Kommentar

BVB und Gladbach haben echte Titelchancen

Die neue Attraktion der Bundesliga: BVB-Torjäger Erling Haaland jubelte auch gegen Union Berlin über zwei eigenen Treffer.

Die neue Attraktion der Bundesliga: BVB-Torjäger Erling Haaland jubelte auch gegen Union Berlin über zwei eigenen Treffer.

Foto: Guido Kirchner / dpa

Essen.  Nach drei Rückenrundenspieltagen dürfen sich Bayern und Leipzig nicht sicher sein, den Meistertitel unter sich auszumachen. Ein Kommentar.

Hinter dem Tor präsentierten die Anhänger von RB Leipzig eine Choreographie mit einer deutlichen Ansage: „Die Pokale im Visier, dem Ruhm auf der Spur“ war dort zu lesen. Die Ansprüche des neuen Spitzenklubs sind gestiegen, RB Leipzig will Meister werden. Bleibt die Frage: Kann RB Leipzig Meister werden?

Momentan sieht es danach aus, als sei der Herbstmeister ein wenig aus der Spur gekommen. Der Vorsprung ist verspielt, die Bayern sind vorbeigezogen. Das direkte Duell am nächsten Sonntag könnte die altbekannten Machtverhältnisse zementieren.

BVB hat sich im Winter optimal verstärkt

Der allgemeine Tenor nach der Hinrunde war, dass sich der Titelkampf mit hoher Wahrscheinlichkeit am Ende auf diese beiden Teams reduzieren werde. Doch es zeigt sich gerade, dass unbedingt auch mit den beiden Borussias gerechnet werden muss. Mit der aus Dortmund, weil Top-Transfers die Titelperspektive wieder realistisch erscheinen lassen. Und mit der aus Mönchengladbach, weil der scheinbare Außenseiter im Führungsquartett mittlerweile stabil genug ist, um auch Rückschläge wegstecken zu können.

Dem BVB kann Emre Can eigentlich nur gut tun. Denn es gilt jetzt vor allem, die Defensive zu festigen. Die ohnehin schon schwungvolle Offensive ist durch Erling Haaland optimal verstärkt worden. Dieser junge Kerl ist die neue Attraktion der Liga, er trifft mit einer für einen 19-Jährigen unglaublichen Präzision und Selbstverständlichkeit. Gegner Union Berlin kommt in drei Rückrundenspielen auf drei Tore. Haaland allein hat im selben Zeitraum schon sieben geschossen – und in allen drei Partien nicht durchgehend auf dem Feld gestanden.

Pléa hat Gladbach einen Bärendienst erwiesen

Die neue Konkurrenzsituation kann intern natürlich auch zu Unruhen führen, erste Anzeichen wurden bei den Auswechslungen gegen Union sichtbar. Aber solche Spielerreaktionen wie die von Achraf Hakimi und Marco Reus sollte man nicht dramatisieren, man kann sie sogar positiv deuten: Die Jungs sind eben ehrgeizig, ihre persönliche Unzufriedenheit trotz eines 5:0-Sieges bekräftigt auch die Gier nach dem Titel. Und solche im Rahmen gebliebenen Emotionen müssen gestattet sein, Fußball ist kein Schach.

Anders verhält es sich bei Alassane Pléa. Der Franzose hat den Gladbachern einen Bärendienst erwiesen, ohne seinen Platzverweis wäre ein Auswärtssieg in Leipzig wahrscheinlich gewesen. Die Gladbacher Verantwortlichen sollten sich über ihren Stürmer aufregen, nicht über Schiedsrichter Tobias Stieler. Der hat in dieser Szene seinen Job gemacht und die neuen Regeln durchgesetzt. Gelb für Meckern, Gelb-Rot für weitere ungezügelte Erregung – konsequent und korrekt! Die Profis haben einen Vorbildauftrag, ihr Benehmen schlägt immer bis zur Jugend durch. Das müssen sie endlich begreifen.

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