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BVB-Bosse schwärmen von Rasselbande - üben aber auch Kritik

Dortmunder Jugendfreuden: 17-jährige Giovanni Reyna (Mitte) feiert sein Tor mit Jude Bellingham (17, links) und Erling Haaland (20).

Dortmunder Jugendfreuden: 17-jährige Giovanni Reyna (Mitte) feiert sein Tor mit Jude Bellingham (17, links) und Erling Haaland (20).

Foto: Bernd Thissen / dpa

Dortmund.  Zum Bundesliga-Auftakt überzeugen beim BVB die jungen Spieler. Im Titelkampf backt der Klub dennoch kleine Brötchen – aus guten Gründen.

Michael Zorc ist nicht mehr überrascht. „Giovanni Reyna bestätigt, was er in der Vorbereitung gezeigt hat“, sagt der Sportdirektor von Borussia Dortmund einen Tag nach dem 3:0 (1:0)-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach im Gespräch mit dieser Redaktion. „Er ist in einer Top-Verfassung und ein hervorragender Spieler – und dazu schon sehr robust.“

Und Reyna ist mit gerade einmal 17 Jahren schon eine prägende Figur im BVB-Spiel, das zeigte auch der Bundesliga-Auftakt gegen Gladbach: Das 1:0 schoss der US-Amerikaner selbst, mit einem wuchtigen Flachschuss ins lange Eck (35.). Und er holte mit seinem Dribbling gegen Ramy Bensebaini einen Elfmeter heraus, der zwar für Diskussionen sorgte, aber dennoch zum 2:0 führte (54.). Den ersten Treffer hatte Jude Bellingham aufgelegt, ebenfalls erst 17 Jahre alt, was die jüngste Tor-Kooperation der Bundesliga-Geschichte bedeutete.

Hummels: „Noch weit entfernt vom Maximum“

Den Elfmeter zum 2:0 hatte Erling Haaland verwandelt, selbst erst 20 Jahre alt. Und er schoss auch das 3:0, nach einem fulminanten Sprint über den ganzen Platz – assistiert vom ebenfalls 20-jährigen Jadon Sancho. Der Mut von Trainer Favre, in zentralen Positionen auf blutjunge Spieler zu setzen, wurde wieder einmal belohnt. Wobei der Trainer selbst seine Entscheidung gar nicht besonders mutig fand: „Sie sind momentan in guter Form, also spielen sie“, meinte Favre.

„Wir haben einen Haufen guter Fußballer“, sagte Abwehrchef Mats Hummels über die vielen Hochbegabten. „Wenn wir das in die richtige Struktur und Form bringen, sind wir eine Topmannschaft.“ Aber Hummels sagte auch: „Wir sind noch weit entfernt vom Maximum.“ Das fand auch Zorc: „Wir konnten uns in den ersten 30 Minuten nicht wirklich freispielen und befreien, da haben sie uns das Leben sehr schwer gemacht.“ Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sah „eine ganze Menge Dinge, die mir gefallen haben“, aber auch „ein paar Dinge, die mir nicht so gut gefallen haben“.

Dortmund in den entscheidenden Situationen konsequenter

Für den Sieg sorgte letztlich, „dass wir in den entscheidenden Situationen einfach besser und auch konkreter waren als Gladbach“, analysierte Zorc. „Man hat in diesen Momenten gesehen, dass wir mit aller Macht das Tor machen wollten, das hat mir sehr gut gefallen.“

Weniger passten ihm die Fragen zum FC Bayern München, die er schon vor dem Spiel gestellt bekam. Die 8:0-Machtdemonstration des Rekordmeisters gegen Schalke 04 hat auch in Dortmund Eindruck hinterlassen und den Träumen von der Meisterschaft einen erheblichen Dämpfer verpasst. „Bayern ist momentan die beste Mannschaft der Welt, damit ist es sehr schwierig, im Saisonverlauf vor ihnen zu landen“, konstatierte Zorc in nüchternem Ton – ganz anders als Reyna, der kürzlich noch gemeint hatte: „Wir gehen nicht in die Saison und erwarten, dass Bayern München Meister wird. Wir erwarten, dass wir Meister werden.“

BVB bleibt ein Weiterbildungsverein

Es ist jenes jugendliche Draufgängertum, von dem der BVB auf dem Platz so oft profitiert – das aber auch die Unterschiede zum Branchenführer aufzeigt. Das Potenzial im Dortmunder Kader ist gewaltig, Reyna, Bellingham, Sancho und Haaland haben das Zeug zum Weltstar. Aber: Der Weg zu diesem Ziel dürfte sie irgendwann aus Dortmund wegführen, der BVB bleibt ein Weiterbildungsverein auf hohem Niveau – anders als die Bayern, die ihre Stars meist halten können.

Wie groß der Abstand aktuell ist, kann sich schon in anderthalb Wochen zeigen, dann wird in München der Supercup ausgetragen. Und dann ist aus BVB-Sicht hoffentlich auch Thorgan Hazard dabei. Der Belgier musste gegen seinen früheren Verein wegen einer Muskelverletzung ausgewechselt werden. „Wir wissen noch nicht genau, was er hat“, sagte Zorc. „Aber so richtig gut sah das nicht aus.“ Gegen Gladbach hatte ihn Felix Passlack durchaus ordentlich ersetzt – der mit 22 schon fast ein alter Hase ist.

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