Kommentar

Löw hat keine Wahl: Für Hummels bleibt Tür zur DFB-Elf zu

Auch er steht wieder unter Druck: Bundestrainer Joachim Löw.

Auch er steht wieder unter Druck: Bundestrainer Joachim Löw.

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Essen.  Das 2:4 gegen die Niederlande offenbarte Abwehrprobleme der Nationalmannschaft. Deshalb kommt der Name Mats Hummels ins Gespräch. Ein Kommentar.

Ein Jahr nach dem blamablen WM-K.o. ist die Aufregung um die deutsche Nationalmannschaft mal wieder groß. Was ist passiert? Die Kombinationskünstler aus den Niederlanden verdeutlichten bei ihrem 4:2-Sieg schonungslos die Mängel ihres neuformierten Gegners. Im Gegensatz zum deutschen ist das niederländische Team nämlich mit einigen Weltklassefußballern besetzt. Während vor allem die meisten deutschen Abwehrspieler noch weit von internationalem Format entfernt sind.

Auch der Bundestrainer muss sich vorhalten lassen, dass sein Plan nicht aufging. Bei der Wahl der Taktik hatte er sich für Außenseiterfußball entschieden: hinten gut stehen, nach vorne schnell umschalten. Beim Stand von 1:1 aber wechselte er zwei Mittelfeldspieler für zwei Stürmer ein. Das Signal an die eigene Mannschaft: Achtung, Leute, es wird noch brenzlig. Und so kam es dann auch.

Die radikale Trennung war voreilig

Löw sah allerdings das Hauptproblem nicht in der taktischen Ausrichtung, sondern in individuellen Fehlern. Wenn aber jetzt schon der längere Zeit verletzte Antonio Rüdiger als einziger noch denkbarer Stabilisator herbeigesehnt wird, dann ist es kein Wunder, dass auch der Name Mats Hummels wieder ins Gespräch kommt. Die radikale Trennung von dem Routinier erweist sich gerade als voreilig. Löw hat sie vollzogen, um neuem, jüngerem Personal mehr Verantwortung zu übertragen. Jedoch bieten sich dem Bundestrainer in der Defensive längst nicht so viele Möglichkeiten wie in der Offensive. Seine aktuellen Verteidiger wirken unter Druck reichlich überfordert, und keiner von ihnen kommt in der Spiel-Eröffnung an die Qualitäten des Dortmunders heran.

Der Lernprozess muss sofort einsetzen

Doch Löw kann seine Entscheidung jetzt nicht rückgängig machen. Er hat sie mit einer solchen Konsequenz durchgezogen, dass er sich selbst öffentlich in Frage stellen würde, wenn er sein perspektivisches Konzept über den Haufen werfen würde.

Sollte die Not unmittelbar vor der EM noch größer werden, wird er vielleicht doch über seinen Schatten springen müssen. Vorerst wird er darauf hoffen, dass seine Auserwählten aus ihren Fehlern lernen. Das allerdings muss zügig geschehen, denn die Qualifikation zur EM kann durchaus in Gefahr geraten. In Nordirland sollte man besser nicht auch noch verlieren.

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