Kommentar

Thomas Müller: Seine Zeit bei Bayern München ist abgelaufen

Mehr am Boden als obenauf: Thomas Müller ist nur noch Reservist beim FC Bayern München.

Mehr am Boden als obenauf: Thomas Müller ist nur noch Reservist beim FC Bayern München.

Foto: dpa

Essen  Thomas Müller liebäugelt mit einem Abschied vom FC Bayern im Winter. Trainer Niko Kovac sorgt mit unglücklichen Worten für Unruhe. Ein Kommentar.

Gut möglich, dass Empathie und Fingerspitzengefühl ohnehin im milliardenschweren Unterhaltungsbetrieb Profifußball nicht mehr sonderlich gefragt sind. Niko Kovac hat sich aber bislang als durchaus sympathisch auf der Trainerbank des FC Bayern präsentiert, weshalb er die Auswirkung seiner an Thomas Müller gerichteten Not-am-Mann-Aussage womöglich unterschätzt hat.

Einem Spieler, erst recht einem so verdienstvollen wie dem 30 Jahre alten Weltmeister von 2014, das Gefühl zu geben, nur noch Lückenbüßer zu sein und bei personellen Engpässen in der Aufstellung berücksichtigt zu werden, begünstigt nie das Binnenklima. Und für Trainer hat es sich in der Geschichte des Deutschen Rekordmeisters ja bereits mehrmals als heikel herausgestellt, eine Integrationsfigur zu vergrätzen.

Thomas und Lisa Müller sind mit Niko Kovac unzufrieden

Die Eheleute Müller sind jedenfalls nicht das erste Mal mit Niko Kovac unzufrieden, vor fast genau einem Jahr machte Thomas‘ Gattin Lisa über soziale Netzwerke ihre Zweifel an der beruflichen Kompetenz des Trainers öffentlich. Sollte es der 100-malige Nationalspieler ernst meinen mit seinen Abwanderungsabsichten in der Winter-Transferperiode, müssen sich beide Seiten Gedanken machen.

Zum einen der Spieler: Müllers mal geniale, mal tollpatschige Aktionen haben im internationalen Spitzenfußball nicht mehr die Durchschlagskraft, Spieler auf seiner Position sind jünger und vor allem viel schneller. Von daher war Kovac nur in seiner Wortwahl unbedacht. Die alte Klasse flackert nur noch selten auf, auch wenn Müller als Mr. Bayern gilt.

Bayern legten Schweinsteiger und Lahm keine Steine in den Weg

Zum anderen der Verein: Geschätzt 15 Millionen Euro Gehalt sind für einen Ergänzungsspieler viel zu viel. Gleichwohl könnte Müller angesichts der überschaubaren Personaldichte nicht ohne höherwertigen Ersatz den Verein verlassen. Es ist ja auch noch nicht absehbar, welche sportlichen Aussichten die Münchener im Frühjahr in der Champions League haben.

Gemäß seiner Bedeutung für den FC Bayern in diesem Jahrtausend wird Thomas Müller in einem Atemzug mit den größten Spielern genannt. Ihnen legten die Münchener Verantwortlichen in der Vergangenheit auch keine Steine in den Weg, 2015 zu Manchester United zu wechseln (Bastian Schweinsteiger) oder 2017 den noch ein Jahr gültigen Vertrag vorzeitig aufzulösen (Philipp Lahm).

Bei Louis van Gaal hat Thomas Müller immer gespielt

Der 35 Jahre alte Schweinsteiger hat nun seine Karriere beendet, legt den Schwerpunkt auf die Familie – man wünscht ihm in Zeiten von Football Leaks irgendwie die Einsicht, auf ein Leben ohne Fußball und überbordendes Geltungsbedürfnis verzichten zu können.

Für den fünf Jahre jüngeren Thomas Müller käme Fußballer a.D. als Berufsbezeichnung zu früh. Nicht weil er noch für Geld spielen muss, weil er aber als Type diesem Sport zu früh verloren ginge. Doch auch er muss sich eingestehen, dass selbst Louis van Gaal heute vermutlich nicht mehr sagen würde: „Müller spielt immer“.

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