrainer“, sagt Werner. „Jetzt werden sie auf die Gelegenheit warten, um an die Spieler mit Bundesliga-Qualität heranzukommen. Ich will damit niemandem wehtun, aber man braucht in der Bundesliga erfahrene Spieler.“

Werner ist aber davon überzeugt, dass Fortuna noch genug Geld für Schlüsseltransfers zurückhält. „Die Bundesligaklubs sieben erst zwischen dem 15. und 31. August aus“, sagt Werner. „Ich kenne Uwe Klein (Leiter der Scouting-Abteilung, Anm. d. Red.) sehr gut. Er ist gewieft genug und hat vieles im Blick. Das Problem ist: Auf diese Gelegenheiten warten eben auch viele andere Klubs.“

Abstieg trotz 21 Punkten in der Hinrunde

In der Spielzeit 2012/13 ging Fortuna mit 21 Punkten in die Rückrunde, stieg dennoch ab. Deshalb weiß Werner, wovon er spricht, wenn er sagt: „Die Wahrheit der Bundesliga liegt in der Rückrunde. Und gerade da brauchst du Führungsspieler. Hannover kann sich in der abgelaufenen Saison nur bei Hamburg und Köln bedanken, dass sie noch schlechter waren.“

Und auch wenn Werner viel Kritik an der Entwicklung des Fußballs in Deutschland übt, sagt er: „Wenn ich zehn Jahre jünger wäre, würde ich mich gerne noch da herumtummeln.“ So geht es aber erst einmal wieder zurück in den Garten, Blumen gießen – auch ohne Wasser aus der Regentonne. (erer)

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