Revierderby

500 BVB-Fans dürfen nach sechs Jahren wieder zum Derby

Die BVB-Fans.

Die BVB-Fans.

Dortmund.  Seit 2014 konnten rund 500 BVB-Fans nicht zum Derby in Gelsenkirchen. Der FC Schalke hatte Betretungsverbote ausgesprochen. Das ändert sich nun.

Sechs Jahre lang konnten rund 500 Fans von Borussia Dortmund ihren Verein nicht zum Revierderby nach Gelsenkirchen begleiten. Der FC Schalke 04 sprach Anfang 2014 Betretungsverbote für das Vereinsgelände aus. Fans hatten im Oktober 2013 auf der Fahrt zur Arena an einem Bahnhof in Essen eine defekte S-Bahn verlassen und sollen dabei Gleise überquert haben, um einen Ersatzzug zu erreichen. Die Polizei nahm vor Ort die Personalien der Beteiligten auf.

Im Gästeblock zündeten BVB-Fans später eine große Menge Pyrotechnik, die teils auch auf den Platz geworfen worden ist. Doch das Hausverbot bekamen wenige Monate später die 500 Borussen, deren Personalien an der Bahn aufgenommen worden waren.

„Das Vorgehen der Sicherheitsbehörden und der beteiligten Fußballvereine ist auf mehreren Ebenen zu kritisieren: Es entbehrt jeder Grundlage, dass einem Fußballverein, also einem privatwirtschaftlichen Akteur, die kompletten Datensätze inklusive Name und Adresse von 500 Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung gestellt werden“, kritisierte die Fanhilfe Dortmund in einer Stellungnahme, nachdem kurz vor Weihnachten 2018 die Verbote aufgehoben worden waren. „Diese illegal bereitgestellten Datensätze werden darüber hinaus dann fast vier Monate nach den Ereignissen in Gelsenkirchen dazu genutzt, Sanktionen gegen eine hohe dreistellige Anzahl Fans auszusprechen, denen man bisher keine Tatbeteiligung nachweisen konnte.“ Auch die Länge der Kollektivstrafe stehe „in keinem Verhältnis zu dem Vergehen, das die Feststellung der Personalien ausgelöst hat“.

In der BVB-Fanszene machten sich Sorgenfalten breit

Die Vorfreude auf das Derby auf Schalke am Samstag (15.30 Uhr/Sky) – nach sechs Jahren Abwesenheit – ist bei den BVB-Fans groß. Doch es machten sich zuletzt in der Dortmunder Fanszene auch Sorgenfalten breit – nicht unbedingt, weil es sportlich nicht so läuft wie erhofft. Nach Informationen dieser Redaktion soll die Polizei versucht haben, einigen BVB-Fans für Samstag ein Betretungsverbot für die Stadt Gelsenkirchen aufzuerlegen.

Das ist nicht unüblich und kommt in der Fußball-Bundesliga in regelmäßigen Abständen vor. In Einzelfällen - gegen Personen, die im Umfeld von Fußballspielen aufgefallen und mit Stadionverboten belegt worden sind - ist das am Ende auch passiert.

Andere Fans, die sich nichts zu Schulden kommen lassen haben, aber von denen in der Vergangenheit schon mal Personalien festgestellt worden sind, konnten sich offenbar mit einem Schreiben der Fanhilfe wehren: die Polizei soll hier auf Verbote verzichtet haben – denn die wären sicher juristisch angefochten worden. „Grundsätzlich“, heißt es von der Dortmunder Fanhilfe, „besteht für die Polizei auch am Spieltag immer die Möglichkeit, durch einen Platzverweis ein Betretungsverbot auszusprechen und durchzusetzen.“

Ein Teil der BVB-Fans reist in einem Sonderzug an

Die Bundespolizei will am Samstag mit einer dreistelligen Anzahl von Einsatzkräften in Bahnhöfen, Haltepunkten und Zügen unterwegs sein. „Die Bundespolizei beabsichtigt eine friedliche An- und Abreise zu den verschiedenen Spielpaarungen zu gewährleisten und Auseinandersetzungen zwischen den verschiedenen Fanszenen zu verhindern“, erklärte Einsatzleiter Sven Srol. Es soll ein Sonderzug eingesetzt werden, der BVB-Fans direkt vom Dortmunder Bahnhof nach Gelsenkirchen bringt. Außerdem lässt der Klub zwischen den Städten Shuttlebusse fahren.

Was ist aber mit denen, die nicht die geplanten Anfahrtswege nutzen wollen? „Es ist schwer davon auszugehen, dass die strickte Fantrennung mit allen polizeilichen Mitteln durchgesetzt wird“, sagt Henry Schulz, Sprecher der Fanhilfe. „Zur Strategie der harten Hand gehören vielleicht sogar der Einsatz von Hubschraubern und Wasserwerfern, wie zuletzt beim Rheinderby in Köln. Leider sind die Polizeibehörden in NRW - im Gegensatz zu den Kollegen in Baden-Württemberg - nicht dafür bekannt, vergangene, übermäßige Einsätze zu reflektieren.“

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