Champions League

Comabry statt Robbéry - Flügelwechsel beim FC Bayern München

Coman kommt, Ribery geht - ein Bild mit Symbolcharakter aus dem Spiel gegen Bremen.

Coman kommt, Ribery geht - ein Bild mit Symbolcharakter aus dem Spiel gegen Bremen.

Foto: firo/Sebastian El-Saqqa / firo Sportphoto

Amsterdam/München  Auf den Außenbahnen schreitet der Umbruch beim FC Bayern vorm Champions-League-Gruppenfinale bei Ajax Amsterdam besonders deutlich voran.

Zu Unbehagen bestand kein Anlass, als die Reisegruppe des FC Bayern München am Dienstag gen Amsterdam abhob. Dass Arjen Robben wegen Oberschenkelbeschwerden nicht mitwirken kann im Finale um den Gruppensieg bei Ajax an diesem Mittwoch, hätte vor nicht allzu langer Zeit einige Besorgnis hervorgerufen. Doch mittlerweile erscheint ein Ausfall des dribbelnden Holländers verschmerzbar. Auch, weil den Bayern in der Johan-Cruyff-Arena schon ein Remis genügt, um nach der bereits sicheren Versetzung ins Achtelfinale der Champions League als Gruppenerster wohl den kniffligeren Kontrahenten wie dem FC Barcelona, Manchester City sowie Real und Atlético Madrid aus dem Weg zu gehen. Vor allem aber, weil Serge Gnabry zuletzt nachgewiesen hat, ähnlich viel Schwung und Torgefahr einbringen zu können wie Robben. "Ich bin überzeugt, dass wir ein gutes Spiel machen werden", sagte Sportdirektor Hasan Salihamidzic trotz Robbens Absenz.

Es wird schon seit Jahren beim FC Bayern vom bevorstehenden Umbruch gesprochen, und gemeint war damit stets vor allem der Umbruch auf den Flügeln, die seit einer Dekade von Robben und Franck Ribéry, kurz Robbéry, geprägt wurden. Im kommenden Sommer dürfte nun endgültig der Vollzug anstehen. Robben, der im Januar 35 Jahre alt wird, hat seinen fixen Abschied zum Saisonende bereits angekündigt. Ribéry, der im April seinen 36. Geburtstag feiern wird, ließ parallel dazu zwar noch eine kleine Hoffnung auf ein weiteres Profijahr beim FC Bayern anklingen. Doch auch der Franzose dürfte ahnen, dass er sich gerade auf seiner Ehrenrunde befindet. Zumal Salihamidzic am Dienstag zu der Frage, ob für Ribéry am Saisonende Schluss sei, sagte: "Der Präsident (Hoeneß, d. Red.) hat davon gesprochen. Ich denke, so wird es auch sein. Es ist ein Jahr der Veränderungen. Aber ich freue mich, dass Franck noch so gut spielt aktuell. Er ist einer von unseren Leistungsträgern."

Coman und Gnabry sind die Zukunft auf den Flügeln

Passenderweise könnte schon bei Ajax, das sich über Jahrzehnte den Ruf als eine der besten Talentschmieden der Welt erworben hat, der nächste Schritt zum Generationswechsel zu beobachten sein. Zwar wird damit gerechnet, dass Trainer Niko Kovac wie in Bremen und gegen Nürnberg mit Gnabry, 23, auf rechts und Ribéry auf links beginnen wird. Doch wie in diesen Ligaspielen dürfte Kingsley Coman, 22, spätestens im Laufe der Partie Ribéry ablösen. Dann würde auch erstmals in Europa die Zukunft auf den Flügeln zu bestaunen sein. Sie lautet Comabry statt Robbéry, wenn man so will. Als Ergänzung steht ab Januar zudem Alphonso Davies, 18, bereit. Um herangeführt zu werden, reiste das Talent aus Kanada schon mal als Zuschauer mit nach Amsterdam.

Die Belege für den Generationswechsel fallen bisher noch nicht so markant aus, unübersehbar sind die dennoch. Frühzeitig legten die Bayern fest, dass Gnabry den Stuhl auf der Pressekonferenz in Amsterdam neben Kovac besetzen wird – und nicht Robben, wenngleich das auch mit der Unsicherheit zu tun gehabt haben dürfte, ob er rechtzeitig fit wird. Ein kleines symbolträchtiges Zeichen war es trotzdem, ähnlich wie die jüngsten Spiele der Bayern. In Bremen besetzten Gnabry und Coman schon mal für 42 Minuten zusammen die Außenbahnen, gegen Nürnberg für zwölf.

Coman für Rummenigge "unser größtes Talent"

Dass bisher nur kurze Einblicke in die Zange der Zukunft gewährt wurden, liegt auch am erneuten Syndesmoseriss, den sich Coman im ersten Ligaspiel der Saison gegen Hoffenheim zugezogen hatte, weshalb er erst in Bremen vor zehn Tagen zurückkehrte. Ähnlich wie Gnabry hat Coman aber zuvor bereits nachgewiesen, dass er über die nötige Hochbegabung zur Nachfolge seiner berühmten Vorgänger verfügt. Bayern Münchens Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge bezeichnete den Franzosen gar als "unser größtes Talent". Zu erwarten ist, dass sich die Gewichte nun zunehmend verschieben. Bisher liegen Ribéry mit insgesamt 1301 Einsatzminuten in dieser Saison und Robben (963) zwar noch teils deutlich vor Gnabry (862) und Coman (194). Doch sollten die beiden Nachfolger fit bleiben, dürften sich ihre Spielanteile künftig deutlich erhöhen. Vor allem dann, wenn Kovac seinen Rotationsstopp beibehalten und auf eine Stammelf setzen sollte. In dieser könnte in absehbarer Zeit das Duo Comabry den Vorzug vor Robbéry erhalten.

Ob das Duo Coman und Gnabry allerdings eine ähnliche Ära prägen kann wie Robben und Ribéry, steht stark in Frage. Allein schon, weil eine derartige Konstanz, zwölf Jahre (Ribéry) und zehn (Robben) für einen Verein auf Topniveau zu spielen, nur schwer zu erreichen sein dürfte. Zudem kündigte Coman im französischen Fernsehen gerade an: "Ich werde eine weitere Operation nicht akzeptieren." Bereits im Februar war bei ihm ein Eingriff wegen eines Syndesmoserisses nötig geworden, weshalb er die WM in Russland verpasste. "Ich hoffe, ich muss das, was ich durchgemacht habe, nicht noch einmal erleben. Genug ist genug", sagte Coman und schloss auch ein frühes Karriereende nicht aus: "Vielleicht ist mein Fuß dafür nicht gemacht. Ich werde dann ein anderes, anonymes Leben führen." Für Salihamidzic Aussagen "auch aus einer Emotion heraus, weil Reha keinen Spaß macht." Der Sportdirektor kündigte an, mit Coman zu reden, plant aber fest mit ihm: "Er hat eine große Zukunft vor sich." Diese steht Ribéry und Robben nicht mehr in Aussicht. Doch zumindest Robben ist "sehr glücklich", sich zum Abschied entschieden zu haben. Der Verein wolle "das Gesicht der Mannschaft verändern" und "sich für die Zukunft rüsten, und das ist alles auch logisch", sagte er im Kicker. Er findet über seinen Entschluss: "Es war der richtige Zeitpunkt."

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