Schalke 04

Axel Hefer: Vom Tönnies-Kritiker zum Schalke-Chef

Lesedauer: 4 Minuten
Axel Hefer, Schalkes neuer Aufsichtsratsvorsitzender.

Axel Hefer, Schalkes neuer Aufsichtsratsvorsitzender.

Foto: Firo

Gelsenkirchen.  Axel Hefer ist der neue Aufsichtsrats-Vorsitzende und Hoffnungsträger des Bundesliga-Absteigers FC Schalke 04.

Die ganz große Bühne benutzte Axel Hefer (44) am Samstag nur bei seiner Bewerbungsrede. Als Schalkes Mitglieder bei ihrer Versammlung in der Arena über Stunden auf das Wahlergebnis zum Aufsichtsrat warteten, hielt sich der gebürtige Dortmunder zumeist im Hintergrund auf. An die Spitze trat er erst, als sich der Aufsichtsrat später hinter verschlossenen Türen zu seiner ersten Sitzung traf: Hier wurde Axel Hefer zum Vorsitzenden und damit zum neuen starken Mann auf Schalke gewählt.

Zeitenwende beim Traditionsklub Schalke

Eine Überraschung war das nicht, Hefer galt von vornherein als ambitioniert auf die Nachfolge von Jens Buchta, der seinen Rücktritt aus dem Aufsichtsrat erklärt hat. Wohl aber markiert die Wahl eine Zeitenwende beim in die Zweite Liga abgestürzten Traditionsklub.

Als Axel Hefer das erste Mal dem Schalker Aufsichtsrat angehörte (2014 bis 2017), galt er als hartnäckiger Kritiker des damaligen Vereinspa­trons Clemens Tönnies. Einmal klagte er sogar (mit Erfolg) gegen eine dreimonatige Suspendierung aus dem Aufsichtsrat. Nun steht der Vorstandsvorsitzende der Hotel-Suchmaschine Trivago selbst an der Spitze der Königsblauen und verspricht: „Wir sind Schalke 04, wir werden diese Krise überwinden. Wir werden unsere Chance nutzen – dafür werde ich alles tun.“

Bauen kann der 44-Jährige dabei auf die neuen Mehrheiten im Aufsichtsrat, die die Wahlen ergeben hatten. In das Gremium gewählt wurden neben Hefer noch Moritz Dörnemann, Sven Kirstein, Holger Brauner und Johannes Struckmeier – durchweg jüngere Kandidaten, von denen man einigen eine deutliche Nähe zur organisierten Fan-Szene nachsagt.

Das „alte“ Schalke wurde bei den Wahlen von den 3750 stimmberechtigten Anwesenden eher abgestraft: So wurde Professor Stefan Gesenhues, der als damaliger Aufsichtsrat im März auch mit der externen „Rangnick-Gruppe“ offen kooperiert hatte, bei der Wahl abgeschlagener Letzter. Nur Jahrhunderttrainer Huub Stevens, der nach drei Jahren im Amt nicht wieder für den Aufsichtsrat kandidiert hatte, wurde von den Mitgliedern mit stehenden Ovationen gefeiert.

Lange verzichtet auf Gegenkandidatur

Peter Lange (65), bisher zweiter Mann im Aufsichtsrat und zuvor ebenfalls als möglicher Bewerber für den künftigen Vorsitz gehandelt, verzichtete bei der konstituierenden Sitzung hinter verschlossenen Türen auf eine Gegenkandidatur zu Hefer: Er wäre angesichts der neuen Mehrheiten chancenlos gewesen. Weil die erst im Frühjahr in das Gremium berufenen Youri Mulder und Harald Förster aufgrund ihrer kurzen Zugehörigkeit zum Schalker Aufsichtsrat noch nicht mit über den Vorsitz abstimmen durften, hätten Hefer bereits fünf von acht Stimmen für eine Mehrheit gereicht – man kann sich leicht ausrechnen, dass die Wahl eine Formsache war. Einstimmig war es am Ende zwar nicht, aber eindeutig.

Hefer: „Wetten auf die Zukunft müssen der Vergangenheit angehören"

Was der neue Kurs für Schalke bedeutet, muss man abwarten. So hat sich mit dem Banker Sven Kirstein (35), der aus der aktiven Fan-Szene kommt, ein neuer Aufsichtsrat bereits eindeutig gegen eine mögliche und von der bisherigen Vereinsführung durchaus angedachte Ausgliederung der Profi-Abteilung positioniert. Der neue Schalke-Chef Hefer, der ebenfalls wirtschaftliche Kompetenz einbringen will, hat sich zu diesem Thema öffentlich noch nicht festgelegt. Am Samstag sagte er über die finanzielle Situation: „Wetten auf die Zukunft müssen der Vergangenheit angehören. Wir müssen Schritt für Schritt unsere Altlasten abbauen – im Kader und in der Bilanz.“ Dabei sprach er dem amtierenden Vorstand mit Peter Knäbel (Sport und Kommunikation) sowie Christina Rühl-Hamers (Finanzen) klar das Vertrauen aus.

Für zwei Jahre gewählt

Es wird sich also nicht alles ändern auf Schalke. Der neue Chef hat bei früherer Gelegenheit einmal betont, dass er sich aus seiner beruflichen Karriere aufs Sanieren von Unternehmen versteht. Hefer ist ein ganz anderer Typ als der forsche Tönnies oder der überlegte Buchta. Und Klippen, so es sie denn gibt, kann er wohl auch umschiffen. Dass ein Schalke-Mitglied am Samstag in den Raum stellte, auch Axel Hefer habe einst mit der umstrittenen „Rangnick-Gruppe“ kooperiert, schlug sich kaum auf das Wahlergebnis nieder: Hefer erhielt die drittmeisten Stimmen – damit ist er allerdings nur für zwei Jahre bis 2023 (und nicht für mögliche drei) in den Schalker Aufsichtsrat gewählt.

Mehr Artikel aus dieser Rubrik gibt's hier: Fußball

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben