Fußball

Rangnicks glorreiche Sieben mischen die Bundesliga auf

Ralf Rangnick ist der Trainer und Sportdirektor von RB Leipzg.

Ralf Rangnick ist der Trainer und Sportdirektor von RB Leipzg.

Foto: dpa

Leipzig.  Immer mehr alte Weggefährten des Leipzigers werden Bundesliga-Trainer. Der Spielstil, mit dem er RB zum Erfolg führt, setzt Maßstäbe .

Florian Kohfeldt gibt sich keinen Illusionen hin. RB Leipzig wird am Samstag nicht im Schongang an die Weser reisen, um sich im selben Modus dem Trainer von Werder Bremen und seinem Kader zu präsentieren, obwohl der Tabellendritte der Fußball-Bundesliga abgeschlossen hat mit der Meisterschaft: Es gibt nichts mehr zu gewinnen. Auch nichts zu verlieren.

„Die spielen Vollgas“, meinte Kohfeldt deshalb zu Wochenbeginn und verwies auf das Pokalfinale der Sachsen eine Woche später gegen Bayern München. „Sie wollen im Rhythmus bleiben“, zumal der Kollege „keiner ist, der Spiele herschenkt.“ Man kennt sich schließlich. So wie jedermann Ralf Rangnick kennt. Der 60-Jährige ist ein Urgestein des bundesdeutschen Fußballs. Deshalb lässt sich bestimmt auch in Kohfeldts Vita irgendein Detail finden, das ihn mit dem RB-Trainer verbindet.

Wiedersehen mit Nagelsmann

Aber siehe da: Rangnick hat nie in Bremen gearbeitet – und Kohfeldt nie woanders. Die beiden kennen sich persönlich von genau einer Partie: dem Hinspiel in Leipzig kurz vor Weihnachten. Es ist erstaunlich, und vielleicht bald eine Seltenheit, dass sich in der Bundesliga noch Trainer finden, die nichts mit dem Leipziger Trainer und Sportdirektor zu tun haben. TSG-Trainer Julian Nagelsmann, der im Sommer nach Leipzig wechselt, und Schalkes Bald-Trainer David Wagner haben unter Rangnick in Hoffenheim als Jugendtrainer gearbeitet. Adi Hütter (Eintracht Frankfurt) sowie die Neulinge für die kommende Spielzeit, Oliver Glasner (VfL Wolfsburg) und Marco Rose (Borussia Mönchengladbach) kennen den Routinier. Rangnick holte die Trainer während seiner Zeit als Sportchef für die Fußballsparten des Getränke-Unternehmens Red Bull in den Nachwuchsbereich des Abonnement-Meisters Salzburg. Niko Kovac lernte Rangnick ebenfalls in Österreich kennen. Die Zusammenarbeit der beiden war nur von kurzer Dauer. Der aktuelle Trainer des FC Bayern musste 2012 in Salzburg gehen – seine Arbeit als Co-Trainer war nicht mehr gefragt.

Köln verpflichtet einen Rangnick-Weggefährten

Voriges Wochenende schließlich hat Zweitliga-Aufsteiger 1. FC Köln den nächsten Rangnick-Weggefährten verpflichtet. Achim Beierlorzer war Co-Trainer in Leipzig während der Aufstiegssaison 2015/2016, zuvor hat er die U17 der Sachsen trainiert. In einem Interview mit dem Donau-Kurier hat der 51-Jährige Anfang Mai eine Erklärung für die Schwemme an Bundesliga-Trainern, die beim Meister das Handwerk gelernt haben, gegeben. Beierlorzer: „Ich habe in Leipzig die ganze Bandbreite an Dingen miterlebt, die man im Fußball machen kann. Von Rangnick habe ich die Spielphilosophie und deren Umsetzung übernommen.“ Sprich: seinen Überfallfußball mit Gegenpressing und schnellem Umschaltspiel, den er in Hoffenheim, Leipzig und Salzburg zum Leitmotiv erhoben hat.

Leipzigs Erfolg weckt Begehrlichkeiten bei vielen Klubs

Sinnbildlich für den Erfolg, den man mit diesem Fußball haben kann, ist der Aufstieg von RB Leipzig zur dritten Kraft im deutschen Fußball. Drei Jahre hat sich die Konkurrenz angeschaut, wie sich die Sachsen mit ihrem Raubritterfußball zwei Mal für die Champions League qualifiziert haben.

Jetzt wollen sie es auch so haben: Deshalb ersetzt Rose den gar nicht mal schlecht arbeitenden Dieter Hecking in Gladbach, deshalb muss Bruno Labbadia Platz für Glasner machen, obwohl er den VfL auf Europapokalkurs gebracht hat. Und deshalb ist auch Wagner bald auf Schalke.

Mit Rangnicks Know-how aus dem Tabellenkeller

Der Neue ist zwei Jahre in Rangnicks Fußballschule gegangen. Seine Spielidee hat er deshalb nicht wie oft angenommen von Jürgen Klopp übernommen, unter dem Wagner einst bei Borussia Dortmund gearbeitet hat, sondern „von Ralf Rangnick“, wie er vor einer Weile schon in einem Interview mit dem Kicker verraten hat. „Das ist die Art des Fußballs, die ich geil finde“ - und von der sich auch Jochen Schneider verspricht, dass er S04 aus dem Ligakeller holt. Der neue Schalker Sportvorstand weiß nämlich, was sich damit alles bewerkstelligen lässt. Auch er ist ein Rangnick-Mann. Zwei Jahre lang war er dessen rechte Hand in Leipzig.

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