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Fortuna-Coach Funkel: „Ich fühle mich hintergangen“

Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel im Interview zur abgelaufenen Saison.

Fortuna-Trainer Friedhelm Funkel im Interview zur abgelaufenen Saison.

Foto: firo

Düsseldorf.   Fortuna Düsseldorfs Trainer Friedhelm Funkel zieht Bilanz, redet auch Klartext zum Ärger in der Winterpause.

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Fortunas Trainer blickt am Dienstagvormittag aus dem Showroom der Arena auf den Rasen. „Schönes Herbstwetter, was?“, sagt Friedhelm Funkel. Doch dieser Mai 2019 ist trotz der sehr durchwachsenen Witterung ein Wonnemonat für den 65-Jährigen. Funkel hat die Bundesliga-Saison mit seinem Team am vergangenen Wochenende auf Platz zehn beendet – so gut wie keine Düsseldorfer Mannschaft seit 1990 (Platz neun). Damit strafte Fortuna alle Experten Lügen, die ihr vor der Saison den sicheren Abstieg prognostiziert hatten.

Herr Funkel, wie traurig sind Sie, dass diese Saison schon vorbei ist?

Friedhelm Funkel: Wir sind alle froh, dass die Saison vorbei ist und wir alle fünf Wochen Urlaub vor uns haben. Das haben wir uns verdient. Eine Saison ist immer anstrengend, man merkt schon, dass bei den Spielern die Substanz abhanden kommt. Nun geht es darum, andere Gesichter zu sehen und abzuschalten.

Wie sieht denn Ihr Urlaub aus?

Erstmal mache ich einen Urlaub, um zu relaxen. Da werde ich entspannen und lesen. Danach werden wir noch einen Aktiv-Urlaub machen – mit Wanderungen, Mountainbike-Touren und Tennisspielen. So komme auch ich wieder gut vorbereitet zum Training am 28. Juni.

Welche Lektüre nehmen Sie mit?

Ich bin gar nicht so der Lese-Typ. Aber ich nehme das neue Buch von Ewald Lienen mit und Motivationsbücher – unter anderem von Jörg Löhr, den ich aus meiner Zeit in Frankfurt kenne.

Sie gelten als Motivationskünstler. Brauchen Sie dennoch Nachhilfe?

Keine Nachhilfe, sondern Fortbildung. Ich nehme das aus Büchern mit, was ich glaube, für mich brauchen zu können. Da kommt der Textmarker, und dann suche ich mir das im Laufe der Saison vielleicht mal wieder raus, um das den Spielern zu vermitteln.

Hand aufs Herz: Glauben Sie, dass Sie bei einer Niederlage im vergangenen Dezember gegen Freiburg überhaupt noch Trainer in Düsseldorf gewesen wären?

Ich bin davon überzeugt. Ich weiß nicht, ob im Hintergrund etwas gelaufen ist. Ich habe nichts gehört, mir hat niemand etwas gesagt. Man bekommt als Trainer aber selbstverständlich nicht immer alles mit. Ob man mich damals sofort beurlaubt hätte, ist hypothetisch. Fakt ist, dass man mich ab Juli 2019 nicht mehr haben wollte. Das steht für mich seit Sonntag fest.

Wieso?

Im Herbst und Winter war laut Medien ein Trainer im Gespräch (Damir Canadi, Anm. d. Red.). Mir gegenüber wurde abgestritten, dass an dieser Personalie etwas dran ist. Robert Palikuca (ehem. Leiter der Lizenzspielerabteilung) und Robert Schäfer (Ex-Vorstandsboss) haben gesagt, sie hätten mit ihm nie gesprochen. Und jetzt wird Canadi Trainer in Nürnberg. Und wer ist da seit April Sportvorstand? Robert Palikuca. Daran sieht man, wie man die Trainersituation offensichtlich lösen wollte. Deshalb kam es zu der Auseinandersetzung in Marbella. Damit ist bestätigt, was ich damals schon gedacht habe: Man wollte im Mai mit mir sprechen, aber nur, um mir zu sagen, dass sie meinen Vertrag nicht verlängern. Da fühlte ich mich hintergangen. Das werde ich nicht vergessen, da bin ich nachtragend!

