Bundesliga

Warum die gesamte Bundesliga Angst um Werder Bremen hat

Werder Bremen steckt in der Fußball-Bundesliga tief im Abstiegskampf.

Werder Bremen steckt in der Fußball-Bundesliga tief im Abstiegskampf.

Foto: Getty

Essen.  Werder Bremen kämpft in der Bundesliga gegen den Abstieg. Ex-Manager Klaus Allofs nennt Gründe für den Niedergang, an dem auch er Anteil hat.

Es gibt Dinge beim SV Werder Bremen, die lassen Fan-Herzen höher schlagen.

Etwa der Weg zum Weserstadion, gerade im Dunkeln. Dann leuchtet die Arena schon von weitem wie eine Kathedrale, während rechts das Wasser der Weser in Richtung Nordsee plätschert.

Oder die Stimmung in eben jenem 42.358 Zuschauer fassenden Stadion, die familiär daherkommt. Leidenschaftlich? Ja. Aber Beleidigungen werden nur selten gebrüllt. Stattdessen engagiert sich ein Teil der Anhänger gegen Rassismus.

Und dann wird sich noch die Geschichte erzählt, nach der der Verein lange als Außenseiter den FC Bayern geärgert hat. Klein gegen Groß. Nett gegen Arrogant. David gegen Goliath.

Jetzt aber bangen viele Fans um den Verein im Norden, selbst wenn sie eigentlich für andere Farben schwärmen. Die Zweitstimme wandert meist an Werder Bremen, weil der Klub der Gegenpol zum FC Bayern München ist. Nur nützt dies dem Verein derzeit wenig, da er nicht bei Wahlen, sondern auf dem Rasen triumphieren will.

„Die Art und Weise der Klubführung, die Fans, das soziale Engagement haben diese Sympathie entstehen lassen“, meint Klaus Allofs, der als ehemaliger Manager selbst lange Zeit an diesem Image gebastelt und die bislang letzte große Ära mitgeprägt hat. Damals wurden allerdings auch Fehler begangen, durch die das Rad des Niedergangs erst ins Rollen gebracht wurde.

Jetzt müsse man sich Sorgen machen, sagt der 63-Jährige. Denn: „Der Druck steigt.“

Maradona spürte die Werder-Magie

Werder dümpelt im Tabellenkeller rum, steht auf dem vorletzten Tabellenplatz. Vier Punkte beträgt der Rückstand auf den rettenden Rang 15. Die vergangenen fünf Heimspiele wurden vermasselt. Am Samstag wurden die Grün-Weißen im eigenen Stadion sogar von Aufsteiger Union Berlin düpiert (0:2). Der Abstieg droht. Die Stimmung kippt.

Das war mal anders.

In den Jahren 1981 bis 1995 pfiff Otto Rehhagel die Taktik am Seitenrand vor. Bremen entwickelte sich zur Spitzenmannschaft, holte zweimal die Meisterschale (1988 und 1993), zweimal den DFB-Pokal (1991 und 1994) und einmal den Europapokal der Pokalsieger (1992). 1989 rauschten die Werderaner beim 5:1-Erfolg im damaligen Uefa-Cup über den SSC Neapel mit Diego Maradona hinweg, eine bis heute unvergessene Partie. Manager Willi Lemke pinselte dem Klub nebenbei einen sozialdemokratischen Anstrich, der, berechtigt oder nicht, für viele wesentlich anziehender wirkte als der durch Macher Uli Hoeneß turbokapitalistisch erscheinende FC Bayern.

Trainer Schaaf prägt nächste Ära bei Werder Bremen

Ab 1999 übernahm Ex-Stürmer Al­lofs die Arbeit von Lemke. Trainer Thomas Schaaf sollte die nächste Ära prägen. 2004 stemmten die Verantwortlichen die Meisterschale und den DFB-Pokal auf dem Rathausbalkon in die Luft. Fünf Jahre später pilgerten die Fans wieder zum Amtsgebäude, diesmal wurde „nur“ der DFB-Pokal gefeiert. Das Uefa-Cup-Finale verlor Werder allerdings im selben Jahr gegen Schachtjor Donezk (1:2 n.V.).

Danach rollte das Rad des Niedergangs los. „Wir konnten damals nicht die teuersten Spieler am Markt verpflichten“, erklärt Allofs. „Deswegen war es schwierig, immer wieder außergewöhnliche Profis zu finden.“ Gleichzeitig seien die Gehälter gestiegen, um das bestehende Spitzenpersonal zu halten. „Da läuft man immer Gefahr, dass das finanzielle Auswirkungen hat.“ Der Manager, der jahrelang viele Volltreffer bei Transfers gelandet hatte, leistete sich nun auch mal Missgriffe. Die Ausgaben stiegen, die Einnahmen schrumpften, weil der Europapokal verpasst wurde. 2012 wechselte Al­lofs zum VfL Wolfsburg, einem Klub mit mehr finanziellem Spielraum.

Werder Bremen: Kohfeldt bleibt Trainer – noch

Von denen tummeln sich mittlerweile einige in der höchsten Spielklasse. RB Leipzig hat einen milliardenschweren Geldgeber. Borussia Dortmund und der FC Bayern schweben in einer anderen Liga. „Vielleicht muss Bremen nun mit der Berg- und Talfahrt leben“, sagt Allofs. Doch natürlich müsse der Abstieg verhindert werden.

Diese schwierige Aufgabe will der Verein weiter mit Trainer Florian Kohfeldt meistern. Sportchef Frank Baumann hält an dem 37-Jährigen fest, auch wenn die Kritik zunimmt. Zusätzlicher Ärger braut sich nach Informationen der „Deichstube“ durch eine mögliche Suspendierung von Fanliebling Claudio Pizarro zusammen, da dieser nach der Niederlage gegen Union die direkte Mannschaftsbesprechung auf dem Rasen missachtete.

Der 41-Jährige reist möglicherweise nicht mit zum Auswärtsspiel am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim Tabellenzweiten RB Leipzig. Anschließend kommt der Tabellendritte BVB an die Weser. Die Bremer werden in dieser Partie den Mythos vom Außenseiter bemühen. Jedoch geht es diesmal nicht um Titel, sondern um die Bundesliga-Existenz.

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