Corona-Krise

In der Bundesliga geht neue Angst vor Geisterspielen um

Beim Revierderby zwischen dem BVB und Schalke 04 waren 300 Zuschauer zugelassen. Ob das auch in Zukunft möglich ist, ist offen.

Beim Revierderby zwischen dem BVB und Schalke 04 waren 300 Zuschauer zugelassen. Ob das auch in Zukunft möglich ist, ist offen.

Foto: Maik Hölter / firosportphoto

Dortmund.  Die Stadt Dortmund verteidigt, dass Fans beim Derby dabei sein durften. Die Debatte geht weiter – und viele Bundesligaklubs machen sich Sorgen.

Die Nachrichtenlage war höchst wechselhaft am Montag: Schalke 04 erklärte, dass 300 Zuschauer zum Bundesliga-Heimspiel gegen den VfB Stuttgart zugelassen seien. Das Champions-League-Spiel zwischen Borussia Mönchengladbach und Real Madrid an diesem Dienstag dagegen wird auf Anweisung der Bezirksregierung Düsseldorf zum Geisterspiel, auch die Bundesliga-Partie des BVB bei Arminia Bielefeld steigt ohne Zuschauer. Und die Dortmunder werden wohl erst am Dienstag wissen, ob am Mittwoch gegen Zenit St. Petersburg 300 Fans dabei sein dürfen.

Am Montag war die Stadt Dortmund noch mit dem zurückliegenden Derby gegen Schalke 04 beschäftigt: Das NRW-Gesundheitsministerium hatte eine Erklärung verlangt, warum 300 Fans beim 3:0-Sieg des BVB im Stadion waren, obwohl es in der Anlage zur Corona-Schutzverordnung heißt: keine Zuschauer, wenn die Zahl der Neuinfektionen in den vergangenen sieben Tagen bei über 35 liegt. In Dortmund waren es über 100.

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Eine Sprecherin der Stadt verteidigte die Entscheidung am Montag gegenüber dieser Redaktion: „Der BVB verfügt für seinen Bundesliga-Betrieb über ein schlüssiges Hygiene- und Infektionsschutzkonzept“, erklärte sie. Dieses habe sich in zwei Bundesligaspielen mit mehreren tausend Zuschauern bewährt, dem habe man beim Derby Rechnung getragen. „Dieses Vorgehen ist nach Prüfung durch das Gesundheitsamt als infektionsschutzrechtlich unkritisch zu bewerten.“

BVB soll nicht benachteiligt werden

Außerdem wollte man den BVB nicht nicht benachteiligen gegenüber den NRW-Klubs in Gelsenkirchen, Köln oder Bochum, wo zuletzt vor 300 Zuschauern gespielt wurde. Und auch nicht, obwohl die Stadt es so nicht explizit sagt, gegenüber kleineren Vereinen aus Dortmund. Denn das Geisterspiel-Gebot bezieht sich nur auf bundesweite Teamsportwettbewerbe. Damit „wären zum Beispiel Begegnungen der Regional- oder Kreisliga mit 499 Zuschauer*innen zulässig“, schreibt die Statt Dortmund. Bundesligaspiele aber nicht.

Wie es weitergeht? Unklar. Das Land hat die Bezirksregierungen schon angewiesen, stärker darauf zu achten, dass die Schutzverordnung überall gleichermaßen durchgesetzt wird. Andererseits erklärte es auch, dass letztlich die Behörden vor Ort entscheiden – und dafür die Verantwortung tragen. Und dann endet in diesen Tagen ja auch die sechswöchige Probephase mit Zuschauern in der Bundesliga, auf die sich Bund und Länder Mitte September geeinigt hatten. Noch herrscht Unklarheit. Wie es weitergeht, das müssen wohl die Beratungen von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit den Ministerpräsidenten Ende der Woche ergeben.

Klubs fürchten Entfremdung der Fans

In der Liga hat man die Hoffnungen auf weitere Lockerungen längst begraben. Nun erwartet oder hofft man, dass es zumindest keine Verschärfung gibt. Denn das würde die Klubs hart treffen: Mancher Bundesligist kalkuliert in seinem Etat schon mit einem vollen Stadion ab Januar. Borussia Mönchengladbach hat für die Rückrunde 30.000 Dauerkarten verkauft.

Zudem fürchten die Entscheider in der Liga eine Entwöhnung der Fans. Die Angst ist groß, dass Fußball am Wochenende künftig nicht mehr selbstverständlich zur Freizeitgestaltung gehört. Je länger keine Fans ins Stadion dürfen, desto tiefer könnte die Entfremdung werden – und desto länger würden die Auswirkungen der Corona-Krise anhalten. Schon jetzt fürchtet mancher Verantwortlicher, dass es Jahre dauern könnte, bis die Stadien wieder regelmäßig ausverkauft sind.

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