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BVB-Kapitän Marco Reus: "Es ist nicht wieder alles gut"

BVB-Profi Marco Reus im Duell mit Berlins Karim Rekik

BVB-Profi Marco Reus im Duell mit Berlins Karim Rekik

Foto: Getty

Berlin.  Der BVB setzt sich bei Hertha mit 2:1 durch. Durch den Sieg in Berlin klettert der BVB auf Rang fünf, liegt nur einen Punkt hinter den Bayern.

Lucien Favre riss die Arme hoch, ballte die Fäuste und schrie sein Glück in den Berliner Nachthimmel. Der sonst so zurückhaltende Trainer des Fußball-Bundesligisten Borussia Dortmund jubelte für seine Verhältnisse geradezu enthemmt. Er hatte ja auch einiges überstehen müssen, in diesem Spiel bei Hertha BSC wie in den vergangenen Wochen: Am Ende stand 74.667 Zuschauern im Olympiastadion ein knapper 2:1 (2:1)-Sieg beim Hauptstadtklub, den seine 45 Minuten in Unterzahl spielende Mannschaft vor allem erkämpft hatte. Noch in der Nachspielzeit warf sich Dan-Axel Zagadou in einen Schuss von Marko Grujic und verhinderte so den späten Ausgleich.

Jadon Sancho und Thorgan Hazard treffen für den BVB

Erstmals nach drei sieglosen Spielen konnte Favre mal wieder einen Erfolg feiern – der auch ihm persönlich gut tut: Die Ablösung des zuletzt so heftig kritisierten Trainers steht beim BVB nun nicht unmittelbar bevor, Favre kann erst einmal weitermachen – weil seine Mannschaft erst spielerisch und dann kämpferisch überzeugte. „Wir haben sehr gut angefangen, schön nach vorne gespielt und Traumkombinationen gezeigt“, freute sich der Schweizer.

Die Berliner, die in der vergangenen Woche bereits einen Trainerwechsel vollzogen hatten, bei denen Jürgen Klinsmann von Ante Covic übernommen hatte, waren allerdings auch ein dankbarer Gegner. Sie erwiesen sich als fußballerisch äußerst limitiert, versuchten es nach vorne fast nur mit langen Bällen – und gerieten auch hinten schnell in Unordnung. Es dauerte eine Viertelstunde, bis der BVB das erstmals ausnutzte: Brandt zerteilte mit punktgenauem Diagonalpass die gesamte Abwehr, Sancho schob frei vor dem Tor ein (15.).

Und der Dortmunder Jubel war kaum verklungen, da spielte Akanji einen Steilpass auf Achraf Hakimi, der legte quer und Hazard traf zum 2:0 (17.). Gerade einmal 104 Sekunden lagen zwischen beiden Treffern, nachdem die Schwarz-Gelben zuvor auswärts 217 Minuten ohne Tor geblieben waren. Und beinahe wäre noch das schnelle 3:0 gefolgt, doch Akanji köpfte genau in die Arme von Hertha-Torwart Thomas Kraft (19.).

Berlin schien am Boden – und war plötzlich doch zurück im Spiel: Dodi Lukebakio schoss von der Strafraumgrenze, Vladimir Darida fälschte ab – nur noch 1:2 aus Sicht der Hertha (34.). „Solche Tore fallen sonst nur an der Playstation“, haderte Axel Witsel. „Das war ein sehr glückliches Tor.“ Eines, das er allerdings mit allzu passiver Zweikampfführung begünstigt hatte. Die Partie wurde nun offener, wilder – und es kam der nächste Nackenschlag für den BVB: Erneut machte sich Lukebakio auf den Weg, Mats Hummels ließ das Bein stehen und sah die zweite Gelbe Karte – Platzverweis (45.).

BVB verlegt sich in Unterzahl vor allem aufs Verteidigen

Die Hertha schöpfte kurz Hoffnung, hatte nach Wiederanpfiff eine Drangphase, die prompt im 2:2 resultierte – dachte man. Doch der Video-Assistent nahm den Treffer zurück, weil Torschütze Davie Selke wohl knapp im Abseits gestanden hatte.

Der BVB verlegte sich nun vor allem aufs Verteidigen, alle Feldspieler ackerten in der Defensive mit. „heute fand ich am wichtigsten, dass ich eine richtige Mannschaft auf dem Platz gesehen habe, in der einer für den anderen gespielt und gearbeitet hat“, freute sich Sportdirektor Michael Zorc. „So habe ich es seit Wochen nicht gesehen, wie sich die Mannschaft auch als Mannschaft präsentiert hat. Das gibt Hoffnung.“

Hoffnung, die Krise endlich hinter sich zu lassen. Durch den Sieg kletterte der BVB auf Rang fünf, liegt nur einen Punkt hinter dem FC Bayern. „Wir wissen, dass jetzt nicht wieder alles gut ist“, sagte Kapitän Marco Reus. Aber es ist doch deutlich besser als vor diesem Kampfspiel in der Hauptstadt.

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