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BVB-Boss Watzke wendet sich gegen starke Kommerzialisierung

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke in Dortmund.

BVB-Boss Hans-Joachim Watzke in Dortmund.

Foto: firo

Dortmund.  Bei der Hauptversammlung des BVB verteidigt Watzke die hohen Personalkosten – und warnt davor, überall auf steigende Einnahmen zu setzen.

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Es war eine sehr harmonische Hauptversammlung, die die Borussia Dortmund Kommanditgesellschaft auf Aktien, also die ausgegliederte Profiabteilung des BVB, am Montag in der Westfalenhalle 3B erlebte. Die Zahlen wirtschaftlichen Zahlen stimmen bei Borussia Dortmund, dazu ist das sportliche Soll derzeit übererfüllt – das stimmt auch die meisten Aktionäre positiv. Die haben zumindest in Teilen ohnehin ein spezielles Verhältnis zu ihrem Investment, viele Aktionäre des einzigen börsennotierten Fußballklubs Deutschlands sind auch Fans.

Das zeigte sich auch am Montag, als zwei von ihnen leidenschaftlich dafür plädierten, keine Dividende auszuschütten und das Geld lieber in die Mannschaft zu stecken. Das Ansinnen scheiterte, von seinem Bilanzgewinn von 26,4 Millionen Euro schüttet der Klub 5,5 Millionen an seine Aktionäre aus.

Nicht nur Episoden wie diese zeigen, dass sich der BVB in einem steten Spannungsfeld bewegt zwischen wirtschaftlicher Solidität und sportlichem Erfolg. So sieht sich Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke zwischendurch genötigt, die vergleichsweise hohen Personalkosten zu verteidigen, von denen rund 120 Millionen Euro auf die Profimannschaft entfallen. Der Satz „Geld schießt keine Tore“ sei großer Blödsinn, meint der BVB-Boss: „Geld erhöht die Wahrscheinlichkeit deutlich, dass die Tore auf der richtigen Seite fallen“, sagt er. „Es gibt eine glasklare Korrelation zwischen finanziellem Aufwand und sportlichem Erfolg – wenn man nicht doof ist.“ Und deswegen werde der Personaletat der Dortmunder auch künftig weiter steigen.

BVB-Boss Watzke: Wir haben auch ein soziale Verantwortung

Das aber, so der Geschäftsführer, dürfe nicht dazu führen, dass der Klub an allen Stellen versuche, die Einnahmen zu optimieren. „Im Bereich Ticketing haben wir auch eine soziale Verantwortung“, meint Watzke. Für einen Klub, der aus einer Arbeiterstadt komme, sei es wichtig, bezahlbare Tickets anzubieten – deswegen werde der Ticketpreis auch in Zukunft nur im Rahmen der jährlichen Inflationsrate erhöht, deswegen bleibe die Zahl der Stehplätze erhalten. Bei aller Ökonomie müsse man "ein feines Gespür dafür haben, wenn die Grenzen der Kommerzialisierung erreicht sind. Dann müssen wir auch mal den Fuß vom Gas nehmen."

Als Beispiel nannte der 59-Jährige das Thema Montagsspiele: Erst vor wenigen Tagen hatten die Bundesligaklubs nach massiven Fanprotesten entschieden, diese ab der Saison 2021/22, wenn also die neue TV-Rechteperiode beginnt, wieder abzuschaffen. „Ich habe auch gedacht, fünf Spiele pro Saison bringen die Welt nicht durcheinander“, räumte Watzke ein. „Aber wenn die Fans das dann derart glasklar ablehnen, wäre man bescheuert, wenn man daran festhält.“

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