Borussia Dortmund

Zorc dankt Fans beim BVB-Abschied: "Das waren die schönsten Momente"

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BVB-Legende Michael Zorc verabschiedet sich von den Dortmunder Fans.

BVB-Legende Michael Zorc verabschiedet sich von den Dortmunder Fans.

Foto: firo

Dortmund.  Der 2:1-Sieg gegen Hertha BSC war nur Randgeschichte beim BVB. Im Vordergrund standen viele Abschiede – und große Emotionen bei den Beteiligten.

Es war der logische Laufweg, den Youssoufa Moukoko wählte nach seinem Tor, nach dem Treffer zum 2:1 für Borussia Dortmund gegen Hertha BSC. Der 17-jährige Stürmer zog noch einmal einen Sprint an, in Richtung Trainerbank, vorbei an den Mitspielern und hinein in die Arme von Michael Zorc – dem Mann also, der an diesen Nachmittag logischerweise im Mittelpunkt stand.

Beim BVB endet eine Ära

Denn am Samstag endete nicht weniger als eine Ära in Dortmund: Michael Zorc, der ewige Borusse, der dem Verein insgesamt 44 Jahre als Spieler und Sportdirektor treu geblieben war, erlebte seinen letzten Arbeitstag im Dortmunder Stadion. Mit dem 2:1 (0:1)-Sieg bekam er ein letztes Erfolgserlebnis geliefert, weil Erling Haaland per Elfmeter (68.) und eben Moukoko (84.) den Rückstand durch einen Foulelfmeter von Ishak Belfodil (18.) vergessen. Aber das Fußballspiel war an diesem Tag zweitrangig, im Zentrum standen die Abschiede: von Michael Zorc natürlich, aber auch von Marcel Schmelzer, der 2005 aus Magdeburg in die BVB-Jugend gekommen war, der einer der Hauptdarsteller war bei den vielen Titelgewinnen, für die der Sportdirektor Zorc verantwortlich zeichnete. Und dann hatten ja auch noch Erling Haaland, Axel Witsel, Dan-Axel Zagadou, Roman Bürki, Marwin Hitz, Reinier, Marin Pongracic und die Physiotherapeuten Thomas Zetzmann und Olaf Wehmer ihren letzten Arbeitstag in Schwarz-Gelb.

Einige von ihnen wurden recht laut gefeiert, Axel Witsel etwa. Für Roman Bürki, den langjährigen Stammtorhüter, gab es ausgedehnte Sprechchöre. Aber nichts kam heran an die Emotionen, die Marcel Schmelzer und vor allem Michael Zorc entgegenschlugen. „Das war eins ehr emotionaler Tag heute“, sagte Schmelzer später, und auch für Zorc war es „sehr emotional, wie man gesehen hat“, erklärte der scheidende Sportdirektor. Als die Fans ihn vor dem Anpfiff feierten, als sie seinen Namen riefen, das Lied von den Dortmunder Jungs sangen, da kamen auch dem abgebrühten Fußballfunktionär Zorc die Tränen – erst recht, als dann noch eine Choreo auf der Südtribüne dazu kam: die Buchstaben ZORC über die ganze Tribüne, dazu ein Jugendbild und ein aktuelles, und der Schriftzug: „Einmal Borusse, immer Borusse“.

Er habe sich „ein bisschen geschämt vor dem Spiel“, verriet Zorc später, aber er lächelte dabei. „Ein alter Mann, fast 60 Jahre alt, heult da so rum.“ Nach dem Spiel hatte er sich dann besser im Griff, da dankte er dem Anhang in einer Ansprache. Die Höhepunkte in all den Jahren seien die Tage nach Titelgewinnen gewesen, rief er den Fans entgegen. „Wenn man dann in eure Augen sehen konnte, wenn man um den Borsigplatz fahren konnte – das waren die schönsten Momente, die ich erlebt habe.“

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Und dann zeigte der ewige Borusse noch einmal, dass er gar nicht so gerne im Mittelpunkt steht, dass er stets das Große und Ganze im Blick hat – indem er die Zuschauer bat, auch der Mannschaft den wohlverdienten Applaus zu spenden, trotz einer in Teilen sehr enttäuschenden Saison. Denn in der aktuellen Auswahl finden sich nicht viele, denen man zutraut, irgendwann mal so gefeiert und so verabschiedet zu werden wie Schmelzer und Zorc. Die Mannschaft hat die Geduld ihrer Fans in dieser Spielzeit oft strapaziert und in den Pokalwettbewerben auf ganzer Linie enttäuscht. Auch deswegen wird sie in der kommenden Saison ein neues Gesicht haben, das hat Zorc-Nachfolger Sebastian Kehl bereits eingeleitet.

Hertha BSC muss in die Relegation

Andererseits: Die Dortmunder Probleme hätten viele andere Klubs gerne gehabt, allen voran Hertha BSC: Weil das Gastspiel beim BVB trotz Führung verloren ging und weil gleichzeitig der VfB Stuttgart den 1. FC Köln 2:1 besiegte, rutschten die Berliner auf den Relegationsplatz ab und müssen weiter um den Klassenerhalt bangen. Kein Wunder, dass beim Hertha-Anhang niemandem zum Feiern zumute war.

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