Aufstiegsheld

Warum Ex-RWE-Stürmer Sascha Mölders perfekt zu 1860 passt

Früher RWE, heute 1860 - Sascha Mölders.

Foto: imago

Früher RWE, heute 1860 - Sascha Mölders. Foto: imago

München.  Sascha Mölders wird zum Aufstiegshelden von 1860 München – der rackernde Ruhrpott-Stürmer aus Essen passt zum Arbeiterklub aus München.

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Hinterher hat auch Sascha Mölders kräftig mitgefeiert, trotz seines maladen Oberschenkels, der ihn im entscheidenden Aufstiegsspiel gegen den 1. FC Saarbrücken zum vorzeitigen Dienstschluss gezwungen hatte. Doch nachdem der TSV 1860 München den Aufstieg in die dritte Liga mit einem 2:2 (0:1) nach dem 3:2-Sieg im Hinspiel perfekt gemacht hatte, war der Schmerz Nebensache. Mölders, seit 2016 im Verein, überschüttete Fans und Kollegen mit Bierduschen, er tanzte mit den anderen Spielern auf dem Dach der Reservebank und später hinter der sogenannten Stehhalle des Stadions an der Grünwalder Straße auf einem Partybus. Tausende Fans der Löwen brüllten immer wieder seinen Namen. „Es war mein erster Aufstieg, ich bin unmenschlich glücklich“, sagte der 33-Jährige, „die Fans werden noch in 20 Jahren darüber reden, weil es einfach eine unglaubliche Geschichte ist.“

Mölders ist neben Trainer Daniel Bierofka, 39, der Aufstiegsheld des TSV 1860 schlechthin. Und das nach einer Saison, vor der der deutsche Meister von 1966 zunächst ohne Mannschaft und Perspektive dastand. Vor einem Jahr waren die Löwen nach der Relegation gegen Jahn Regensburg sportlich nur in die dritte Liga abgestiegen. Doch weil Investor Hasan Ismaik für die Lizenz nötige Zahlungen verweigerte, rutschte der Traditionsklub in die viertklassige Regionalliga ab. „Der Verein war tot, mausetot“, erinnerte Mölders gegenüber dem Magazin kicker an die Situation vor einem Jahr.

Offenbar hatte es dieses GAUs bedurft, um die sehr heilsame Schrumpfkur zu ermöglichen. Die Sechziger emanzipierten sich finanziell von Ismaik, kehrten der teuren und ungeliebten Arena des FC Bayern endgültig den Rücken und zu den eigenen Wurzeln in ihre puristische Kultstätte Grünwalder Stadion zurück. Parallel schaffte es Bierofka, um die Profis Mölders, Jan Mauersberger und Timo Gebhart eine Mannschaft mit vielen Spieler aus der U21 aufzubauen, die den so leidgeprüften wie enthusiastischen Anhängern des einst wichtigsten Vereins der Stadt nach Jahren des Niedergangs seit dem Bundesligaabstieg 2004 endlich einmal wieder einen großen Freudentag bescherten.

"Mega-Mölders" wird gefeiert

Mölders‘ Anteil daran ist nicht hoch genug einzuschätzen. In seinen 33 Ligaeinsätzen kam er auf 19 Tore und 14 Vorlagen. In der Relegation gegen Saarbrücken fügte er drei Tore hinzu. Zwei im Hinspiel sowie den verwandelten Foulelfmeter im Rückspiel zum zwischenzeitlichen 1:2 (67.), das die Rückkehr in den Profifußball endscheidend ebnete. „Super-Sascha“ und „Mega-Mölders“ nannte ihn ein TV-Kommentator. Für die Fans ist der bullige Angreifer schlicht ihr „Fußballgott“.

Das hat auch viel damit zu tun, dass sie sich mit Mölders voll identifizieren können – und er ebenso mit dem Verein und dessen Anhängern. Der in Essen geborene und im Ruhrpott sozialisierte Mölders hat im Verein aus dem einstigen Arbeiterviertel Giesing eine zweite Heimat gefunden, die ihn im schicken München an seine Wurzeln erinnert: An seine früheren Klubs Vogelheimer SV Essen, Atletico Essen, SGS Essen, Schwarz-Weiß Essen, DJK Wacker Bergeborbeck und Rot-Weiss Essen, wo ihm ein Aufstieg stets verwehrt blieb. Mit seiner Vita und als nicht gerade filigraner, aber rackernder Kicker mit Bäuchlein und Basisnähe passt er perfekt zum 1860-Milieu. Und auch damit, dass er Fußball trotz seiner Bundesligavergangenheit beim MSV Duisburg und FC Augsburg vorrangig aus Spaß und nicht wegen des Geldes spielt. Nach seiner Karriere, hat Mölders einmal erzählt, will er wieder mit seinen Freunden kicken, wie einst beim Bezirksligisten Essen-Bergeborbeck. Zuzutrauen wäre ihm, dass er nicht einmal eine Rückkehr auf Ascheplätze scheut.

Auf Torejagd wird er aber vorerst in der dritten Liga gehen, für die 1860 bisher mit einem Etat in Höhe von drei Millionen Euro plant. Einen Vertrag hat Mölders, der in Mering bei Augsburg wohnt, zwar noch nicht für die kommende Saison. Doch der dürfte bald folgen. „Ich habe immer gesagt, dass ich bei 1860 bleiben will“, stellte er bei der Aufstiegsfeier klar. Sein Löwenherz will er nun sogar lebenslang verewigen. Nach den Tattoos seiner Ex-Vereine Rot-Weiss Essen, MSV Duisburg, FSV Frankfurt und FC Augsburg soll nun eines der Sechziger folgen. „Das wird jetzt kommen, auf die Brust ein Wappen von 1860 München“, sagte Mölders. Dann feierte er weiter.

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