Gilt das nur für Robert Palikuca oder auch für Robert Schäfer?

Palikuca hat Canadi jetzt geholt, aber er hat hier sehr eng mit Schäfer zusammengearbeitet. Also gehe ich davon aus, dass Robert Schäfer davon informiert war. Das ist sehr, sehr enttäuschend.

Weniger enttäuschend war dann das Happy End der Posse in Marbella. Haben Sie so etwas in annähernder Form schon mal erlebt?

Nein, nie. Ich hätte mir nur erträumen können, dass ich mal so eine Rückendeckung von den Fans genieße. Sie waren, zusammen mit der medialen Berichterstattung, dafür verantwortlich, dass ich Trainer bleiben konnte. Heute sind wir alle froh, dass sich das in allerletzter Sekunde nochmal gedreht hat.

Sie sagen, Sie sind nachtragend. Wie wirkt sich das aus?

Ich will zu diesen Leuten keinen Kontakt mehr haben, ganz einfach. Das Tischtuch ist zerschnitten.

Nun sind die beiden Personen nicht mehr im Verein. Es gibt einen neuen Vorstandsboss, Thomas Röttgermann. Wie wichtig ist es, dass die Wagenburg des sportlichen Bereichs jetzt auch auf den gesamten Verein erweitert wird?

Wir sind dabei, auf allen Ebenen mehr Vertrauen zueinander zu bekommen. Thomas Röttgermann hat ganz klar gesagt, dass er uns im sportlichen Bereich vertraut, Lutz (Pfannenstiel, Sportvorstand, Anm. d. Red.), mir und dem Trainerstab. Das ist eine sehr gute Voraussetzung. Lutz und ich arbeiten mittlerweile sehr gut miteinander. Wir haben einen ausgezeichneten Austausch. Auch der Aufsichtsrat muss uns im sportlichen Bereich vertrauen. Das haben wir uns erarbeitet und verdient. Wir sind auf einem guten Weg. Diesen Weg muss Fortuna weitergehen. Denn Düsseldorf ist eine Stadt, die alle Voraussetzungen bietet, um Fortuna dauerhaft zum Bundesligisten zu machen. Wir haben einen riesigen Standort-Vorteil gegenüber Klubs wie Braunschweig, Fürth, Ingolstadt, Paderborn oder Darmstadt.

Ist unter diesem Gesichtspunkt das zweite Bundesligajahr besonders wichtig?

Ja, das kann eine mittelfristige Weichenstellung sein. Beim Klassenerhalt partizipiert man noch mehr an den TV-Geldern. Aus meiner Sicht gab es noch nie so eine gute Ausgangslage, Sponsoren für Fortuna zu gewinnen, wie jetzt. Ganz Düsseldorf boomt. Es muss uns gelingen, noch mehr Gelder zu generieren, um das Team noch stärker zu machen. Wir müssen uns auch an die Gehälter der Bundesliga anpassen. Wir können keine Zweitliga-Gehälter mehr bezahlen. Dann kriegen wir keine neuen Spieler und können gute nicht mehr behalten. Da sollten wir über unseren Schatten springen und das Gehaltsgefüge auch in der Spitze anpassen. Ansonsten befürchte ich, dass wir es schwer haben werden, uns in der 1. Liga zu halten.

Wie lange wollen Sie denn noch Trainer bleiben?

Jedenfalls keine acht Jahre mehr. Wie lange? Das hängt von so vielen Faktoren ab. Warten wir mal den nächsten Winter ab, was da so alles passiert (lacht).

Bernd Jolitz und Patrick Scherer führten das Gespräch

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