Analyse

Beim BVB werden erste Konflikte im Klub sichtbar

BVB-Trainer Thomas Tuchel

BVB-Trainer Thomas Tuchel

Foto: firo Sportphoto / Christian Kaspar-Bartke

Dortmund.  Borussia Dortmund sucht nach dem 1:1 in Mainz Erklärungen für die unbefriedigenden Leistungen. Trainer Tuchel muss viele Fragen beantworten.

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Hans-Joachim Watzke ist in Redelaune an diesem Nachmittag in Düsseldorf. Er spricht über die Machtstrukturen im Fußball, teilt aus gegen Welt- und europäischen Fußballverband und erlaubt sich auch die traditionelle Spitze gegen den Revierrivalen Schalke 04. Nur über eines mag der Vorstandsvorsitzende nicht reden: den eigenen Klub – was nach dem 1:1 in Mainz vermutlich auch Selbstschutz ist angesichts der komplexen Gemengelage, in die sich der BVB und seine Verantwortlichen manövriert haben.

In Mainz waren fast alle Profis fit

Einerseits hat der Klub nur einen Punkt Rückstand auf Platz drei, der zur Champions-League-Teilnahme berechtigt. Das Minimalziel ist also voll in Reichweite. Sportlich aber warf das Spiel in Mainz genauso viele Fragen auf wie der holprige 2:1-Sieg beim SV Werder Bremen vor Wochenfrist.

Warum gelang es erneut nicht, ein Spiel gegen eine Mannschaft aus der unteren Tabellenhälfte souverän über die Zeit zu bringen? Warum konnte der BVB seine individuelle Überlegenheit nicht in einen attraktiveren sportlichen Vortrag und mehr Torgefahr ummünzen? Oder ist diese Überlegenheit vielleicht gar nicht so groß, wie sie kraft des eigenen Selbstverständnisses als zweitgrößer deutscher Klub automatisch angenommen wird?

In der gegen Ende auch schon recht zähen Hinrunde hatte man beim BVB für solche Auftritte vor allem drei Erklärungen: das große Verletzungspech, die mangelnde Erfahrung vieler tragender Akteure und die mangelnde Trainingszeit durch die vielen Englischen Wochen.

In Mainz aber waren fast alle Profis fit. Auf dem Platz standen die etablierten, erfahrenen Akteure mit einem Durchschnittsalter von fast 27 Jahren, mit reichlich Bundesliga- und Champions-League-Erfahrung versehen und mit Welt- und Europameistertiteln dekoriert. Und der BVB hatte sich eine Woche lang vorbereiten können.

Die Forderungen der Bosse

Die Voraussetzungen waren also wesentlich besser – das Spiel war es nur in Ansätzen. Nach früher Führung durch Marco Reus geriet der Dortmunder Auftritt zwar recht dominant, aber auch zunehmend tempo- und ideenarm. Spät kassierten die Dortmunder den Ausgleich durch Danny Latza und hatten sogar Glück, nicht noch das 1:2 hinnehmen zu müssen. Geradezu irritierend antriebs- und leidenschaftslos agierte die Mannschaft nach dem Gegentor – was die Frage aufwarf, ob die Diskussionen, die rund um den Klub wabern, nicht vielleicht doch in die Köpfe der Spieler kriechen.

Da sind die Bosse, die unmissverständlich klar gemacht haben, dass ein Abschneiden schlechter als Platz drei nicht akzeptiert wird und der Umbruch nach einem halben Jahr doch so langsam bewältigt sein müsse. Und da ist Trainer Thomas Tuchel, der das als wenig hilfreich empfindet – zumal ihm sein Wunsch nach einer erfahrenen Defensivautorität im Winter erneut nicht erfüllt wurde.

Über den neuen hochbegabten 17-jährigen Alexander Isak freut er sich zwar auch, aber als Soforthilfe hätte er lieber einen kantigen Abwehrspieler vom Typ Ömer Toprak bekommen. In der Chefetage wiederum ist man irritiert, dass solche Fragen recht öffentlich diskutiert werden – das kennt man vom Standort Dortmund so nicht.

„Wir haben andere Probleme“, sagte dazu zwar Kapitän Marcel Schmelzer. „Die sind auf dem Platz.“ Doch mehr und mehr drängt sich der Eindruck auf, dass beides untrennbar zusammen gehört.

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