Kommentar

BVB suspendiert Jadon Sancho: Richtig so, Herr Favre!

BVB-Trainer Lucien Favre (r.) mit seinem Star Jadon Sancho.

BVB-Trainer Lucien Favre (r.) mit seinem Star Jadon Sancho.

Foto: firo

Dortmund.  Der englische Nationalspieler kam mit einem Tag Verspätung zum BVB zurück. So etwas darf sich der Verein nicht gefallen lassen. Ein Kommentar.

In den 90er-Jahren, als Borussia Dortmund unter Ottmar Hitzfeld 1995 und 1996 Deutscher Meister wurde und 1997 die Champions League gewann, war es nach Ende der Urlaubszeit der Profis keine Überraschung, wenn einer mal wieder fehlte. Der Brasilianer Julio Cesar genehmigte sich gerne mal eine Urlaubsverlängerung, ohne die mit dem Verein abgestimmt zu haben. Das führte zu steigenden Geldstrafen, Julio Cesar lächelte sein Problem mit der deutschen Disziplin einfach weg.

Warum er damals nicht rausflog? Ganz einfach: Weil er Julio Cesar war. Der Abwehrchef. Ein Routinier. Hochanerkannt in der Mannschaft und im Verein, bei den Fans sowieso. Der wusste ja, was er tat. Er regelte das mit seinem südamerikanischem Charme und in dem Wissen, mit seiner Leistung ohnehin alle wieder in kurzer Zeit beruhigen und überzeugen zu können.

BVB-Trainer Favre suspendiert Sancho für das Gladbach-Spiel

Muss man also mit Jadon Sancho heutzutage ähnlich nachsichtig umgehen? Vor allem, weil auch der Engländer ein herausragender Fußballer ist?

Kurze, klare Antwort: nein. Auf keinen Fall darf es sich der BVB gefallen lassen, dass ein erst 19-jähriger Spieler seine eigenen Regeln aufstellt. Wenn Sancho einen ganzen Tag zu spät von seiner Nationalmannschaft zurückkommt, dann darf das nicht nur mit einer Geldstrafe geahndet werden. Trainer Lucien Favre handelte also korrekt, indem er ein Zeichen setzte, durchgriff und Sancho für das Spiel gegen Gladbach suspendierte. Wie hätte er sonst vor dem Rest der Mannschaft dagestanden?

Natürlich ging Favre damit ein Risiko ein. Aber gerade nach diesen schwierigen Wochen musste der Trainer auf Disziplin pochen. Und auf Zusammenhalt setzen. Der entsteht aber nicht, wenn einer aus der Reihe tanzt.

Borussia Dortmund musste in den vergangenen Jahren bereits die Eskapaden von Ousmane Dembélé und von Pierre-Emerick Aubameyang ertragen. Es muss also gerade bei einem jungen Star wie Sancho unbedingt verhindert werden, dass schon wieder einer glaubt, er könne diesem Arbeitgeber auf der Nase herumtanzen. In der Annahme, dass der Verein von ihm abhängig ist.

BVB hat auch die Abgänge von Aubameyang und Dembélé verkraftet

Nein, ist er nicht. Der BVB hat die von den Spielern erzwungenen Abgänge von Dembélé und Aubameyang verkraftet. Und er wird auch mit seiner ganzen Stärke weiter existieren, wenn er irgendwann Jadon Sancho verliert. Der übrigens am Samstagabend gesehen hat, dass der BVB ohne ihn gewonnen hat.

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