Bundesliga

Nach Derbypleite: Ernüchterung bei Fortuna Düsseldorf

Friedhelm Funkel ist mit der Leistung seiner Mannschaft gegen Bayer Leverkusen nicht einverstanden.

Friedhelm Funkel ist mit der Leistung seiner Mannschaft gegen Bayer Leverkusen nicht einverstanden.

Foto: firo

Düsseldorf.  Fortuna Düsseldorf war im rheinischen Derby gegen Leverkusen chancenlos. Trainer Funkel unterstreicht, dass es nur um den Klassenerhalt geht.

Friedhelm Funkel hat in seiner langen Trainerkarriere schon einige Rekorde aufgestellt, bei der 1:3-Demontage seiner Mannschaft durch Nachbar Leverkusen war Düsseldorfs Cheftrainer aber nicht einmal eine kleine weitere Sonder-Marke vergönnt. In den – fragwürdigen – Genuss, der erste verwarnte Übungsleiter in der Bundesliga zu sein, kam stattdessen der Kollege Steffen Baumgart. Der Coach von Aufsteiger Paderborn sah die neu eingeführte Gelbe Karte für Trainer bei der Heimniederlage gegen Freiburg früher als Funkel in der 200 Kilometer entfernten Landeshauptstadt. Wobei die Idee an sich beiden Herren gleichermaßen gegen den Strich geht.

„Langsam werden wir schwachsinnig“, kanzelte Baumgart die Neuerung ab. „Total überzogen“, kommentierte Funkel die Verwarnung, die er für eine etwas heftigere Reaktion auf einen Leverkusener Freistoß bekommen hatte. Denn: „Wenn man das nicht mal machen darf, wird es schwer, 15 Spiele an der Linie zu stehen.“

Weniger aufregend als ernüchternd war das, was der 65-Jährige am Samstag an dieser Seitenauslinie zu sehen bekam. In der ersten Halbzeit filetierten Bayers hoch konzentrierte Filigranfußballer seine Düsseldorfer nach allen Regeln der Kunst. Mit einer 3:0-Führung hatten die Gäste ihre Gegner bereits beim Kabinengang weitgehend kaltgestellt – und besonders schwer zu schlucken an den ersten 45 Minuten hatte Andre Hoffmann. Fortunas Innenverteidiger wurde vom überragenden Kevin Volland zwei Mal böse düpiert. Die erstklassige Vorarbeit des Leverkusener Mittelstürmers vollendete im ersten Fall Lewis Baker, Düsseldorfs Leihgabe vom FC Chelsea, mit einem Eigentor. Im zweiten Fall konnte Karim Bellarabi den Ball leichtfüßig zum 3:0 ins Tor bugsieren.

Dazwischen traf noch Charles Aranguiz, der eine Freistoß-Vorlage des Ex-Hoffenheimers Kerem Demirbay in den Torwinkel donnerte. Für die nach dem Seitenwechsel etwas forschere Fortuna konnte Alfredo Morales kurz vor Schluss verkürzen. „Wir haben uns von einer Top-Mannschaft nicht abschlachten lassen“, nannte Sportvorstand Lutz Pfannenstiel den einzigen positiven Aspekt des Nachmittags aus Sicht der Gastgeber. Während er gleich darauf, wie alle Düsseldorfer, dem Ensemble von Peter Bosz zähneknirschend Bewunderung zollte.

„Die Leverkusener waren ballsicher, ekelhaft ballsicher“, seufzte er. „Wir haben uns teilweise ausspielen lassen, bekommen die Gegentore aber auch zu einfach“, bemängelte Neuzugang Erik Thommy. Und Unglücksrabe Hoffmann klagte: „Wenn man gegen so eine absolute Top-Mannschaft einem Rückstand hinterher läuft, wird’s furchtbar schwer.“ Sein Vorschlag: „Dieses Spiel müssen wir schnell wegstecken.“

Bayer-Keeper Lukas Hradecky mutmaßte, die ängstliche Spielweise der Fortuna vor der Pause sei womöglich auf eine ungewollte Respektbezeugung vor den fußballerischen Fertigkeiten des Gegners zurückzuführen. „Wir sind heute heiß gelaufen, da wird’s dann schwer für Düsseldorf“, spendete Torvorbereiter Volland passend zu dieser Theorie gut gelaunt Trost – und lobte die seit Anfang April in Pflichtspielen unbesiegte Werkself: „Das war schon eine reife Leistung.“

Wegen des erfreulichen Trends dürfte der auslaufende Vertrag von Chefcoach Bosz in den nächsten Tagen verlängert werden. Eine Maßnahme, gegen die Rekord-Aufstiegstrainer Friedhelm Funkel prinzipiell keine Einwände hat. „Wir waren chancenlos – gegen eine sehr gute Leverkusener Elf“, hakte der gebürtige Neusser die Pleite im ersten Heimspiel der Saison rasch ab und befand: „Das war das Spiel eines Champions-League-Klubs gegen eine Mannschaft, die gegen den Abstieg spielen wird.“

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