Bundesliga-Trend

Die Liga wird französischer: Heidel und Eberl erklären warum

Max Eberl und Christian Heidel bei einer DFL-Versammlung im März 2018.

Max Eberl und Christian Heidel bei einer DFL-Versammlung im März 2018.

Essen  Zwei Dutzend Profis aus dem Land des Weltmeisters spielen jetzt in Deutschland. RB Leipzig hat die meisten, Bayern die teuersten.

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Alassane Pléa hätte natürlich nichts dagegen gehabt, im französischen Nationaltrikot den WM-Pokal in die Luft zu heben. Doch der 25-Jährige konnte den Weltmeister-Triumph nur vor dem Fernseher verfolgen. Frankreichs Nationaltrainer Didier Deschamps verzichtete auf die Dienste des Stürmers, was der Neuzugang von Borussia Mönchengladbach sogar verstehen kann. „Ich bin nicht enttäuscht, in Frankreich ist die Konkurrenz einfach sehr, sehr groß“, meint Pléa.

Bemerkenswerte Worte, schließlich hat Gladbach für seinen neuen Stürmer auch deswegen 25 Millionen Euro an den OGC Nizza überwiesen, weil Pléa in der letzten Saison in der französischen Ligue 1 über 16 Tore jubelte, sechs weitere vorbereitete. Hätte ein deutscher Stürmer so eine Bilanz vorzuweisen, hätte ihm Bundestrainer Joachim Löw vermutlich persönlich die Nivea-Produkte in den Reisekoffer für Russland gepackt. Frankreich strotzt nur so vor Qualität – dadurch wird der Markt im Nachbarland auch für die deutsche Liga immer interessanter.

Zwei Weltmeister

Vor fünf Jahren verdienten noch fünf Franzosen ihr Geld in der Bundesliga. Mittlerweile sind es 24 – darunter die Weltmeister Corentin Tolisso (FC Bayern) und Benjamin Pavard (VfB Stuttgart). Nur aus Österreich (30) kommen mehr Fußball-Gastarbeiter. Der Trend zeigt: Die Bundesliga wird französischer.

Ein Grund: die hervorragenden Entwicklungsmöglichkeiten in Frankreich. „Für mich haben sie die Liga mit der momentan besten Ausbildung“, erklärt Gladbachs Manager Max Eberl, „egal ob Abwehrspieler, Sturm oder Mittelfeld – sie haben in allen Bereichen top ausgebildete Spieler.“ Zum anderen glauben aber genau diese Talente, in Deutschland den nächsten Schritt gehen zu können.

Und so kommen immer mehr. Neben Pléa trainieren bei Gladbach noch Michael Cuisance und Mamadou Doucouré. Auch im Revier wird Französisch gesprochen. Borussia Dortmund versucht, mit dem brandneuen Abdou Diallo sowie Dan-Axel Zagadou zwei Verteidiger weiterzuentwickeln. Auf Schalke verhindert Benjamin Stambouli Gegentore. Aber auch der Marokkaner Amine Harit wurde in Frankreich geboren und in Nantes ausgebildet.

„Bei Harit haben wir schon gemerkt, dass er hervorragend taktisch ausgebildet wurde“, meint Schalkes Sportvorstand Christian Heidel im Gespräch mit dieser Redaktion, „allerdings finde ich auffallend, dass französische Talente auch individuell sehr stark sind, sie können Eins-gegen-Eins-Situationen lösen“.

Heidel hat sich deswegen das Nachwuchsleistungszentrum des FC Metz angeschaut, um zu lernen, aber auch, „weil der Markt sehr interessant ist“.

Dabei reizt die Bundesliga-Manager dieser Markt auch deswegen, weil sie hier noch finanzielle Argumente vortragen können. Während etwa in der englischen Premier League selbst Abstiegskandidaten mit Euro-Millionen um sich werfen, können in Frankreich nur die Topklubs beim Transfer-Irrsinn mitmischen. Manager Eberl machte Pléa den Wechsel also nicht nur mit den Entwicklungschancen und dem Blick auf den Rhein als Côte-d’Azur-Ersatz schmackhaft, sondern auch mit einem höheren Gehaltscheck. Meistens das beste Argument in Fußballer-Kreisen.

Mit Blick auf die EM 2020

Gleichzeitig zeigen die vielen französischen Talente, dass der DFB hinterherhinkt, wo er doch eigentlich bei der Europameisterschaft 2020 wieder um den Titel mitspielen will. Frankreich wird dann wohl noch stärker sein. Auch Pléa will sich weiterentwickeln. Nur so könnte er einen Anruf von Weltmeister-Trainer Didier Deschamps erhalten – und vielleicht bei der nächsten EM das Trikot seines Heimatlandes tragen

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