Kommentar

In einer idealen BVB-Welt gäbe es eine Aussprache mit Tuchel

Hatten sich am Ende ihrer Zusammenarbeit beim BVB nicht mehr viel zu sagen: (v.l.n.r.) Ex-Trainer Thomas Tuchel, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und BVB-Sportdirektor Michael Zorc.

Hatten sich am Ende ihrer Zusammenarbeit beim BVB nicht mehr viel zu sagen: (v.l.n.r.) Ex-Trainer Thomas Tuchel, Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke und BVB-Sportdirektor Michael Zorc.

Foto: dpa

Dortmund.  Im Achtelfinale der Champions League trifft der BVB auf Paris St. Germain mit Trainer Thomas Tuchel. Er verließ den BVB im Streit. Ein Kommentar.

Gerade einmal zweieinhalb Jahre sind vergangen, seitdem am Mannschaftsbus von Borussia Dortmund drei Bomben explodierten, die die Spieler hätten töten können. Noch immer stehen Profis, die das Attentat miterlebten, im BVB-Kader. Nur ist diese Tat im rasenden Fußball-Geschäft weit in den Hintergrund gerückt. Erst durch das Wiedersehen mit Thomas Tuchel wird die ganze emotionale Achterbahnfahrt, durch die der Klub damals ratterte, wieder hochkommen.

Viele haben damals Fehler gemacht. Auch die Medien. Vielleicht wäre die Rückkehr von Tuchel nun ein Anlass, um das Geschehene endlich wirklich aufzuarbeiten. Vielleicht sogar, um ehrliche Worte der Versöhnung zu finden. In einer idealen Welt würden sich die Klubverantwortlichen und der Trainer aussprechen.

Anschlag auf den BVB-Bus war eine Extremsituation

In der Realität wird dafür natürlich keine Zeit bleiben. Doch es könnten schon ein paar entschuldigende Worte von beiden Seiten dafür sorgen, dass der Groll, der im Klub nur verdrängt, aber nie beendet wurde, endlich beigelegt werden könnte. Niemand war an dem Streit unschuldig. Vielleicht könnte man sich darauf einigen, dass der Anschlag damals eine Extremsituation war. Für alle Beteiligten. Da ist es menschlich, dass Dinge gesagt werden, die nicht gesagt hätten werden dürfen.

Vor allem sollte man sich immer wieder bewusst machen, dass nur eine Person wirklich widerwärtig gehandelt hat. Der Täter Sergej W. wollte, so hat es das Gericht bestätigt, Menschen umbringen, um sich selbst zu bereichern. Die Profis aber haben trotzdem nur wenige Wochen später den DFB-Pokal in die Luft gestemmt. Dieser Erfolg wurde vom Streit zwischen Tuchel und den Bossen überlagert. Eigentlich aber müsste der Pokalgewinn der traumatisierten Fußballer als größter Titel der Vereinsgeschichte gelten.

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