BVB

Ist der BVB nach dem 7:0 gegen Nürnberg schon ein Titelkandidat?

Begeistert: Trainer Lucien Favre freute sich gegen Nürnberg über die beste Offensivleistung seines BVB.

Begeistert: Trainer Lucien Favre freute sich gegen Nürnberg über die beste Offensivleistung seines BVB.

Foto: Ina Fassbender / dpa

Dortmund.  Der 7:0-Sieg gegen Nürnberg weckt Erinnerungen an beste BVB-Zeiten. Doch bis zum ganz großen Erfolg wartet noch viel Arbeit.

Michael Zorc ist auch am Tag danach noch blendend gelaunt: „Zum Spiel gestern gibt es ja nicht viel zu meckern, da war alles gut“, sagt der Sportdirektor von Borussia Dortmund – und fährt grinsend in Richtung der Journalisten fort: „Aber ihr schafft es bestimmt, etwas zu finden.“

Ansatzpunkte aber sind auch am Donnerstag nicht leicht zu finden: Der BVB hatte ja nicht einfach nur gewonnen gegen den 1. FC Nürnberg, er hatte den Aufsteiger mit 7:0 (2:0) regelrecht überrollt. Das passiert selbst einer recht offensivstarken Mannschaft wie Dortmund nicht alle Tage: Beim letzten 7:0-Sieg in der Bundesliga spielte Zorc noch selbst im Mittelfeld und schoss sogar ein Tor gegen den Hauptstadtklub Blau-Weiß Berlin – auf den Tag genau 32 Jahre vor dem Schützenfest gegen Nürnberg.

Der BVB hat nun in fünf Ligaspielen 15 Tore erzielt, mehr als jede andere Mannschaft. Zwölf verschiedene Spieler haben dazu beigetragen – nur der FC Bayern hat so viele Tore wie Dortmund Torschützen. Auch die beste Defensive stellt Schwarz-Gelb, wie bei den Bayern sind es nur drei Gegentore. Überhaupt die Bayern: Gerade einmal zwei Punkte liegen zwischen dem Tabellenführer und dem BVB.

Dortmund wiegelt ab

Ist Dortmund also schon wieder ein Titelkandidat? Sobald die Frage fällt, finden Zorc und Co. dann doch ganz viel zu meckern – oder zumindest Ansatzpunkte, das 7:0 zu relativieren. Tenor: Auf der anderen Seite stand eben nur Nürnberg. „Die haben uns nicht an unsere Grenzen gebracht“, sagt Kapitän Marco Reus gleich zweimal. Und damit es wirklich jeder versteht: „Nürnberg war sehr passiv, obwohl sie hinten mit zehn Mann standen.“ Von einem dankbaren Gegner spricht Sebastian Kehl, Leiter der Lizenzspieler-Abteilung: „Die haben sich sehr defensiv verhalten, haben uns viele Räume gegeben.“

Ähnlich zurückhaltend kommentieren die Dortmunder ihren Tabellenplatz. „Das ist mir egal“, sagt Reus. „Jetzt auf die Tabelle oder Bayern zu schauen, bringt nichts.“ Denn noch, so betonen es alle, brauche der BVB Zeit, noch sei längst nicht alles perfekt, noch sei eine Menge zu tun. Aber sieben Tore muss man in der Bundesliga erst einmal machen – das fand auch Kehl: „Wir haben die angebotenen Räume dann auch gut genutzt, haben gute Laufwege hinter die Abwehrkette gewählt und gute Pässe dahin gespielt. Wir haben sehr vieles gut gemacht und auch in der Höhe verdient gewonnen.“

Erstmals in der laufenden Saison zeigte Dortmund eine rundum überzeugende Offensivleistung, nachdem man die bisherigen Punkte vor allem mit Effizienz und etwas Glück eingefahren hatte: Vor allem Christian Pulisic, Jacob Bruun Larsen und Reus stellten die völlig überforderten Nürnberger mit Positionswechseln immer wieder vor unlösbare Probleme. „Wir haben uns teilweise in einen Rausch gespielt“, schwärmte Reus. „Wir haben uns endlich viele Chancen erspielt und auch getroffen.“

Warnung vor Leverkusen

War das nun also der erhoffte große Schritt in die richtige Richtung? Oder doch nur ein Strohfeuer gegen einen Gegner, der an diesem Tag kein Bundesliga-Format hatte? „Das Ergebnis sollte uns schon Selbstvertrauen geben“, meinte Zorc – und warnte im gleichen Schritt vor dem Spiel bei Bayer Leverkusen am Samstag (18.30 Uhr/Sky): „Wir wissen natürlich, dass Leverkusen individuell deutlich höhere Qualität als Nürnberg hat, gerade in der Offensive.“

Am Donnerstag hat Trainer Lucien Favre angefangen, seinen Spielern mit Videoaufnahmen genau das klarzumachen – die aber scheinen das schon zu wissen: „Es reicht nicht, nur ein gutes Spiel zu machen“, sagte Manuel Akanji. „Wir müssen weiter hart arbeiten, um dann wieder so zu spielen.“

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